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Archäologen graben wieder draußen

Zentimeter für Zentimeter: Damit Grabungstechniker Leroy Fischer gleich belichtete Aufnahmen von den Funden des alten Steinofens erhält, ist Schatten notwendig.
Zentimeter für Zentimeter: Damit Grabungstechniker Leroy Fischer gleich belichtete Aufnahmen von den Funden des alten Steinofens erhält, ist Schatten notwendig. © Foto: MOZ/Katrin Hartmann
Katrin Hartmann / 16.03.2017, 07:15 Uhr
Eichwerder (MOZ) Der Frost ist weg, die Temperaturen milder. Wetterbedingungen, bei denen die Archäologen in Eichwerder auch wieder draußen arbeiten können. Ein Ende der Grabungen können sie allerdings nur schwer voraussagen. Die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt ruhen weiter.

Klack, klack, klack. Vorsichtig dreht sich Leroy Fischer um den Steinhaufen im Boden. Zentimeter für Zentimeter arbeitet sich der Grabungstechniker mit seinem Fotoapparat voran. Das, was unten wie ein Haufen aus Steinen wirkt, ist ein weiterer Ofen, den die Archäologen in Eichwerder ausgegraben haben. Leroy Fischer hat mittlerweile 40 Aufnahmen geschossen. Aus diesen wird er mit einem Computer-Programm ein 3-D-Modell des Ofens erstellen. Für die Wissenschaftler später ein anschauliches und gut analysierbares Objekt.

"Es müssten jetzt ungefähr zehn Öfen sein, die wir gefunden haben", sagt Blandine Wittkopp. Ein sehr gutes Ergebnis, wie sie betont. Denn die Funde lassen auf eine befestigte Siedlung aus der späten Eisenzeit schließen. Ein Fund, der sich nicht alle Tage offenbart.

Indes wächst die Ungeduld in den umliegenden Dörfern. "Kann man schon sagen, wann die Archäologen fertig werden und die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt weitergehen?", hatte sich Peter Sperr, Ortsvorsteher Altwriezens/Beauregards in einer der jüngsten Ausschusssitzungen erkundigt. Eine klare Antwort auf diese Frage kann derzeit niemand geben. "Auch nicht wir Archäologen", sagt Blandine Wittkopp und gesteht zugleich ein: "Ich weiß, das ist unbefriedigend". Ein konkretes Datum zu nennen, wäre dennoch zu waghalsig, so Blandine Wittkopp.

Warum? "Es liegen noch einige Meter vor uns", sagt die Grabungsleiterin. Und durch die Bodenschicht gucken können die Wissenschaftler nicht. "Wir wissen nicht, wie viel sich darunter noch verbirgt", sagt Blandine Wittkopp.

Dass darunter Überraschungen warten können, haben insbesondere die Funde der vergangenen Monate gezeigt. Denn in dieser Zeit stieg ihre Konzentration stetig an. Zu den bemerkenswertesten Funden gehörten die Grabstätte eines Kindes sowie ein alter Ofen zur Salzherstellung.

Da die Temperaturen in den vergangenen Tagen wieder angestiegen sind und sich nun auch wieder die Sonne zeigt, haben die Archäologen ihren Arbeitsort wieder nach draußen verlegt.

Rund 50 Meter der Straße liegen noch vor ihnen. "Wir haben allerdings gemerkt, dass die Konzentration der Funde nun wieder abnimmt, was den Prozess beschleunigen könnte. "Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir den höchsten Punkt der Insel überwunden haben", sagt Blandine Wittkopp und deutet daraufhin, dass die Siedlungen aufgrund der Hochwassergefahr schon damals erhöht errichtet wurden.

Die Grabungsfläche, die die Archäologen bearbeiten, wird auf den letzten Metern zudem schmaler und flacher. "Wir brauchen nicht mehr so tief graben", so die Grabungsleiterin. An den Stellen der Straße, wo Wasserleitungen gelegt werden müssen, wurde bis zu zwei Meter in die Tiefe gegraben. Nun folgen einige Stellen, wo nur der Straßenbelag verlegt werden soll. Da sind es rund 80 Zentimeter, die in den Boden gegraben werden müssen, erklärt Blandine Wittkopp. Ein geringerer Aufwand für die Wissenschaftler.

Ein Teil der Ortsdurchfahrt in Richtung Thöringswerder ist bereits fertiggestellt. Von dort kommen die Anwohner an ihre Häuser. "Seitens der Baufirma werden in absehbarer Zeit keine Tätigkeiten durchgeführt. Erst wenn die Archäologen das jetzige Baufeld freigeben, werden wir wieder tätig werden", teilte Enrico Lemke, Verantwortlicher vom Landesbetrieb für Straßenwesen, unterdessen über den Stand der Baumaßnahme mit.

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