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Prüfung von Grabmalen: "Gerüttelt wird hier nicht!"

Vorsicht: Köster drückt das Prüfgerät nur an den Stein. Ein Tonsignal zeigt an, ob die Standfestigkeit gegeben ist.
Vorsicht: Köster drückt das Prüfgerät nur an den Stein. Ein Tonsignal zeigt an, ob die Standfestigkeit gegeben ist. © Foto: MZV
Volkmar Ernst / 09.03.2017, 23:45 Uhr
Hoppenrade/Löwenberger Land (GZ) Torsten Köster aus Hennigsdorf kennt fast alle Friedhöfe in Deutschland. Diese Woche war er als "Sachkundiger für die Prüfung von Grabmalanlagen" auf denen des Löwenberger Landes unterwegs.

Der Friedhof von Hoppenrade liegt versteckt am Rande des kleinen Ortes. Obwohl die Prüfung von der Gemeindeverwaltung angekündigt worden war, ist kein Neugieriger auf das Gelände gekommen, um Köster bei der Arbeit zu beobachten. Der fährt wie angekündigt auf den kleinen Parkplatz, nimmt Stativ und Messgerät aus dem Kofferraum, schultert die Sachen und los geht es in Richtung des ersten Gräberfeldes.

"In den ersten Jahren war das anders", erinnert sich Köster. "Teilweise haben mich zehn, zwölf Leute begleitet, um sicherzugehen, dass ich die Grabsteine nicht aus der Verankerung reiße." Denn genau das suggeriere die Ankündigung "Rüttelprobe", so der Fachmann. "Die Leute haben tatsächlich angenommen, ich fasse die Grabsteine an und rüttle daran, beschädige sie also bewusst." Doch das sei mitnichten der Fall. "Wir haben hier ein Messgerät, das sanft an den Stein gepresst wird. Ein Pfeifton zeigt an, dass der notwendige Druck erreicht ist, also die Standfestigkeit gegeben ist. Gleichzeitig wird auf dem Display eine Messkurve mit Werten angezeigt. Sollte diese überschritten werden, dann legt auch Köster den Stein nicht um, sondern heftet ihm nur einen grünen Zettel mit der Nachricht an, dass hier die Standfestigkeit nicht mehr gegeben ist. Die Hinterbliebenen haben dann Zeit, sich darum zu kümmern. Das Ordnungsamt im Löwenberger Land hat als Termin den 3. Mai festgesetzt.

Bevor Köster den Hoppenrader Friedhof angesteuert hat, war er bereits in Löwenberg, Neulöwenberg, Liebenberg, Falkenthal und Häsen/Klevesche Häuser unterwegs. "Nur zwei Fehlermeldungen gab es", berichtet der Fachmann. Gemeint ist die Beanstandung der Standsicherheit. "Ein super Ergebnis", erklärt er. Das sei in den ersten Jahren, seit er diese Dienstleitung anbietet, keineswegs so gewesen, so der gelernte Maurer und Betonbauer mit Meisterbrief. Im Mai 1999 wagte Torsten Köster mit seiner Geschäftsidee den Schritt in die Selbstständigkeit und entwickelte gemeinsam mit Klaus Theissen die für die Dienstleitung notwendige Prüftechnik. "Die ist auch heute im Einsatz, natürlich weiterentwickelt und angepasst an die neuesten Wünsche der Kunden, wie beispielsweise die Übermittlung der Daten auf elektronischem Weg.

Dafür, dass die Beanstandungen auf einen Wert von einem Prozent gesunken sind, hat Köster zwei Entwicklungen ausgemacht: Zum einen die Baurichtlinien, nach denen inzwischen auch die Grabmale gebaut werden. Dazu gehört die vorgeschriebene Größe der Fundamente ebenso wie die Verankerung der Steine mit dem Fundament mittels Dübel. Zum anderen sinkt insgesamt die Zahl der großen Grabanlagen. "Die werden meist nur noch abgeräumt", sagt er. Dafür steige die Zahl der Urnenbegräbnisse. "Auch die Bestattungskultur ist im Umbruch", stellt Köster dazu nur kurz und knapp fest.

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