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23 Lämmer von Wolf gerissen

"Es zerreißt mir das Herz": Schäfer Armin Winnige konnte das Ausmaß der Wolfsattacke am Mittwochvormittag kaum fassen. Insgesamt 24 Tiere wurden in der Nacht gerissen.
"Es zerreißt mir das Herz": Schäfer Armin Winnige konnte das Ausmaß der Wolfsattacke am Mittwochvormittag kaum fassen. Insgesamt 24 Tiere wurden in der Nacht gerissen. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 22.03.2017, 19:56 Uhr - Aktualisiert 23.03.2017, 14:39
Arensdorf (MOZ) 23 tote Lämmer fand Armin Winnige am Mittwochmorgen auf der Weide am Ortseingang von Arensdorf vor. Ein Wolf hatte die Tiere des Schäfers in der Nacht gerissen. Vermutlich nicht zum ersten griff er die Herde an - auch, weil sie nicht ausreichend gesichert war.

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Wolf reißt 23 Lämmer in Arensdorf

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Der eingedrückte Maschendrahtzaun kam ihm gleich verdächtig vor. "Dann habe ich auf der anderen Seite des Grabens auch noch ein Schaf gesehen, wo es eigentlich nicht hinkommt." Mit immer schnelleren Schritten näherte sich Armin Winnige seiner Herde, die die Nacht zum Mittwoch auf einer Weide am Ortseingang von Arensdorf verbracht hat. "Dann sah ich auch schon das erste Tote, dann die anderen", die Stimme des Schäfers wird brüchig. Pause. Dann: "Es zerreißt mir das Herz".

Herzzerreißend ist der Anblick des Schäfers inmitten seiner Herde. Zwischen Stroh und blassgrünem Gras liegen regungslos die toten Lämmchen - die ältesten acht, die jüngsten gerade einmal vier Wochen alt. Auch eine ausgewachsene Heidschnucke hat der Wolf gerissen - das hat das Landesumweltamt am Mittwochnachmittag bestätigt.

"Meine Arbeit ist umsonst", sagt Winnige, jetzt wütend. Mindestens 3000 Euro betrage der Schaden, der ihm durch den Wolfsangriff entstanden sei. Hinzu kommt: Nicht zum ersten Mal treibe ein Wolf in der Gegend um Arensdorf sein Unwesen. Erst vor zehn Tagen, berichtet Winnige, habe der Wolf vier seiner Schafe gerissen. "Schon in den Wochen davor war er zweimal hier, hat aber nie so viele Tiere erwischt."

250 Schafe hält Winnige in Ahrensdorf, weitere 150 stehen auf einer Weide in Steinhöfel. Schon sein ganzes Leben lang hält der 61-Jährige Schafe. Ein Wolf hat ihm noch nie das Leben schwer gemacht. "Ich hab nichts gegen Wölfe, aber die sollen bleiben, wo sie sind", sagt der Schäfer, eilt dann voraus und zeigt die Stelle, an der der Wolf sich unter dem Maschendrahtzaun durchgegraben hat. Der Zaun ist verbogen, die Erde aufgewühlt.

Ein Wolfsbeauftragter des Landesumweltamtes wird später feststellen, dass die Schafe von Armin Winnige nicht ausreichend gegen den Wolf gesichert waren. Zwar ist die Koppel zum offenen Feld durch einen Elektrozaun geschützt, die übrigen Seiten der rund 2500 Quadratmeter großen Fläche sind jedoch von Maschendraht umstellt, der nicht tief genug ins Erdreich reicht, um Wölfen den Weg zu versperren. "Es handelt sich um keine gesicherte Fläche", bestätigt Doris Lorenz, Mitarbeiterin des Landesamtes für Umwelt.

Um die Schafe von Armin Winnige kurzfristig vor erneuten Angriffen zu schützen, errichten Mitarbeiter des Landesumweltamtes heute provisorisch ein stromführendes Wolfsnetz, durch das sich potenzielle Angreifer nicht so leicht durchgraben können.

"Ich habe gehofft, dass es vorbei ist", begründet Winnige sein Versäumnis, die Herde schon nach dem letzten Angriff besser vor dem Wolf zu schützen. Bei den ersten drei Angriffen hätten die Schafe auf einer benachbarten Koppel gestanden, die vollständig durch einen Elektrozaun geschützt gewesen sei. "Hat nichts genützt, wenn der Wolf rein will, kommt er rein", sagt Winnige. Wenigstens hätten auch seine Schafe durch den elektronischen Zaun leicht flüchten und sich vor dem Wolf in Sicherheit bringen können.

Winniges Handy klingelt, wie so oft an diesem Vormittag. Der Amtstierärztin muss er hinterher telefonieren - sie muss die Nottötung der verletzten Lämmer anordnen; den Wolfsbeauftragten des Landes hat er informiert - er ist unterwegs. Jetzt meldet sich ein Bekannter vom Schafzuchtverband, dem Winnige seinen Verlust ebenfalls gemeldet hat. "Er hat herumgefragt und könnte mir einen Herdenschutzhund organisieren." Doch Winnige ist skeptisch: "Die Hunde wachsen auf wie Schafe, sollen dann aber Wölfe verjagen".

Die einzig mögliche Lösung liegt für den Schäfer auf der Hand. "Ich fordere die Freigabe zum Abschuss des Wolfes", sagt er bestimmt und schiebt hinterher: "Ich will, dass der Wolf tot ist." Winniges Blick schweift über seine Schafe, ihr unablässiges Blöken klingt an diesem Vormittag wie Klagelaute. "Die Mütter suchen ihre Lämmer. Ein, zwei Tage werden sie nach ihnen suchen, sich dann an den Verlust gewöhnen."

Schäfer Armin Winnige wird in dieser Nacht nicht schlafen. Bis die Schutzzäune kommen, wolle er seine Tiere bewachen.

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