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Familiengeführte Firma für Textildruck

Junge Chefs: Lukas Schönhoff, zuständig für die Produktion, und Kaufmann Simon Schönhoff (rechts) führen aktuell den Familienbetrieb.
Junge Chefs: Lukas Schönhoff, zuständig für die Produktion, und Kaufmann Simon Schönhoff (rechts) führen aktuell den Familienbetrieb. © Foto: MZV
Andrea Linne / 09.03.2017, 09:15 Uhr
Eichstädt (OGA) Der Pool im Garten an der Gewerbestraße, der von den Mitarbeitern im Sommer gern als Pausenerfrischung genutzt wird, täuscht. In der 2 500 Quadratmeter großen Halle im Eichstädter Gewerbegebiet wird auf Hochtouren produziert. 150 000 unterschiedliche Textilien kommen bedruckt oder bestickt aus den Maschinen.

Diese tuckern leise vor sich hin, hochsensibel und PC-gesteuert. Nichts erinnert mehr an die Druckereien von einst und Setzer mit schwarzen Fingern. Die Juniorchefs Lukas und Simon Schönhoff, 26 Jahre und 25 Jahre alte Brüder, haben das Zepter in diesem Betrieb in der Hand. Firmengründer Thomas Schönhoff,der Vater der beiden, musste sich aktuell aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen.

Unterschiedlicher könnten die Brüder nicht aussehen. Lukas, der stämmige, ältere mit braunen Augen und kurzgeschorenem Haar ist von der Pieke auf in den Textildruck-Betrieb seines Vaters hineingewachsen. Parallel zum BWL-Studium lernte er Drucker.

Simon, der langgewachsene dunkelhaarige Typ mit den leuchtenden blauen Augen, ist über Querwege zum Juniorchef geworden. Seine Sporen hat sich der junge Mann zunächst bei Bombardier verdient, ehe er nach BWL-Studium und der Arbeit im Werk in Görlitz dann doch in der Familienbranche ankam.

Dabei war schon der Großvater der beiden rückblickend Gründer der Schönhoff'schen Dynastie. Der Großhandel, den dieser in Leverkusen betrieb, wurde von Sohn Thomas über dessen Studium nach Berlin getragen, wo sich 1985 die Plusprint Gesellschaft für Druck- und Verlagserzeugnisse gründete. Nachdem ein Lieferant zahlungsunfähig geworden war, übernahm er auch noch die Offset-Druckerei.

Am Standort Lindenberg bei Bernau wurde 1991 eine Halle gemietet und die Palette weiter ausgebaut. Da diese Halle gemietet war, zog das Unternehmen irgendwann in eigene Räume. Die fand Thomas Schönhoff im Gewerbegebiet Oberkrämer. Seit April 2015 ist Plusprint nun dort.

25 Frauen und Männer sorgen für die farbenfrohe Zukunft der Firma. An den drei großen Siebdruckautomaten, die großen Karussells ähneln, können T-Shirts, Rucksäcke und viele Produkte mehr mit Schriftzügen und Bildern verziert werden. Das Ganze geht so schnell, dass für den Großauftrag zum Halbmarathon in Berlin in einer Woche an zwei Maschinen 30 000 Shirts beidseitig bedruckt werden konnten.

Dabei schwört Simon Schönhoff, der das Kaufmännische unter sich hat, auf die Qualitätskontrolle. "Es gibt kaum Fehldrucke, weil wir jedes Produkt dreimal anschauen." Dadurch könnten Kunden mit guten Konditionen geworben werden, weil kaum Fehlproduktionen anfallen. Lukas, der in der Produktion das Sagen hat, verweist außerdem auf "das neueste Schätzchen", eine Sechskopfstickmaschine. Die kann gleichzeitig sechs Textilien, zum Beispiel Basecaps, mit Farben und Schriften verzieren.

Ob Kleinauftrag für die Freiwillige Feuerwehr, mittelgroßer Auftrag für die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde oder Großauftrag für Konzertveranstalter - alles ist möglich. Von September bis Dezember laufen die Maschinen sich warm. Dann ist die Hochphase. Konzertveranstalter oder Weihnachtshandel füllen die Regale mit Merchandise-Produkten für das Online-Geschäft. Apropos: In der Nachbarhalle lagern auf 600 Quadratmetern gut 30 000 Shirts, die jederzeit den Nachschub sichern.

Hochmodern geht es bei Plusprint zu. Haben die Kundenberater die Entwürfe selbst oder von Gestaltern übernommen, entstehen auf digitalem Weg die Filme, die später den Offset-Druckmaschinen "sagen", was wie mit Farbe zu füllen ist. Gleichzeitig lassen sich zehn Farben fotorealistisch drucken. Immer mehr kommen auch sogenannte Transferdruckaufträge ins Haus. In diesem Fall werden die Motive quasi aufgedampft. Dafür braucht es spezielle Folien und Farbstoffe, ein Trend.

Für den Druck sind Siebe nötig. Bezogen mit Stoff nehmen sie die zuvor angemischten Farben auf und verteilen diese nach den Vorgaben auf die Textilien.

Die Siebe wurden früher per Hand ausgewaschen, weiß Simon Schönhoff zu erzählen. "Das war keine beliebte Arbeit." Heute sorgt eine hochmoderne Waschanlage dafür, dass in einem geschlossenen Wasserkreislauf mit Filtern saubere Siebe für die Produktion verfügbar sind. Das Abwasser ist beinahe pH-Wert-neutral, ergänzt Lukas Schönhoff nicht ohne Stolz.

Auch die Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung wird über große silberglänzende Rohre realisiert. Zweimal in der Stunde wird quasi die gesamte Raumluft in der Halle, die von Öfen und Maschinen aufgeheizt ist, ausgetauscht. Da die manchmal Probleme macht, wird es vor allem im Sommer sehr heiß in dem Gebäude.

Abwechslungsreich ist die Arbeit bei Plusprint allemal. Noch sucht das Unternehmen, das auch auf der jüngsten Jobmesse Youlab in Oranienburg vertreten war, Auszubildende. Ob als Medientechnologe/-in Siebdruck oder Kauffrau/-mann für Groß- und Außenhandel, Bewerbungen nehmen die Juniorchefs noch an.

Wer sich Sorgen um die Anreise zur Arbeit macht - da ist die junge Mannschaft kreativ. "Wir haben Kollegen, die aus Bernau mit Fahrgemeinschaften kommen. Auch aus Berlin-Pankow reisen zwei Gruppen an", berichtet der 25-jährige Simon Schönhoff. Von Hennigsdorf geht es mit dem Bus ins Gewerbegebiet. Die Arbeitszeiten von 8 bis 16.30 Uhr sind unproblematisch, findet er. Nur, wenn Aufträge drücken, wird auch mal am Wochenende geschuftet. Und manchmal liegt die Belegschaft eben im Sommer auch am Pool. Simon Schönhoff lacht: "Haben wir von unseren Vorgängern übernommen, und nutzen wir auch gern mal."

Einmal pro Woche wollen wir künftig heimischen Betrieben einen Platz geben: Firmen, die in Oberhavel innovativ produzieren oder verkaufen und sich am Markt etablieren konnten - vom Startup zum Traditions- oder Familienbetrieb. Interessante Vorschläge von Unternehmern und unseren Lesern nehmen wir gern in der Redaktion unter 03301 596386 entgegen.

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