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Natur und Wasser - sein Lebenselixier

Passionierter Angler und hilfsbereiter Mensch: Peter Miethe auf dem Grundstück der Angelvereins am Alt Stahnsdorfer See
Passionierter Angler und hilfsbereiter Mensch: Peter Miethe auf dem Grundstück der Angelvereins am Alt Stahnsdorfer See © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 27.03.2017, 07:45 Uhr
Alt Stahnsdorf (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute Peter Miethe.

"Peter Miethe hilft bei allen wichtigen Höhepunkten im Ort und ist stets ansprechbar und hilfsbereit." So steht das in der Begründung des Alt Stahnsdorfer Ortsbeirats zur Auszeichnung am Tag des Ehrenamtes der Stadt Storkow im vergangenen Jahr. Diese Aktivität, aber auch seine Hobbys Gesang und das Angeln ziehen sich durch das gesamte 73-jährige Leben des im benachbarten Prieros Geborenen.

Als Peter Miethe sieben Jahre alt war, starb seine Mutter, so dass er bei Oma Anna (gestorben 1969) in Storkow aufwuchs. "In Karlslust draußen am See. Natur und Wasser waren mir in die Wiege gelegt. Mit zehn, zwölf Jahren habe ich zu stippen angefangen mit einer Angelausrüstung, über die sich die heutigen Zehn- bis Zwölfjährigen totlachen würden", schmunzelt er. Eine Haselnussrute mit Sehne, die Pose aus Federkiel mit Korken. Ein Foto von ihm mit Angelrute im hohen Schilf ist noch vorhanden. Die Fische - Brassen, Plötze und Barsche - wurden von Oma gebraten. Das Haus mit Garten am Hermann-Löns-Weg, wo der Junge Kartoffeln gebuddelt und Ziegen gehütet hat, gibt es noch. Die Tante lebt darin. Die Bebauung ringsum allerdings gab es da noch nicht. "Wir sind aus der Schule gekommen und raus zum Baden oder in den Wald, oft zur Dicken Fichte, die heute Mahlerkiefer genannt wird", erzählt er von einer unbeschwerten Kindheit. Besonders interessant für die Jungs waren die Übungen und Taucherausbildungen der Pioniere aus der Kaserne Küchensee mit ihren Pontons im See.

Ab der 9. Klasse ging Peter Miethe zur Abiturausbildung in die Oberschule Beeskow, da die Abiturstufe in Storkow nach der spektakulären Schülerflucht 1956 aufgelöst worden war. Er liebte die Fächer Deutsch, Russisch, Englisch, aber auch Biologie. "Das hängt viel mit den Lehrern zusammen", glaubt er und wertet aus: "Es war eine schöne Zeit, auch die im Jungen-Internat in der Lübbener Chaussee." In der Oberschule gehörte er einer Agitprop-Gruppe an, die "viel bei den Bauern kabarettistisch für die Vollgenossenschaft getrommelt hat". Zu den Veranstaltungen spielten sie als Schülerband zum Dorftanz oder auch mal im Beeskower Schützenhaus. Peter Miethe saß am Schlagzeug und sang. Der Hit war "Weiße Rosen aus Athen".

"Wenn man etwas bewegen will, muss man aktiv sein", war ihm schon frühzeitig klar. Er engagierte sich in der Schule als Gruppenrats- und Freundschaftsratsvorsitzender und wurde 1957 sogar als Auszeichnung zu einem internationalen Pioniertreffen nach Polen geschickt. In der 11. und 12. Klasse war er Sekretär der Zentralen Schulgruppenleitung der FDJ.

Den 13. August 1961 bezeichnet Peter Miethe, der von den Mitschülern treffend "der rote Org" genannt wurde, als Zäsur in seinem Leben. Wollte er ursprünglich Gesellschaftswissenschaften oder Sprachen studieren, sah er es nun als gesellschaftliche Verpflichtung an, zur Armee zu gehen. Sein ausdrücklicher Wunsch war die Volksmarine. Vier Jahre Offiziersschule bis 1966 mit Abschluss als Unterleutnant, Fachrichtung Navigation absolvierte er. Dann übernahm er bis 1973 ein Kommando als 1. Wachoffizier auf einem Landungsschiff, anschließend diente er als Politoffizier in der Jugendarbeit in Peenemünde, wo Peter Miethe auch dann immer wieder zur See gefahren ist. "An allen großen Manövern war ich dabei", sagt er stolz. 1967 hatte er seine Rita aus AltStahnsdorf geheiratet, Die Familie erweiterte sich um drei Kinder und sechs Enkel.

