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Zur Wolfswache in Libbenichen kamen Landwirte, Schäfer und Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger

Debatten am knisternden Lagerfeuer

Wolfswache am Birkenhof Libbenichen: Der Dolgeliner Schäfermeister Wildfried Vogel war mit einer kleinen Schafsherde gekommen. Bis spät in die Nacht wurde am Lagerfeuer und an Feuerschalen diskutiert.
Wolfswache am Birkenhof Libbenichen: Der Dolgeliner Schäfermeister Wildfried Vogel war mit einer kleinen Schafsherde gekommen. Bis spät in die Nacht wurde am Lagerfeuer und an Feuerschalen diskutiert. © Foto: Matthias Lubisch
Doris Steinkraus / 02.04.2017, 20:52 Uhr
Libbenichen (MOZ) Brandenburg soll eine Wolfsverordnung bekommen. Das hat Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) bei der Wolfswache am Freitagabend in Libbenichen angekündigt. Es gehe um ein Miteinander von Artenschutz und Bewirtschaftung der Kulturlandschaft, so der Tenor.

Wie nah das Problem Wolf bereits gerückt ist, machte Kerstin Czerwinski aus Kunitz bei Wiesenau (Oder-Spree) deutlich. Schluchzend berichtete sie von ihrem täglichen Kampf gegen mögliche Wolfsangriffe. 2016 waren 30 ihrer 150 Heidschnucken gerissen worden. In der Schäferei ihr gegenüber hätten Wölfe am helllichten Tag Tiere angegriffen. Seit 14 Jahren habe sie ihren Betrieb, fühle sich im Kampf gegen den Wolf jetzt allein gelassen, habe ständig zu tun, um ihre Herde, zu der auch noch Ziegen und Alpakas gehören, zu sichern. Einen weiteren größeren Tierverlust könnte ihr Betrieb nicht verkraften.

"Wir brauchen klar definierte Zonen und Korridore für den genetischen Austausch", erklärte Rudolf Heller aus Rehfelde. Es gehe nicht um Obergrenzen, so der Jäger. Vielmehr müssten Gebiete mit einem 150 Kilometer Schutzradius festgelegt werden. Breite sich der Wolf darüber hinaus aus, sei er zu töten.

Schäfermeister Wilfried Vogel aus Dolgelin verwies auf die skandinavischen Länder, wo seit Jahren maximal 100 Tiere geduldet und der Bestand entsprechend reguliert wird. Das müsse auch hier möglich sein.

Henrik Wendorff, der Präsident des Landesbauernverbandes und Öko-Landwirt aus Worin, moderierte die Veranstaltung - er forderte ein Abwägen. Es gehe nicht für oder gegen den Wolf, sondern um ein Miteinander von Bewirtschaftung und geschützten Arten. Dafür seien klare gesetzliche Regelungen nötig. Landwirte sähen sich jetzt bestraft für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Denn letztlich würden sich die geschützten Tiere, nicht nur der Wolf, nur deshalb so gut ausbreiten. Der Wolf gehöre ins Jagdrecht, um den Bestand - wie auch bei Wildschweinen und Rehwild - in Grenzen zu halten.

Er sei dankbar, dass das Forum Natur die symbolische Wolfswachen-Aktion angeschoben habe, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Man wolle nicht wieder, wie beim Biber, warten, bis die Schäden überdimensionale Ausmaße annehmen, ehe gesetzliche Regelungen getroffen werden. Die Politik agiere ohnehin zu zögerlich, befand der Letschiner Manfred Wercham vom Bauernbund. Es vergehe zu viel Zeit, ehe Gesetze auf den Weg gebracht werden.

Landrat Gernot Schmidt (SPD) sprach von Ideologien, die immer stärker die ländlichen Räume überwuchern würden. "Wir brauchen eine neue Image-Kampagne", sagte er. Die Seele eines Volkes zeige sich in den ländlichen Räumen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Berufsstände diffamiert werden. Wir wollen nicht die Spielwiese von Öko-Pegida sein", erklärte der Landrat. "Wir dürfen uns nicht auf Kompromisse einlassen, die neue Bürokratien gebären."

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Landwirt Hans-Georg von der Marwitz aus Friedersdorf forderte ein pragmatisches Herangehen. "Dort, wo der Wolf in Siedlungsnähe kommt oder Weidetiere gefährdet, muss es den Abschuss geben", sagte er. "Wir lieben unsere Herden. Es ist für uns untragbar, dass Wölfe unsere Tiere reißen", erklärte Knut Kucnik vom Landesschafszuchtverband. Er sei jedoch zuversichtlich, dass das Land agieren werde, man sehe erste Schritte.

Argarminister Jörg Vogelsänger demonstrierte den Schulterschluss. "Wir brauchen Regeln zur Entnahme", bestätigte er. Und kündigte eine Wolfsverordnung an. Dennoch werde es auch künftig Konflikte geben. Gerade habe sich die Agrarministerkonferenz - Vogelssänger kam direkt von der Beratung und verspätete sich deshalb um eine Stunde - darauf verständigt, den Erhaltungszustand geschützter Arten wie Biber, Kormoran und Wolf auf den Weg zu bringen. Dabei soll es auch um die Frage gehen, die regionalen Unterschiede zu beachten. Das wäre vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen. Mit der Wolfsverordnung werde Brandenburg Neuland betreten. "Wir brauchen dabei viele Partner, auch die Naturschutzverbände", betonte der Minister. "Fest steht, dass wir lernen müssen, auch mit dieser geschützten Wildtierart umzugehen." Das bedeute unter anderem notwendige verstärkte Schutzmaßnahmen in der Weidetierhaltung.

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