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Im Bundesleistungszentrum Kienbaum trainieren Spitzensportler ihre Wettkampfform

Weltmeister am Boden

Wand mit Geschichte: Klaus-Peter Nowack, Leiter des Bundesleistungszentrums Kienbaum, vor Fotografien von Spitzensportlern der DDR.Die einstige Höhentrainingsanlage ist heute ein Museum, das neben Filmaufnahmen auch alte Brotbüchsen zeigt
Wand mit Geschichte: Klaus-Peter Nowack, Leiter des Bundesleistungszentrums Kienbaum, vor Fotografien von Spitzensportlern der DDR.Die einstige Höhentrainingsanlage ist heute ein Museum, das neben Filmaufnahmen auch alte Brotbüchsen zeigt © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 24.02.2017, 18:51 Uhr
Kienbaum (MOZ) "Deutsches Olympia- und Paralympics-Trainingszentrum" wird das Bundesleistungszentrum Kienbaum ab Sommer heißen. Besuch an einem Ort, an dem der Spitzensport der Gegenwart auf Vergangenheit und Zukunft trifft.

Kugelstoß-Weltmeister David Storl liegt in der Wurfhalle erschöpft auf dem Boden; Jack Culcay-Keth, Box-Weltmeister im Halbmittelgewicht, beendet sein Mittagessen im Speisesaal mit einer großen Schale Milchreis; in der Kunstturnhalle analysiert Bundestrainer Andreas Hirsch die Leistungen seiner Männer. Normalität im Bundesleistungszentrum Kienbaum.

Am Liebenberger See, zwischen hohen Fichten und schlanken Kiefern, ist die Weltmeister- und Olympiatitelträger-Dichte so hoch, wie sonst nur bei Wettkämpfen. Hier haben vor zwei Wochen die Bobfahrer ihre Kondition auf die Weltmeisterschaft am Königssee eingestellt, in der nächsten Woche reisen die Schwergewichte des Deutschen Box-Sportverbandes an.

"Seit heute ist der See eisfrei, ab Montag werden wir die Bojen und die automatische Startanlage anbringen", sagt Leiter Klaus-Peter Nowack. Sein Blick ruht auf dem Trainingsgelände der Kanuten, dem Haussee der 50 Hektar großen Anlage. Über 409 Betten verfügt das Bundesleistungszentrum, ein Großteil werde gerade erneuert. Weil hochgewachsene Basketballer bisher zwei Betten zusammenstellen mussten, um mit ausreichend Beinfreiheit einzuschlafen.

Alt und neu, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft prallen in Kienbaum aufeinander. Da ist einerseits die modernste Kunstturnhalle der Welt. Musikalisch unterlegt von Nenas "Irgendwie fängt irgendwann, irgendwo die Zukunft an", nennt Bundestrainer Andreas Hirsch die 68 mal 37 Meter große Turnlandschaft ein "Paradies": durch die großen Fensterfronten hell, ohne dass das Sonnenlicht blendet; 24 Kameras, die jede geturnte Übung aufzeichnen und sofort analysierbar machen; Originalgeräte, die bei den Olympischen Spielen in Rio im Einsatz waren.

Und da ist andererseits die Höhentrainingsanlage mit Nostalgiecharme, 1979 in Betrieb genommen. "Nach den Olympischen Sommerspielen in Mexiko hatte man erkannt, dass die Sportler in der Höhe bessere Leistung brachten", erklärt Klaus-Peter Nowack und betritt durch eine Schleuse einen künstlich beleuchteten Raum mit historischen Rennrädern und Hantelbanken.

"Hier trainierten die Sportler in einer simulierten Höhe zwischen 2700 und 3000 Meter und wurden dabei ständig überwacht." Zuvor verharrten die Sportler eine halbe Stunde lang in der Schleuse, wo Druck und Sauerstoffgehalt langsam an die Bedingungen in der Trainingshalle angepasst wurden. Heute ist die Anlage ein Museum, voll mit Erinnerungen an die ehemalige Kaderschmiede der DDR.

Die Zukunft beginnt im Bundesleistungszentrum in diesem Jahr. Die Umbenennung in "Deutsches Olympia- und Paralympics-Trainingszentrum" im Zuge einer Reform des deutschen Spitzensports ist beschlossene Sache, der Ausbau der Trainingsmöglichkeiten für behinderte Sportler steht bevor.

In der Bogenhalle hofft Alexander Nehls, Teil dieser Zukunft zu werden. Der 19-Jährige gehört zu den Nachwuchstalenten des Bogensports, die in Kienbaum ebenso trainieren wie die Turner aus Erkner oder die Leichtathleten aus Müncheberg. "Gestern hatten wir Krafttraining, heute schießen wir und am Sonntag absolvieren wir unser Wettkampftraining", sagt Alexander Nehls. Dann spannt er seinen Körper, hebt den Bogen und zielt in die Ferne.

Von Annemarie Diehr

Kienbaum (MOZ)

Kugelstoß-Weltmeister David Storl liegt in der Wurfhalle auf dem Boden; Jack Culcay-Keth, Box-Weltmeister im Halbmittelgewicht, beendet sein Mittagessen im Speisesaal mit einer großen Schale Milchreis; in der Kunstturnhalle analysiert Bundestrainer Andreas Hirsch die Leistungen seiner Männer.

Am Liebenberger See, umgeben von hohen Fichten und schlanken Birken, liegt ein Mekka des deutschen Spitzensports. Das Bundesleistungszentrum Kienbaum

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