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Der Müllhorror geht weiter

Zufahrt erzwungen: Unbekannte haben Betonplatten beiseite geräumt. Dazu war schwere Technik notwendig.
Zufahrt erzwungen: Unbekannte haben Betonplatten beiseite geräumt. Dazu war schwere Technik notwendig. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 26.02.2017, 06:29 Uhr
Hohenselchow (MOZ) Unbekannte haben auf der einstigen Mülldeponie im Wald bei Groß Pinnow Hausrat und Schutt abgeladen. Der Zugang zum Areal war durch Betonplatten gesperrt. Die Täter haben sie weggeschoben. Dabei war die Halde vor Kurzem mit Geld vom Land und der Gemeinde aufwändig saniert worden.

Über die kriminelle Energie der Täter ist man in der Gemeinde Hohenselchow-Groß Pinnow erbost. "Wir sind schockiert", stellt Bürgermeister Norbert Dittmann fest. "Die Betonplatten am Eingang schiebt man nicht einfach so beiseite, da braucht man schon schwere Technik dazu. Das müssen Leute gewesen sein, die sich genauestens auskennen."

Im Dorf reagiert man auch deshalb so empört auf diesen Fall, weil das einstige Müllgelände im Wald unter dem Namen "Deponie Oder-Schrott" zu traurigem Ruhm gekommen war. Dort hatte sich innerhalb von 25 Jahren einer der größten Umweltskandale in Brandenburg entwickelt.

Die Betreiber der Deponie hatten Millionen mit dem Einlagern von Reifen, Asbest, Bitumen und Bauschutt verdient. Die Firma Oderschrott ging pleite, doch niemand fühlte sich für den illegalen Müllplatz verantwortlich. Die Behörden konnten die Verantwortlichen nicht dingfest machen. Im Wald, quasi vor den Toren des Dorfes Groß Pinnow, lagerten 55000 Kubikmeter Abfälle.

Weil die Gemeinde aus eigener Tasche eine Klärung der verzweigten Eigentumsverhältnisse herbeiführte, hat sich das Land Brandenburg bereit erklärt für die Sanierung aufzukommen. Das hat fast 1,8 Millionen Euro gekostet und also den Steuerzahler belastet. Erst vor drei Monaten war mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten der Schlussstrich unter das Kapitel Müllmafia gezogen worden. - So hoffte man jedenfalls in Hohenselchow-Groß Pinnow.

"Wir waren froh, dass wir diesen Klotz am Bein los sind", fasst Norbert Dittmann zusammen, "und jetzt geht das wieder los." Die Gemeindevertreter wissen - wo einmal wilder Müll liegt, kommt schnell noch mehr hinzu. Alle erinnern sich ungern an die extreme Brandgefahr, die einst von der illegalen Deponie mitten im Wald ausging. "Die Kameraden der Feuerwehr haben dort viele Einsatzstunden verbracht", sagt der Bürgermeister.

Noch ist unklar, wie das sanierte Gelände einmal genutzt wird. Die Natur erobert es sich gerade zurück. Die Gemeinde will jetzt den Zugang zu der sanierten Fläche mit noch größeren Betonelementen versperren. Dafür ist Spezialtechnik notwendig. Auch dieser Einsatz geht zu Lasten der Bürger.

Einwohnerin Petra Kühn hat für die neuen Müllablagerungen im Wald kein Verständnis. "Die Entsorgung für Haushalte geht doch heutzutage so leicht- man muss nur einen Sperrmülltermin vereinbaren und das Zeug wird von der Haustür abgeholt."

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