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Voll auf den Pflock im vollen Gallopp

Aufgespießt: Steffen Kukral auf Chiko, Ute Hermann auf Criolla und Iris Thienenkamp auf Peppina (von rechts)
Aufgespießt: Steffen Kukral auf Chiko, Ute Hermann auf Criolla und Iris Thienenkamp auf Peppina (von rechts) © Foto: Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 17.03.2017, 06:06 Uhr
Krügersdorf (MOZ) Zum Jahresanfang 2017 hat der Krügersdorfer Steffen Kukral auch mit Hilfe des Kreissportbundes Märkisch-Oderland den Deutschen Tent Pegging-Verband gegründet. Kaum einer weiß, was sich hinter dieser Reitsport-Disziplin verbirgt.

Mit fast 50 "Sachen" kommt Steffen Kukral auf seinem Wallach Chiko angeprescht. Auf der etwa hundert Meter langen Koppel am Rande von Krügersdorf bohrt der 56-Jährige im vollen Galopp und mit der Präzision eines sehr guten Dartspielers seine Lanze in einen sechs Zentimeter breiten Holzpflock. Der steckte im nassen Boden. Jetzt reckt der gebürtige Stuttgarter, der vor 20 Jahren sein Herz für Brandenburg entdeckt hat, stolz den aufgespießten Pflock in die kühle Frühlingsluft. Kukrals Treffsicherheit liegt bei gefühlten 90 Prozent. Und reiten kann der studierte Kommunikationswissenschaftler, Psychologe und Soziologe sowieso: Der Pionier im Tent Pegging sorgt mittlerweile dafür, dass das kleine deutsche Häuflein inzwischen von etablierten Nationen wie Indien, Pakistan, den Staaten am Golf oder in Südafrika wahrgenommen wird.

Zum Jahresanfang 2017 wurde - auch mit Hilfe des Kreissportbundes Märkisch-Oderland - der Deutsche Tent Pegging-Verband gegründet. Kukral ist Präsident. Stolz sagt er: "Am 22. und 23. April finden in Paaren/Glien mit zwölf Teilnehmern die ersten Deutschen Meisterschaften statt."

Was nur ist Tent Pegging, wörtlich Zeltpflocken genannt? Wo kommt dieser ungewöhnliche Sport her? Und hat er eine Chance, hier Fuß zu fassen? Angela Breme, die mit Steffen Kukral seit drei Jahren nicht nur das Dach im alten Bauernhaus an der Kirchstraße teilt, erzählt beim Training am zurückliegenden Samstag, diese Reitsportart sei besonders in einigen Commonwealth-Staaten, aber auch auf der arabischen Halbinsel populär. Es handle sich um einen Sport der Kavallerie aus uralter Zeit und sei offiziell von der International Federation of Equestrian Sports als regionale Disziplin anerkannt. "Tent Pegging ist inzwischen Oberbegriff aller Pferdesportarten, bei denen mit einer Waffe vom Pferd aus ein Ziel anvisiert wird." Dazu zählen auch das sogenannte Kosakenreiten und das berittene Bogenschießen. Mit der Historie dieser für deutsche Pferdefreunde so neuen Art des Sport-Treibens hat sich auch Ute Hermann beschäftigt. Die Berlinerin entschied sich "nach langem Suchen" für Krügersdorf und damit für den Hof von Steffen Kukral, der auch als Kommunikations- und Horsemanship-Trainer mit Pferden arbeitet und von so bedeutenden Anlaufpunkten wie die Frankfurter Viadrina, die Uni Wroclaw, die Sparkasse Oder-Spree, von Daimler und internationalen Hotelketten "gebucht" wird. In Krügersdorf ist Ute Hermann an möglichst jedem Wochenende. "Steffen ist eine Art Pferdeflüsterer und -heiler und hat nicht nur mit Wildpferden, sondern auch mit Bisons, Rindern und Auerochsen gearbeitet. Sein Konzept hat mir imponiert." Tent Pegging sei der Legende nach eine Probe für den militärischen Überfall auf ein Zeltlager.

Ute Herrmann, die bei einer Lufthansa-Cateringfirma arbeitet, weiß: "Durch das Ziehen und Umreißen der Zeltpflöcke und damit auch der Zelte sollte damals Verwirrung gestiftet werden." Beim Begriff Pferdeflüsterer, für Ute Herrmann ein respektvolles Lob, reagiert Kukral etwas empfindlich. "Sicher gibt es Wege und Methoden, die man kennen und wissen muss, um Pferde zuzureiten oder zu korrigieren. Sicher ähneln sie sich. Aber wichtig ist: Jedes Pferd hat seinen eigenen Weg und seine eigene Zeit. Daher arbeite ich mit meinen Mitteln intuitiv: Ich versuche durch genaues Beobachten, dem Pferd im richtigen Moment das Richtige anzubieten. Ich flüstere nicht. Ich versuche zuzuhören", korrigiert Kukral liebevoll. Er nennt seine Pferde-Philosophie Doma India.

Den Bauernhof von Steffen Kukral und Angela Breme mit angrenzender ehemaliger Dorfkneipe und jeder Menge Land teilt sich das Paar mit 15 Pferden, zehn Hühnern und drei Hunden. Jeden Sonnabend findet dort ab 15 Uhr ein Probetraining statt. Interessierte Aktive sind willkommen. Kukral rührt für "seinen" Deutsche Tent Pegging-Verband (DTPV) allzu gern die Werbetrommel: "Wir wollen entspannte Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam und nicht gegeneinander Sport machen, die internationalen Familie der Tent Pegger vernetzen und regionale, nationale und internationale Turniere besuchen und veranstalten."

Wichtig sei ihm auch die Förderung und Bekanntmachung dieses noch weitgehend unbekannten Art des Pferdesports. "Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte bei uns vorbeischauen..."

Weitere Infos: Steffen Kukral, Kirchstraße 8 in 15848 Beeskow,  Ortsteil Krügersdorf, Telefon 03366 253750 Email: steffen@steffenkukral.de

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