Auf allen Stationen kam seine Liebe zur Musik zum Tragen. In Peenemünde hat er in dem republikweit bekannten Marinechor gesungen. Vier Auftritte sind im Fernsehen dokumentiert: bei Heinz Quermann und bei Hafenkonzerten in Saßnitz und Warnemünde. Mit dem Chorleiter Hartmut Haker ist das Ehepaar noch heute befreundet. Er hat zu Peters 70. Geburtstag musiziert und wird das demnächst wieder zur Goldenen Hochzeit tun.

Sein Jugendberufswunsch erfüllte sich 1973 bis 1976 mit dem Studium der Gesellschaftswissenschaften an der Dresdner Militärakademie. 1977 zog die Familie nach Berlin, wo Peter Miethe anfangs im Zentralrat der FDJ, Abteilung bewaffnete Kräfte tätig war. Als die Wende kam, wollte er nicht in die Bundeswehr übernommen werden. Am 7. Oktober 1989 war er noch durch Honecker zum Konteradmiral ernannt worden.

Mit ganzen 2000 Mark Übergangsgeld ging der mit höchstem Rang ausgestattete Militär ins Zivilleben und in vier Arbeitslosigkeiten. "Ich habe damals viel am Stahnsdorfer See geangelt. Dabei konnte ich in Ruhe etwas sortieren im Kopf", reflektiert er. Stabilität für die Familie brachte die Tätigkeit als Handelsvertreter für Türen und Küchen wieder. Mit einem Partner betrieb er zwei Küchenstudios in Berlin, musste aber 1999 alles aufgeben,weil er schwer erkrankte.

Nun zog die Familie nach Alt Stahnsdorf, wo sie in der Berliner Zeit schon ein Erholungsgrundstück besaß. Bis zu seinem Renteneintritt mit 60 arbeitete Peter Miethe im Beeskower Büro der Hauskrankenpflege von Anke Reincke, seiner Tochter.

Ab jetzt widmete er sich intensiver dem Angelverein, dessen Mitglied er schon lange vorher geworden war. 2007 wurde er 2. Vorsitzender des Vereins mit 60 erwachsenen Mitgliedern und bis zu 20 Kindern und Jugendlichen und übernahm 2014 das Amt als 1. Vorsitzender. "Ich konnte zusammen mit den sieben Vorstandsmitgliedern eine geachtete Position in der Gemeinde aufbauen", ist er zufrieden. Der Verein organisiert Familienangeln, ist bei Dorffesten mit leckeren Fischgerichten dabei, beteiligt sich bei den jährlichen Verschönerungseinsätzen im Dorf und koordiniert seine Jahrespläne mit allen Alt Stahns-dorfer Vereinen. Kurz: "Wir versuchen zu integrieren und über den traditionsreichen, 1968 gegründeten Angelverein hinaus zu denken", so der Vorsitzende. Laut Satzung ist die übergreifende Aufgabe die "Förderung der Umwelt und des Naturschutzes sowie die Hege und Pflege des Fischbestands". Laufend gibt es Uferbegehungen durch zwei Gewässerwarte. Dabei wird darauf geachtet, dass der Uferbewuchs und das Gelege nicht zerstört oder verschmutzt werden. Die Angelstellen müssen gepflegt werden, und auf die Kahnliegeordnung für Grundstücksnutzer muss geachtet werden, damit die Uferzonen nicht übermäßig beansprucht werden. Bis zu viermal im Jahr wird zum Hegeangeln eingeladen, um den Weißfischbestand zu reduzieren und damit den Edelfischen genügend Raum zur Entwicklung zu geben. Bei Kontrollfischen mit dem Landes- oder Kreisvorstand wird festgestellt, welche Besatzmaßnahmen der Kreisangelverband durchführen muss. "Wir organisierten Angler sind eben von Hause aus Natur- und Tierschützer", ist sein Credo.

Als 2014 sich ein sangesfreudiges, geselliges Grüppchen zusammenfand, um als "Alt Stahnsdorfer Singvögel" dem Volks- und Unterhaltungslied zu frönen, war er gleich mit dabei. Inzwischen haben die Singvögel bei zahlreichen Auftritten ihre Freude an andere weitergegeben.

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