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Verein zur Bergung Gefallener Osteuropas hat bei Alt Tucheband acht Rotarmisten geborgen

Massengrab am Straßenrand

Ulf Grieger / 26.03.2017, 19:28 Uhr - Aktualisiert 27.03.2017, 13:48
Alt Tucheband (MOZ) Der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa ist am Wochenende wieder Hinweisen von Zeitzeugen nachgegangen. Gemeinsam mit dem russischen Verein "Obelisk international" konnte die Lage eines Massengrabes am Ortsausgang von Alt Tucheband Richtung Rathstock genau nachgewiesen werden.

Dort, wo am Wochenende der Verein zur Bergung gefallener sein weißes Zelt aufgebaut hat, stand bis Kriegsende Willi Henschels Bockwindmühle. Sein Enkel Reiner Henschel (64), der noch in Alt Tucheband lebt, hat Fotos zur Ausgrabungsstelle mitgebracht, die zeigen, wie das Areal in Friedenszeiten ausgesehen hat.

Der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa hat am Wochenende erneut die Überreste gefallener Rotarmisten aus dem Oderbruchboden geholt. Ein Massengrab bei Alt Tucheband wurde geöffnet.
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Bergung von Kriegstoten im Oderbruch

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Deutsche Soldaten hatten in den letzten Tagen der Schlacht dort die Mühle gesprengt. Im Hausgarten des Müller-Hauses, unmittelbar neben der Straße nach Rathstock, befand sich das sechs mal vier Meter große Massengrab mit einer nicht mehr genau bezifferte Zahl von gefallenen Rotarmisten. Generationen von Oderbrüchern sind seither daran vorbeigefahren. Eduard Ptuchin, Vorsitzender des Vereins "Obelisk International" hatte an Hand von Archivunterlagen der Roten Armee festgestellt, dass dort die Soldaten der 57. Gardeschützendivision begraben wurden. Die meisten Gebeine waren bereits 1947 exhumiert und nach Reitwein auf den Ehrenfriedhof gebracht worden. Bei der jetzt erneuten Öffnung wurden noch einmal die Gebeine von acht Rotarmisten geborgen, die allerdings nicht vollständig sind. Sie werden ebenfalls in Reitwein zugebettet, informiert Albrecht Laue vom Verein zur Bergung Gefalemner in Osteuropa. "Es handelt sich um junge Männer im Alter von 17 bis 30 Jahren", macht Laue deutlich. Zudem wurden zwei Einzellagen entdeckt. In einer befanden sich die Überreste eines Rotarmisten ohne Beigaben, die eine nähere Bestimmung möglich machen; und in der anderen fanden sich die Gebeine eines Leutnants, wie seine erhaltenen Schulterstücke belegen.

Ganz in der Nähe des Massengrabs verlief ein deutscher Schützengraben. Aus den Heeresberichten ist bekannt, dass die gefallenen Deutschen in Gräben und Granatlöchern verscharrt wurden. Doch das Öffnen des Schützengrabens brachte keine Funde zutage. Nach Hinweisen von Horst Kupsch, der die Beerdigung Gefallener als Zwölfjähriger erlebt hat, wurde im Dorf ein Einzelgrab mit den Überresten eines deutschen Soldaten entdeckt.

Von der Botschaft der Russische Föderation informiert sich Evhenii Aleshin über die Ausgrabungsarbeiten. Er leitet das Büro für Kriegsgräberfürsorge der Botschaft und hatte kürzlich auch die Zubettung der Überreste von Rotarmisten auf dem Soldatenfriedhof in Manschnow geleitet. Ebenfalls Beobachter der Arbeiten war mit Karl Hans "Hein" Mayer ein 96jähriger Kriegsveteran, der an vielen Schlachten des Zweiten Weltkrieges, unter anderem auch an der um Stalingrad, teilgenommen hat. Gemeinsam mit dem nur drei Jahre jüngeren Günter Scharf ist er extra aus Braunschweig an die Oder gekommen. "Diese Zeitzeugen beraten uns schon sehr lange und geben Hinweise", erklärt Albrecht Laue.

Wie akribisch genau die Mitglieder und Helfer des Vereins arbeiten, erläutert der Bodendekmalpfleger Werner Schulz. Auf dem Boden eines Sichtungsgrabens hat er eine vorzeitliche Pfostengrube entdeckt und dokumentiert sie peinlich genau für die Unterlage des Landesamtes für Denkmalspflege.

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