Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neue Wege der Vermarktung

Bettina Winkler / 21.03.2017, 20:37 Uhr
Buchholz (MOZ) Die Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH geht neue Wege in der Direktvermarktung. Nach dem erfolgreichen Projekt "Milchtankstelle" wird jetzt eine Molkerei gebaut, um Rohmilch zu pasteurisieren. Das ist Voraussetzung für eine weitere Expansion in umliegende Städte.

Solveig Klein aus Pillgram macht gern den Umweg nach Buchholz, um zwei Liter weiße Flüssigkeit an der Milchtankstelle der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH zu zapfen. "Ich mache gern selber Quark, das funktioniert am besten aus Rohmilch, die wertvolle Enzyme und Antikörper besitzt", sagt die 49-Jährige. Die frische unbehandelte Kuhmilch können Interessierte seit knapp zwei Jahren an einem Selbstbedienungsautomaten direkt ab Hof 24 Stunden am Tag erhalten. "Die Milchtankstelle läuft gut. Im Durchschnitt werden pro Tag 50 Liter verkauft", sagt Geschäftsführer Benjamin Meise.

Da der Milchpreis in den vergangenen Jahren immer wieder in den Keller ging - derzeitig 0,32 Euro (netto) pro Liter- wird der finanzielle Druck auf die Milchproduzenten immer größer. Für rentables Wirtschaften bräuchte man mindestens 0,35 Euro, teilt Benjamin Meise mit. Bei einem durchschnittlichen Milchertrag von 20 000 Litern pro Tag schlagen mehrere hundert Euro Verlust täglich zu Buche. Meise hat wenig Chancen, die Kosten zu senken, schließlich brauchen die 740 Kühe im Stall tonnenweise Futter. Auch Personal wird benötigt. "Entweder wir trennen uns von den Milchkühen, oder wir müssen neue Vermarktungsstrategien entwickeln", so Meise. "Schon jeder fünfte Milchbauer in Brandenburg hat aufgegeben."

So weit will es der junge Geschäftsführer nicht kommen lassen. Das Projekt Milchtankstelle soll in naher Zukunft auf umliegende Städte ausgeweitet werden. Als erster Markt ist Berlin vorgesehen. Bei Erfolg könnten Potsdam, Strausberg und Wendisch Rietz folgen. Fürstenwalde ist erst einmal keine Option. Für die Domstadt hat Meise andere Pläne, die sich mehr auf die Milchversorgung in Schulen ausrichten. Sechs Automaten stehen schon bereit, bis zu 70 sollen es werden. Um die Milch außerhalb des Hofes an die Kunden zu bringen, muss sie laut Gesetz pasteurisiert sein. Bedeutet: durch eine kurzfristige Erhitzung auf 72 Grad werden Mikroorganismen und eventuelle Keime abgetötet. Außerdem wird die Milch haltbarer. Dieses Prozedere erfolgt dann in einer Molkerei, die in Buchholz jetzt für rund 500 000 Euro gebaut wird. Vor drei Wochen wurde der Grundstein gelegt. Die Bodenplatte ist fertig. Maurer ziehen schon die ersten Wände hoch.

Das Gebäude hat eine Grundfläche von 12 mal 18 Metern und wird vier Meter hoch. Es bietet genügend Platz für das Herzstück - den Pasteur -, mehrere Milchtanks, Kühlraum, Hygieneschleuse, Labor und Lager. Die aufwendige Kannenspülung wurde vom Fürstenwalder Rathausbräu-Chef Peter Seifert geliefert. Im Sommer soll der Neubau fertig sein und die erste Milch nach Berlin gebracht werden. Das erfolgt mittels 50-Liter-Kannen aus Edelstahl. Für den täglichen Transport soll noch ein Kastenwagen angeschafft werden. Fahrer und ein Molkerei-Fachmann werden noch gesucht. Mit der Molkerei wird ein komplett neuer Betriebszweig aufgebaut.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG