Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jubiläums-Kristall-Ball für Mister Liepe

Dirk Schaal / 01.04.2017, 20:43 Uhr
Liepe (MOZ) Die höchste Auszeichnung des Brandenburger Fußball-Landesverbandes, den Kristallfußball, bekam am Donnerstagabend Klaus Marschner überreicht. Er ist Vorsitzender der SG Liepe und hat eine ganze Menge in der Barnimer Gemeinde auf die Beine gestellt.

"Wissen Sie, eigentlich mag ich solche großen Veranstaltungen gar nicht. Das ist ja fast wie das Bundesverdienstkreuz bekommen", sagte Klaus Marschner, der gerade den 25. Kristallfußball des Fußball-Landesverbandes Brandenburg bekommen hatte.

Da kam ein Einwand aus der Gesprächsrunde: "Das Bundesverdienskreutz haben schon viele bekommen, den Kristallfußball aber erst 25". Lautes Lachen in der Runde und die Pressesprecherin des FLB, Silke Wentigmann-Kovarik, bestätigte, dass die Jubiläumsauszeichnung tatsächlich auch eine Besonderheit darstellt.

"Mister Liepe" wird Klaus Marschner liebevoll oft genannt.Er ist seit 40 Jahren Vereinsvorsitzender der SG Liepe und im Nebenberuf auch seit 1990 Bürgermeister der 766-Seelen-Gemeinde. "Alles ehrenamtlich, ansonsten hätte ich das auch nicht gemacht", erklärte der 72-Jährige überzeugend. Und überhaupt macht Klaus Marschner den Eindruck, sehr bodenständig zu sein. Ein Mann, ein Wort - eine gefühlt abgedroschene Redewendung, die durch ihn aber wieder zu neuer Bedeutung gelangt. Das machte auch Siegfried Kirschen, Präsident des FLB, bei seiner Laudatio während der Festveranstaltung im Landhof Liepe klar. "Was mir an Klaus Marschner imponiert hat, hier wurde nicht ewig diskutiert, sondern gleich Nägel mit Köpfen gemacht", sagte er zur Begründung der diesjährigen Auszeichnung

Im Dezember 2015 war Siegfried Kirschen zur einer Gesprächsrunde "Fußball im Dialog" in Liepe eingeladen. "Mich hat diese familiäre Atmosphärehier überrascht und, dass hier alle mit anpacken, wenn Hilfe gebraucht wird", erinnerte er sich. Bewundert habe er die beiden Rasenplätze, einer mit Flutlicht und Beregnungsanlage, und das Sportlerheim mit Sportraum. "Da würde wohl selbst ein höherklassiger Verein neidisch", schätzte er ein. So kam Klaus Marschner in die engere Wahl für die Auszeichnung mit dem Kristallfußball.

"Das Material für das Vereinshaus haben wir gekauft, den Rest haben wir alles selbst gemacht. So war es eigentlich immer, alle haben irgendwie dazu beigetragen", erklärte Klaus Marschner in seiner Dankesrede, wie selbstverständlich solche Projekte in Liepe angegangen werden.

Als kleiner Klaus begleitete er seinen Vater Rudolf Marschner auf den Fußballplatz. Der war Platzwart, kümmert sich um alles, hatte für jeden ein offenes Ohr. So war es eigentlich keine Frage, wo die Reise für den großen Klaus hinführen wird. Mit sechs Jahren schnürte er zum ersten Mal die Fußballschuhe für seinen Verein SG Liepe. Dass er die erst nach 56 Jahren wieder an den Nagel hängen sollte, war damals noch nicht abzusehen. Alle Nachwuchsstationen in Liepe durchlief er und landete später auch bei den Männern. Ich habe immer bei Liepe gespielt und immer hier gewohnt", sagte der Geehrte stolz.

Mit 20 Jahren trat er dem Vorstand des Vereins bei und mit 33 Jahren wurde er Chef. "Es wollte kein anderer", lautete seine knappe Begründung. Doch was er macht, das macht er richtig: "Ich habe versucht Struktur reinzubringen, regelmäßige Mitgliedsbeiträge, Vorstandssitzungen und Protokolle", erklärte Klaus Marschner. Ein Dorn im Auge war den Lieper Fußballern bis dahin ein Hartplatz, der seinem Namen auch voll gerecht wurde. "1985 haben wir dann ein Gespräch mit Pfarrer Bockelmann geführt, dem hat der Wald hier gehört, und dann haben wir von dort den Mutterboden für den neuen Rasenplatz selbst angekarrt und natürlich fertig gebaut", erzählte Klaus Marschner.

Davon profitieren auch noch heute die Lieper Fußballer. "Das Umfeld stimmt nun hat es in der letzten Saison auch sportlich geklappt mit dem Aufstieg in die Kreisliga", sagte Mannschaftkapitän Alexander Thiede. Zusammen mit seinem Mannschaftskameraden Daniel Barczyk ist er sich sicher, das an den derzeitigen Erfolgen auch Klaus Marschner seinen Anteil hat: "Er ist immer da wenn man ihn braucht, auch als Motivator", erklärten die beiden.

Pläne für die Zukunft hat Klaus Marschner auch genug. "Wir verbrauchen einfach zu viel Energie auf dem Sportplatz. Mal schauen, ob wir was mit Solar oder Erdwärme hinbekommen",grübelt er derzeit noch.

Mehr Zeit soll auch die Familie bekommen, seine drei Kinder, sechs Enkel und der Urenkel und natürlich seine Ehefrau Brigitte. Sie selbst war 22 Jahre lang Kassenwart im Verein. "Sie wusste, dass sie einen Fußballverrückten heiratet. Insofern war das alles für sie keine Überraschung", sagte Klaus Marschner scherzhaft vor den geladenen Gästen der Festveranstaltung. Sein erster Gang nach der Auszeichnung führte auch zu seiner Brigitte, eine Umarmung, ein Kuss, ein tiefer Blick in die Augen und beide lachten, bevor die unzähligen Gratulanten an den Tisch stürmten.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG