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Wasser aus dem eigenen Brunnen

Übt schon mal: Werner Mundt an der Schwengelpumpe am Karlsplatz. In Kunow plant er den Wiedeeraufbau einer historische Wasserpumpe
Übt schon mal: Werner Mundt an der Schwengelpumpe am Karlsplatz. In Kunow plant er den Wiedeeraufbau einer historische Wasserpumpe © Foto: Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 11.03.2017, 05:55 Uhr
Kunow (MOZ) Die Vierradener haben sie seit zehn Jahren, die Kunower wollen sie demnächst bauen lassen: eine historische Wasserpumpe. Der Vorschlag belegte mit 748 Stimmen Platz vier beim Bürgerbudget.

Vor zehn Jahren wurde eine baufällige Pumpe vor dem Gehöft von Werner Mundt abgebaut. Nun soll eine neue Pumpe aus alten und neuen Teilen entstehen. Früher waren Wasserpumpen lebensnotwendig, heute sind sie eher Dekoration oder historisches Anschauungsmaterial. Mit den Pumpen wurde das Wasser der Brunnen an die Erdoberfläche befördert. "Für die Dorfbevölkerung war das saubere Wasser der Brunnen zum Trinken und Waschen da", sagt Werner Mundt. Vor 90 Jahren baute sein Vater den Hof auf, heute Kunower Dorfstraße 22. Die Wasserpumpe gehörte zum Hof wie Kühe und Schweine. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts existierte das mechanische Gerät, so schätzt der 78-Jährige. Die drei Bauern Julius Kraus, Hugo Sy und sein Urgroßvater Johannes Mundt ließen einen Brunnen graben - die dazugehörige Pumpe finanzierten und unterhielten sie gemeinsam. Später bohrten auch die umliegenden Landwirtschaften Brunnen. Doch der mehr als 30 Hektar große Hof der Mundts besaß mit die größte Pumpe.

Werner Mundt zeigt ein Schwarz-Weiß-Foto aus Kindheitstagen. "Wir haben jepumpt und jepumpt. Das war ein Spaß", erinnert er sich lächelnd. Einen weiteren Höhepunkt gab es beim Wetterwechsel zu beobachten: "Dampf ist aus dem Brunnen rausgekommen, geblubbert hat es, weil die Luft nach oben gestiegen ist." Ein physikalisches Phänomen, was vielleicht auch bald für heutige Kunower Kinder sichtbar wird.

Der Brunnen war gemauert, auf diesen Fakt legt Mundt wert. Kein einfacher Rohrbrunnen. Er hatte einen Durchmesser von einem Meter und war 30 Meter tief. Der Wasserstand lag bei 12 Metern. Damals holten die Hausfrauen das kostbare Nass mit Tragegestängen, an deren zwei Enden Eimer befestigt waren. "34 öffentliche einfache Brunnen gab es Anfang des 20. Jahrhunderts in Schwedt", ist im Buch "Zeitensprünge. 750 Jahre Schwedter Geschichte" zu lesen. Auf Drängen des in Schwedt stationierten Dragoner-Regiments wurde ein Trink- und Abwassersystem installiert. Im Stadtmuseum kann man die Brunnen auf meterlangen Karten anschauen. Meistens wurden diese an Kreuzungen gebohrt, wo viel Betrieb herrschte und die für die Bewohner gut erreichbar waren. Die privaten Brunnen wurden nicht auf der städtischen Karte eingezeichnet. So stand die Wasserpumpe der Familie Mundt an keinem Verkehrsknotenpunkt.

In der DDR wurde der Brunnen 1960 ans öffentliche Netz angeschlossen, da das Fleckchen Erde durch Enteignung nun der Gemeinde gehörte. Im Gegensatz zu seinen bäuerlich geprägten Eltern war Werner Mundt zuerst im Erdbau und dann im Agrochemischen Zentrum tätig. Was er übernommen hat, ist die Vorratshaltung und das Absichern vor möglichen Katastrophen oder anderen Bedrohungen. Heute hat er Notstromaggregate für sein Haus parat und mineralischen Diesel. "Der Bio-Diesel geliert nach einiger Zeit". Mit diesem Vorsorgegedanken hat das Dorfvereinsmitglied auch die Wiederbelebung der Pumpe auf seinem Hof in Angriff genommen. "Zu DDR-Zeiten drohte uns der Atomkrieg. Heute sind es Naturkatastrophen und Terrorismus", ist Mundt überzeugt. Deshalb hat er keine Attrappe einer historischen Pumpe im Sinn, sondern eine, die ihren Zweck erfüllt. Als die Stadt die baufällige Pumpe vor zehn Jahren abbaute, verpflichtete sie sich, eine neue zu errichten. Der Kunower Dorfverein hat vorgesorgt: Die "teuren Teile" des Originals, Schwengel und Ablauf, hat ein Bewohner bei sich gelagert. Das drei Meter hohe Gestänge aus Eichenholz, der Hauptteil, muss noch bearbeitet werden. Eine Expertise holte sich der Dorfverein von einem Brunnenbauer. Seiner Einschätzung nach könne die Pumpe wieder Wasser in Trinkqualität zu Tage befördern. Wenn die Stadtverwaltung das Vorhaben genehmigt, sollen Laboruntersuchungen für letzte Gewissheit sorgen. Dann kann gestartet werden.

Mit diesen vielversprechenden Voraussetzungen hat Mundts Idee der historischen Pumpe den vierten Platz beim diesjährigen Bürgerbudget erreicht. Mit 748 Stimmen.

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