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Verein tappt im Dunkeln

Not-OP: Am Sonnabend haben Vereinsmitglieder die maroden Flutlichtmasten abgesägt, um die Platzsperre aufzuheben. Am linken Bildrand erkennt man einen der Stümpfe.
Not-OP: Am Sonnabend haben Vereinsmitglieder die maroden Flutlichtmasten abgesägt, um die Platzsperre aufzuheben. Am linken Bildrand erkennt man einen der Stümpfe. © Foto: MOZ
Jörg Kühl / 06.03.2017, 20:20 Uhr
Groß Muckrow (MOZ) Die Fußballer vom FC Groß Muckrow blicken in eine düstere Zukunft, und das beinahe wörtlich. Die Flutlichtmasten mussten zum Wochenende aus Sicherheitsgründen gekappt werden und die Stadt kann derzeit finanziell nicht helfen.

Zum Wochenende hin haben sich die Dinge für den Verein FC Groß Muckrow zugespitzt. Das Malheur, das vor zehn Tagen mit einer besorgten Anfrage im Stadtparlament begann, endete mit einer wahren Räuberpistole: Nach dem der Vereinsvorsitzende Christian Engel mit zwei Vereinskameraden vor den Abgeordneten auf deren jüngsten Sitzung erheblichen Investitionsbedarf angemahnt hatte, brechen Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Das Ergebnis alarmierend: Die Masten der 1976 installierten Flutlichtanlage sind nicht mehr stabil. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Überprüfung durch eine Fachfirma endet mit dem Befund: Der Platz muss sofort gesperrt werden, Gefahr im Verzuge. Dies teilt der Mitarbeiter des Fachbereichs Ordnungsangelegenheiten, Steffen Krüger, dem Verein am Freitag mit. Doch am Sonntag war Spielbetrieb, und bei kurzfristig abgesagten Spielen müssen die betreffenden Vereine 150 Euro Strafe an den Deutschen Sportbund zahlen, so umreißt Vereinschef Engel das Dilemma. Dass die Fachfirma bei ihrem Besuch am Donnerstag auf dem Trainingsplatz mit dem Lkw stecken blieb und von der Feuerwehr rausgezogen werden musste (unter Hinterlassenschaft knöcheltiefer Spurrillen) geriet da fast zur Nebensache. "Am Sonnabend haben wir die vier Masten mit Hilfe einer gesponserten Hebebühne selbst gekappt", so der Vereinsvorsitzende. Seitdem können die Kicker, die aufgrund ihrer Berufstätigkeit nur Abends Zeit haben, in der früh-dunklen Jahreszeit nicht mehr im Freien üben, sondern müssen in die Friedländer Turnhalle ausweichen.

Die Zuspitzung verdeutlicht ein tiefer sitzendes Problem. Denn auf dem gesamten Gelände seien Investitionen nötig, die der Verein ohne Hilfe nicht stemmen könne, so der Vorsitzende. Eine neue Flutlichtanlage erscheint im Licht der jüngsten Ereignisse am wichtigsten. Auch ein neuer Rasentraktor als Ersatz für den 17 Jahre alten Vorgänger müsse angeschafft werden. Weiteren Sanierungsbedarf sieht der Verein im Bereich des Sanitärtrakts, der auch die Umkleideräume enthält.

Die Stadt wiederum ist aufgrund der aktuellen Finanzlage - man befindet sich im Haushaltssicherungskonzept - nicht in der Situation, groß zu investieren. Ohnehin läuft der Pachtvertrag mit dem Privateigentümer 2024 aus, und niemand weiß, wie es weitergeht. "Wir versuchen seit einem halben Jahr, mit den Eigentümern einen Termin zu vereinbaren, aber die Kontaktaufnahme gestaltet sich als schwierig", berichtet der für Bau- und Grundstücksangelegenheiten zuständige Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, Andreas Schulz.

Auf dem Sportplatz befindet sich in einem Bungalow ein kleiner Raum, der dem 300-Einwohner-Dorf ersatzweise als Gemeindezentrum dient. Im Sanitärtrakt ist zudem der Groß Muckrower Jugendklub. Nun prüft die Stadt, ob ein städtisches Wohnhaus im Dorfzentrum als neues Gemeindezentrum hergerichtet werden kann. Dem Sportverein würde dies wenig helfen. Der FC Groß Muckrow würde es daher laut dem Vorsitzenden Engel begrüßen, wenn der Stadt es gelänge, das Grundstück am Sportplatz zu erwerben.

Dem Verein bleibt einstweilen ein kleines Trostpflaster: Das Spiel am Sonntag gegen den SV Wellmitz haben die Muckrower 2:0 gewonnen.

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