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Gewässerbiologe Ludwig Tent referiert vor Dollgower Anglern und Naturschützern über lebendige Bäche

Der Döllnitz ihren Lauf lassen

Lebendig: Das Wasser - hier im Polzowkanal - wird durch Steine natürlich in Bewegung gebracht. In den meisten Fließgewässern existierte einst ein Kiesbett, das die Wurzeln der Pflanzen hielt und dem Forellennachwuchs Verstecke bot.
Lebendig: Das Wasser - hier im Polzowkanal - wird durch Steine natürlich in Bewegung gebracht. In den meisten Fließgewässern existierte einst ein Kiesbett, das die Wurzeln der Pflanzen hielt und dem Forellennachwuchs Verstecke bot. © Foto: MZV
Mandy Oys / 16.02.2017, 06:09 Uhr
Dollgow/Menz (GZ) Die letzte Eiszeit hat Flüsse und Bäche geschaffen, der Mensch hat sie verändert - begradigt, vertieft und die Ufer gemäht. Die Forelle an der Angel ist selten geworden. Aber es gibt sie noch.

Die Forellen in der Döllnitz, die von Dollgow zum Rheinsberger Rhin fließt, stammen aus künstlichen Bruten, die Bachneunaugen im Kleinen Rhin nicht. "Das Potenzial ist da, aber man muss helfen", sagt die stellvertretende Naturparkleiterin Silke Oldorff nach dem Ausflug zu Fließgewässern innerhalb des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land mit Experte Ludwig Tent. Tent habe ein Auge für Bäche und Flüsse. Er machte sich ein Bild. Der Gewässer- und Fischereibiologe hat mehr als 35 Jahre daran gearbeitet, Bäche und Flüsse im Hamburger Raum zu "renovieren", wie er sagt. Und Tent ist Angler, seit 55 Jahren.

Mit einfachen Mitteln könnten die Fließgewässer, die die Kinderstuben der Fische sind, ihren natürlichen guten Zustand zurückerhalten. "Wir geben nur Anstöße" - mit Kiesel oder Holz, der Fluß weiß das alles viel besser", sagt Tent. Steine aufschütten, Äste in den Boden stoßen, an denen sich Sedimente anhäufen und so ein neues, natürliches Ufer entstehen kann - das reiche meist aus. "Wenn Steine ausgebaggert wurden, müssen sie wieder rein", viel mehr brauche es nicht, sagt Tent, um ohne künstlichen Fischbesatz auszukommen. Aus einem geradlinigen Bach werde wieder ein lebendiges Fließgewässer, das verschiedenen Tierarten Heimat biete. Kehren die Flohkrebse und Insekten zurück, findet die Forelle Nahrung und der Angler schließlich sein Glück.

Ziel sei, nicht ständig Besatz in den Dollgower See zu bringen, sondern für funktionierende Zuläufe und damit eine natürliche, häufig viel höhere Reproduktion zu sorgen. In Dänemark sei das seit jeher Aufgabe der Angelvereine.

Noch bevor Ludwig Tent seinen Vortrag während des Kleinen Naturschutztages am Donnerstag hielt, war er am Mittwochabend vor den Dollgower Anglern aufgetreten. Die Stimmung nach der Vorstellung seiner Projekte der vergangenen 35 Jahre war anfangs verhalten. Doch die Gespräche im Nachhinein seien vielversprechend gewesen. Die Angler sagten zu, das Thema im Vorstand ausgiebig zu besprechen, berichtet Silke Oldorff. Schließlich machten sie sich Gedanken um ihren See und die Kinderstube der Forelle. Der Vereinsvorsitzende Thomas Beckmann will das Thema auch im Fachmagazin "Märkischer Angler" unterbringen, um Tents Erfolge in Brandenburg bekannter zu machen.

Das war schließlich auch Sinn der Einladung des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land. "Wir waren einfach begeistert, was rund um Hamburg passiert, sagt Naturparkleiter Dr. Mario Schrumpf. Es zeige, was Angler, Naturschützer und Verbände gemeinsam erreichen können.

Vereine, Grundstückseigentümer, Unterhaltungsverbände und Wasserbehörden müssten miteinander reden, meint Tent. Seine Erfahrung bestätigt, dass vernünftige Gespräche zum Ziel führen. Für Landwirte, die die Flächen entlang der Fließgewässer intensiv nutzen, haben seine Projekte keine negativen Auswirkungen - im Gegenteil, die Ufer würden natürlich befestigt.

Es gibt allerdings Bedingungen, um einen Bach zu renaturieren und ihn zur Kinderstube der werden zu lassen. Bäume und Sträucher müssen ihn beschatten. Steigt die Wassertemperatur über 20 Grad Celsius wandern die Forellen aus, sie fühlen sich nicht mehr wohl. Man muss der Natur ihren Lauf lassen. Die regelmäßigen Mahden durch Unterhaltungsverbände seien schädlich. Ein falsch verstandenes Bild von Ordnung und Sauberkeit sei Feind der lebendigen Bäche.

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