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Die Tragödie einer Familie

Jan G.
Jan G. © Foto: Privatbesitz
Janet Neiser, Harriet Stürmer und Mathias Hausding / 10.03.2017, 15:33 Uhr - Aktualisiert 10.03.2017, 16:47
Müllrose (MOZ) Anderthalb Wochen nach den furchtbaren Taten des mutmaßlichen Dreifachmörders Jan G. kommen erschreckende Details zur Vergangenheit des psychisch kranken Intensivtäters aus Müllrose ans Licht. Die Mutter des 24-Jährigen hat der Märkischen Oderzeitung die ganze Tragödie der Familie offenbart. Jahrelang hat Jan G.s Mutter verzweifelt versucht, die verantwortlichen Behörden auf die Gefährlichkeit ihres Sohnes aufmerksam zu machen.

Doch der 24-Jährige blieb auf freiem Fuß – und das, obwohl er immer wieder straffällig wurde und bekannt war, dass er schwer psychisch krank ist. Bereits im Jahr 2009 habe ihr Sohn einen Bekannten mit einem Messer in den Hals gestochen, erzählt Leila G. Der junge Mann konnte nur durch eine Not-Operation gerettet werden. Hilmar S., der Lebensgefährte der Mutter, berichtet, dass Jan G. auch ihn mit einem Messer habe töten wollen. Beide Vorfälle sind in einem Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) vom November 2016 belegt.

Dort musste sich Jan G. damals unter anderem wegen Körperverletzung verantworten. Die Richter folgten der Einschätzung eines Gutachters und erklärten den Angeklagten wegen einer diagnostizierten Schizophrenie für schuldunfähig. Er wurde in allen Punkten freigesprochen, die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus wurde zur Bewährung ausgesetzt.Stattdessen wurden Jan G. Medikamente verschrieben.

Deren Einnahme habe jedoch niemand kontrolliert, sagt Leila G. Ebenso habe offenbar keinen interessiert, dass ihr Sohn drogenabhängig sei. Die Familie habe sich im Stich gelassen gefühlt – auch von der Bewährungshilfe und dem gerichtlich bestellten Betreuer. Erst vor wenigen Monaten hatte Leila G. mithilfe des Landkreises Oder-Spree beantragt, dass ihr zunehmend aggressiver Sohn gegen seinen Willen in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird.

Landrat Rolf Lindemann (SPD) kommt nach Analyse der Maßnahmen seiner Behörde im Fall Jan G. so auch zu dem Schluss, „dass keine Versäumnisse des Kreises zu erkennen sind“. Auch ein psychiatrisches Gutachten gab der Mutter recht. Doch das Amtsgericht Eisenhüttenstadt entschied anders.

Noch im Februar hatte dann das Landgericht Frankfurt zu entscheiden, ob die Bewährung widerrufen wird, nachdem Jan G. ohne Führerschein und unter Drogen am Steuer erwischt wurde. Ihm drohte abermals die Einweisung in die Psychiatrie. Doch erneut gab es keine Konsequenzen für den jungen Intensivtäter.Heute will Leila G. nichts mehr zu tun haben mit dem jungen Mann, der am Dienstag vergangener Woche zuerst seine Oma in Müllrose erstochen und dann auf der Flucht zwei Polizisten mit dem Auto in Oegeln überfahren und dabei getötet hat.

>> Das vollständige Exklusiv-Interview mit der Mutter des Dreifachmörders finden Sie morgen in unserer Tageszeitung.

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Rolf Lustig 11.03.2017 - 09:56:34

Gericht

Fällt das nicht unter Beihilfe? Dann sollten die Angehörigen der Opfer Anzeige erstatten.

Ralf H. Janetschek 10.03.2017 - 19:34:32

Der Psychopath

Ein Psychopath ist eine Person mit gestörtem Gefühls- und Gemütsleben und/oder einem Verhalten, das dem Bild einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit nicht entspricht. Sie existieren in sehr unterschiedlichen Formen und Schattierungen, jedoch haben alle folgende drei Charaktereigenschaften gemeinsam: sind sehr egozentrische Individuen ohne Mitgefühl für Andere, und sie sind unfähig, Reue oder Schuld zu fühlen. Viele zeichnet ein Mangel an Angst und Furcht aus, was sie besonders gefährlich macht. Der Psychopath ist nicht in der Lage, in unglücklichen Situationen Mitgefühl für Andere zu haben, und kann sich nicht in die Position Anderer hineinversetzen, egal ob sie von ihm verletzt wurden oder nicht. Mit dem Mangel an Mitgefühl ist auch ein Mangel an Liebe verbunden. Ihr Vergnügen am Unglück Anderer ist unstillbar. Menschen werden als Mittel zum Zweck verwendet; diese haben sich unterzuordnen und müssen erniedrigt werden. Einiges an der Persönlichkeit eines Psychopathen ist für ihre Opfer sehr verwirrend und beunruhigend. Die Psychopathie als Persönlichkeitsstörung zu qualifizieren, also sie wie eine Krankheit zu behandeln, geht am Thema vorbei. Für ihre Herausbildung sind drei Faktoren entscheidend: die vererbten Gene, die soziale Umwelt und dem Willen des Individuums, letzter ist tief im Unbewußten verankert, welches wiederum von den beiden ersten Faktoren maßgeblich mitbeinflußt wird. Die der Psychopathie zugeschriebenen Verhaltensweisen sind Teil des menschlichen Verhaltesspektrums, es handelt sich dabei keinesfalls um gesellschaftlich erwünschtes Verhalten, nichtsdestotrotz sind diese Anlagen Teil der menschlichen Natur. Es liegt letztendlich am Willen des Individuum sich für oder gegen die Umsetzung dieser Anlagen zu entscheiden. Das einige Individuum diesen Willen, sich dagegen auszusprechen, nicht aufbringen, weil sie zu willensschwach sind, oder weil sie sich bewußt dafür entscheiden, liegt ebenfalls in der menschlichen Natur. Die Lust an Gewalt und Grausamkeit ist eine Leidenschaft, welche nur sich selbst kennt. Sie ist keine Folge krankhafter Zustände, keine Rache für Unrecht und keine Ausgebrut von Verzweiflung und Ausweglosigkeit. Sie, die Lust an Gewalt und Grausamkeit, ist schlicht, daß was in uralten Mythen der Völker als das Böse begriffen worden ist, ein wesentlicher Faktor des menschlichen Seins. Die Fähigkeit zum Bösen liegt in der menschlichen Freiheit begründet, die ihm von einem Tier unterscheidet. Das Böse ist in der Welt, weil Menschen sich dazu entschließen, Böses zu tun und dabei Lust und Genugtuung verspüren. Es ist der Spaß an der Grausamkeit, was als stets wiederkehrendes Motiv hinter dem Bösen steht. Das Böse begleitet die Menschengeschichte sei Urzeiten. Es ist nicht heilbar (es ist keine Krankheit), nicht umerziehbar und nicht wegfinazierbar. Die Vorstellung von einer im Grunde genommenen gutartigen Welt ist eine Illusion. „Die größte List des Teufels war es, uns zu überzeugen, daß es ihn nicht gibt.“ (Baudelaire) Ein Psychopath schöpft die Möglichkeiten, welche die Gesellschaft ihm bietet, stets vollständig zu seinem Vorteil aus und wird sich immer so schändlich benehmen, wie die Umwelt es ihm gestattet. Dann ist es die Aufgabe der menschlichen Gemeinschaft, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Ralf H. Janetschek, Letschin

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