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Die Nachbarn sind in Sorge

Bisher in guter Nachbarschaft: Die Biogasanlage wurde auch in Gnewikow Thema. Anwohner stören sich an Geräuschen, obwohl sich diese im gesetzlichen Rahmen befinden.
Bisher in guter Nachbarschaft: Die Biogasanlage wurde auch in Gnewikow Thema. Anwohner stören sich an Geräuschen, obwohl sich diese im gesetzlichen Rahmen befinden. © Foto: MZV
Daniel Dzienian / 16.03.2017, 18:57 Uhr
Gnewikow/Wuthenow (RA) Die schwere Havarie an der Biogasanlage in Wuthenow war nicht der erste Zwischenfall dort. Schon zweimal waren extrem nährstoffhaltiger Gärreste ausgelaufen. Derweil machten sich im Nachbardorf Gnewikow Sorgen breit: Was passiert, wenn auch diese Anlage Schaden nimmt?

Was fürchten die Gnewikower? In Wuthenow war vor etwas mehr als zwei Wochen eine Dichtung geplatzt. Anschließend traten rund zwei Millionen Liter Flüssigkeit aus Gärresten ausgetreten, die Gülle ähnelt. Umliegende Ackerflächen mussten teilweise abgetragen werden, ein größerer Zulauf in den Ruppiner See konnte nur knapp verhindert werden.

Die Gnewikower Anlage steht wie die in Wuthenow etwas erhöht neben dem Ort. Liefe dort etwas aus, befände sich die Fließrichtung ebenfalls in Richtung See - in diesem Fall mitten durchs Dorf.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es? Der Betriebsleiter der Betreiberfirma "Agrargesellschaft & Kornbrennerei Gnewikow bmH", Thomas Leiblein, zeigte Verständnis und versuchte den Anwohnern die Ängste zu nehmen. Vollständig auszuschließen sei zwar so ein Unfall wie in Wuthenow auch nie, sagte Leiblein. Die Anlage, die dort leer gelaufen war, sei aber rund doppelt so groß. Zudem gebe es turnusmäßige Prüfungen. Alle Schieber seien mit Schlössern gesichert und zusätzlich mit Metallplatten verschraubt, so dass auch Unbefugte keine Chance auf Sabotage hätten. Sensoren geben bei Druckabfall sofort Alarm. Zwei Mitarbeiter wohnten im Dorf und seien im Notfall schnell zur Stelle. Die Feuerwehr habe einen Schlüssel. Mit den Brandbekämpfern gebe es regelmäßige Begehungen. Drei Maschinen mit den nötigen Gabeln und Schaufeln seien vor Ort, Sandsäcke und Strohballen vorhanden, um Deiche zu bauen. Im Ernstfall könnte die Gesellschaft, die zum in ganz Norddeutschland tätigen Lohnunternehmen Osters & Voß gehört, "binnen kürzester Zeit 15 bis 20 Fahrzeuge herholen", so Leibling.

Ob diese Vorkehrungen in Wuthenow auch galten, ist bisher nicht ganz klar. Auch dort kamen schnell zahlreiche Helfer mit schwerem Gerät zum Einsatz. Doch die Betreiber standen bis heute nicht für eine Auskunft zur Verfügung.

Das Wichtigste: rund 800 Kubikmeter Sickerwasser kann an der Gnewikower Anlage direkt aufgefangen werden, so Leiblein. Auslaufen könnten zwar maximal 1700 Kubikmeter. Ein großer Teil liefe aber in eine Senke direkt hinter dem Komplex. Die Anlage befinde sich in einem guten Zustand, so der Betriebsleiter.

Ortsvorsteher Olaf Matschoss (Linke) zeigte sich nach den Erklärungen beruhigt: "Ich kann die Ängste der Bewohner verstehen. Aber eigentlich kann nichts passieren." Der Betreiber stimmte zudem zu, beim Dorffest am 8. Juli einen Tag der offenen Tür zu veranstalten.

Brummt die Anlage zu laut? Mehrere Anwohner klagten vor allem über ein lautes Brummen. Ein betroffenes Ehepaar berichtete, nie mit offenem Fenster schlafen zu können. Je nach Windrichtung sei die Belüftung weit zu hören. Auch sogenannte Schwingungs-Isolatoren verbreiten möglicherweise Vibrationen über den Boden. Der Boden bestehe aus Ton und Lehm mit Schichtenwasser, erklärte ein Betroffener. Dies übertrage die Schwingungen besonders gut. Wenn er in Sommernächten mit einem Glas Wein im Garten sitze, seien die Töne sehr nervig.

Was hat die Betreiberfirma schon versucht? Betriebsleiter Thomas Leiblein erklärte, die Anlage sei genehmigt und legal. Alle Emissionen, also auch der Lärm, blieben unterhalb gesetzlicher Vorgaben. "Wir befinden uns in einem Rechtsstaat und wir halten uns an die Vorschriften", so Leiblein. Das bestätigen auch die Anwohner, die selbst schon Messungen vorgenommen haben. Trotzdem stört es sie. Sie setzten aber bisher auf ein gutes Miteinander, betonten sie.

Das Problem ist der Firma bekannt. Sie wollte bereits vor Jahren einen Erdwall aufschütten lassen, der den Lärm dämmt. Doch die örtlichen Behörden wollten extra eine Baugenehmigung. "Das war uns zu teuer und zu aufwendig", räumte der Betriebsleiter ein. Der Ortsbeirat will sich jetzt noch einmal beim Amt für Immissionsschutz erkundigen und lobte Betreiber wie Anwohner für den bisher konstruktiven Umgang.

Was gibt es Neues vom Standort der Havarie aus Wuthenow? Zuletzt wurde der Lankegraben am 9. März auf die Gehalte von Stickstoff und Phosphor untersucht. Die Werte befanden sich laut Kreissprecherin Britta Avantario "in einem Bereich, wie er für landwirtschaftliche Gräben typisch ist." Auch stehe mittlerweile fest, dass der Boden landwirtschaftlich verwendet werden kann und nicht extra entsorgt werden muss.

Nach Angaben des Landkreises war in Wuthenow bereits im September 2015 Silage-Sickersaft in den Lankegraben ausgelaufen und wohl auch in den Ruppiner See geflossen. Die freigesetzte Menge sei nicht bekannt. Im August 2016 sei eine geringe Menge auf dem Gelände versickert. Allerdings hat die Betreiberfirma Biogasproduktion Wuthenow GmbH bereits im vergangenen Jahr die Auflage erteilt bekommen, eine Rückhalte-Möglichkeit zu errichten. Sie sollte bis Mitte 2017 fertig sein. Die Betreiberfirma gehört zur KTG Energie AG, die sich in einem Insolvenzverfahren befindet.

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