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Auf Nino wartet die Freiheit

Hans Still / 31.03.2017, 21:00 Uhr
Krummensee (MOZ) In Krummensee geht am Wochenende eine kurze Liebesbeziehung zu Ende: Mandy Gille trennt sich am Sonntag von ihrem Jungschwan, den sie im Januar vor dem Kältetod retten konnte. Das Tier kann nun wohl genährt ausgewildert werden.

Keck und propper watschelt Jungschwan Nino durch sein Reich, das aus einem zum Stall umfunktionierten Carport besteht. Suchende Blicke gehen nach links und rechts, eigentlich hätte es hier längst Futter geben sollen. Aber am Freitag war alles anders, denn die Schwanenmutti Mandy Gille hatte spätere Frühstückszeiten festgelegt. "Vielleicht kann man den Schwan beim Fressen fotografieren, das wäre doch ein schönes Abschiedsmotiv", dachte sich die Frau, die mit Stolz für sich in Anspruch nehmen kann, dem Schwan das Leben gerettet zu haben.

Gerade mal zwei Monate ist es her, dass sie mit einigem Geschick den vom Hunger schwachen und bereits unterkühlten Schwan vom Eis des Krummenseer Haussees locken konnte. Dort hatte der Schwan bereits mehrere Tage regungslos im Wasser verbracht.Nach und nach schloss sich die Eisdecke, das Tier konnte längst kein Futter mehr finden. Letztlich wäre er wohl verhungert, hätte Mandy Gille nicht geholfen. Eine Woche lang brauchte das Tier, um wieder zu Kräften zu kommen. Mais und Haferflocken, viel Salat und immer wieder Wasser - mit diesem Erfolgsrezept kann Jungschwan Nino noch heute begeistert werden. "Wir wissen mittlerweile ganz sicher, dass Nino ein Erpel ist", kann die Retterin zusätzlich über ihren Schützling berichten.

Mit besonderer Dankbarkeit erwähnt Mandy Gille die Hilfe, die sie seit Aufnahme des Schwans erfahren durfte. "Die Nachbarn waren sehr lieb und haben geholfen. Es kamen oft Kinder vorbei, um nach Nino zu sehen." Nach dem Beitrag in der MOZ wurde sie oft angesprochen, auch äußerten Dritte die Idee, Krummensee in Schwanensee umzutaufen. Besonders überraschend war zudem die Unterstützung des Werneuchener Edeka-Marktes: Dort bekam sie bei ihren Besuchen gratis Blattsalat und anderes Grün ausgehändigt, um damit ihren Schwan zu füttern.

Wie es für Nino weiter geht, ist theoretisch geklärt. Ob er aber auch praktisch die Zukunft bewältigen kann, bleibt noch abzuwarten. Am Sonntag holen ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins Gnadenhof Wildtierrettung Notkleintiere aus Oranienburg Nino ab. Dann geht es in Richtung Landkreis Oberhavel, denn bei Oranienburg gibt es drei weitere Jungtiere, die der Verein über den Winter bringen konnte. "Die vier Schwäne kommen auf ein Gewässer, auf dem es noch keine Schwäne gibt. "Ältere Schwäne würden nämlich die Jungtiere vertreiben oder gar töten", weiß Mandy Gille mittlerweile.

Der Krummenseer Haussee scheidet als künftige Heimat jedenfalls aus. Ninos Eltern sind seit einigen Tagen zurück und fühlen sich auf dem See sehr wohl, wie am Freitag zu beobachten war. Der Ganter würde mit Sicherheit dem Jungschwan wie einem fremden Schwan zusetzen, da spielen die Familienbande keine Rolle. "Vielleicht kommt mich Nino ja mal besuchen", wagt Mandy Gille einen kühnen Gedanken, muss aber selbst darüber lachen. Sie hat den Schwan bewusst wie ein Wildtier behandelt, um ihm genau die Freiheit zu ermöglichen, die Nino jetzt erfahren soll.

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