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In Kliestow wird Frankfurts erste Milchtankstelle eröffnet / Natürlicher Fettgehalt bleibt vollständig erhalten

Euterfrische Milch rund um die Uhr

Direkt vom Erzeuger: Kathrin und André Stürmer stehen vor dem geöffneten Milchautomaten der Agrar-Erzeugergemeinschaft Kliestow GbR. André Stürmer zeigt einen der vier 50-Liter-Tanks, die jeden Tag mit frisch gemolkener Rohmilch gefüllt werden
Direkt vom Erzeuger: Kathrin und André Stürmer stehen vor dem geöffneten Milchautomaten der Agrar-Erzeugergemeinschaft Kliestow GbR. André Stürmer zeigt einen der vier 50-Liter-Tanks, die jeden Tag mit frisch gemolkener Rohmilch gefüllt werden © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 10.03.2017, 19:05 Uhr
Kliestow (MOZ) Die Agrar-Erzeugergemeinschaft Kliestow GbR richtet an ihrem Betriebssitz an der B 112 die erste Frankfurter Milchtankstelle ein. Ab Mitte März können Kunden dort rund um die Uhr frische, unbehandelte Rohmilch mit einem Fettgehalt von 3,8 bis 4,2 Prozent selbst zapfen.

Wer in Frankfurt an Direktvermarktung denkt, dem fallen zuerst die Obstbauern ein, die an ihren Ständen Obst direkt von ihren Feldern und Plantagen an den Mann oder die Frau bringen. Außerdem die Imker und natürlich die Gronenfelder Werkstätten. Nun steigt auch der erste kommerzielle Frankfurter Landwirtschaftsbetrieb in die Direktvermarktung ein. Und wird eine Marktlücke füllen. Denn frische, naturbelassene, unbehandelte Rohmilch - die gibt es in Frankfurt noch nicht zu kaufen.

Ab Mitte März wird die Agrar-Erzeugergemeinschaft Kliestow GbR solche Roh- oder Hofmilch anbieten. Milch, die nach dem Melken nicht pasteurisiert, sondern nur gekühlt wird und dann sofort gekauft werden kann. "So, wie sie aus dem Euter kommt", sagt Landwirt André Stürmer. Die Milch habe dann 3,8 bis 4,2 Prozent Fett. Dazu komme: "Milch verliert beim Erhitzen etwa 20 Prozent der Vitamine", weiß seine Frau Kathrin Stürmer, die ebenfalls im Betrieb beschäftigt ist. Und bei der weiteren Verarbeitung zu H-Milch gingen probiotische Joghurtkulturen, Omega-3-Fettsäuren und andere Nährstoffe weitgehend verloren.

Der Einstieg in die Direktvermarktung hat für den Betrieb vor allem wirtschaftliche Gründe. "Wir spielen schon länger mit diesem Gedanken", erklärt André Stürmer. "Wenn wir unsere Milch selbst verkaufen, können wir den Preis nämlich selbst bestimmen - unabhängig vom Preisdiktat der großen Molkereien." Wegen dieses Diktates, an dem auch der Einzelhandel eine Aktie hat, waren zuletzt viele Landwirtschaftsbetriebe in Bedrängnis geraten. "35 Cent je Liter bräuchten wir, damit die Milcherzeugung wirtschaftlich ist, bei 40 Cent macht es Spaß", sagt André Stürmer. In den vergangenen zwei Jahren hatten die Molkereien gerade mal 22 Cent gezahlt. Der Kliestower Betrieb hatte deshalb 2016 seinen Milchkuh-Bestand von 400 auf 260 reduzieren müssen. Seit Jahresbeginn zahlen die Molkereien immerhin wieder 32 Cent je Liter.

Mit dem Direktverkauf wird die Agrar-Erzeugergemeinschaft Kliestow sicher nicht reich, kann aber zumindest mit einem kleinen Teil seiner Rohmilch Gewinn erwirtschaften. Die Milchtankstelle wird direkt an der Zufahrt zum Betriebsgelände an der B 112, Lebuser Chaussee 16, eingerichtet. Der Milchautomat zum Selbstzapfen, der rund um die Uhr in Betrieb sein wird, steht im Wiegehäuschen, das dafür saniert und mit schwarz-weißen Kuhflecken bemalt worden ist.

Im Innern des Automaten befinden sich vier 50-Liter-Tanks, die jeden Tag mit frischer Rohmilch befüllt werden. "Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden eigene Gefäße mitbringen", sagt Kathrin Stürmer. Wer keine hat, kann sich an einem separaten Flaschenautomaten verschließbare Glasflaschen kaufen. Vor Keimen müsse sich niemand fürchten, betont André Stürmer: "Die Milch aus unserem Betrieb wird ja jeden Tag in den Molkereien kontrolliert." Es gebe aber die allgemeine Empfehlung, die Rohmilch, wenn sie für Kleinkinder oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem gedacht ist, vor dem Verzehr auf 70 Grad Celsius zu erhitzen.

Etwa 18 000 Euro hat der Kliestower Betrieb in die Milchtankstelle investiert. In zwei Wochen (der genaue Termin steht noch nicht fest) kann die erste Rohmilch gezapft werden. Für 1 Euro je Liter wird sie angeboten. "Das ist auf jeden Fall nicht zu viel", betont André Stürmer. Und er hat noch einen Tipp: "Die Rohmilch sollte zügig verbraucht werden, denn nach drei Tagen wird sie sauer." Und zwar richtig sauer - zu Dickmilch, welche mit Zucker wirklich lecker ist.

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