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Ungestört im Liebesspiel

Quicklebendig: Frösche gehören zu den wanderlustigen Tieren, die die Naturschützer vor dem Straßentod retteten.
Quicklebendig: Frösche gehören zu den wanderlustigen Tieren, die die Naturschützer vor dem Straßentod retteten. © Foto: MZV/Rammelt
Jürgen Rammelt / 04.04.2017, 18:29 Uhr
Dierberg (MZV) Die Wanderung der Amphibien zu den Laichgewässern ist im vollen Gange. Das merken besonders die freiwilligen Helfer der Naturwacht, die jeweils am Morgen die Krötenschutzzäune kontrollieren. Wenn es in der Nacht nicht zu kalt gewesen ist, sind Dutzende Frösche, Lurche, Unken und Kröten in Eimern gelandet, die in die Erde eingelassenen sind.

Einen dieser Amphibienzäune haben die Naturwächter gegenüber dem alten Zollhaus in Dierberg aufgebaut. 400 Meter lang und alle 20 Meter mit einem Eimer bestückt, soll die Barriere verhindern, dass die Tiere unkontrolliert die Straße überqueren. "Die B122 ist eine viel befahrene Trasse. Würde es die Absperrung nicht geben, würde ein Großteil der Tiere überfahren. Um das zu verhindern, wird seit 2004 hier ein Schutzzaun aufgebaut", erklärt Naturwächterin Karen Steinberg.

"Überwintert haben die Kröten im nahen Wald. Jetzt wollen sie zu ihren Laichgewässern, zu Tümpeln und wassergefüllten Gräben", berichtet Thomas Hahn. Der Projektleiter der Naturwacht leitet eine Schulungsmaßnahme, bei der es um den Amphibienschutz geht. 15ehrenamtliche Naturschützer sowie Mitarbeiter der Naturwacht sind zur Dierberger Anlage gekommen. Auch Marion Schrumpf, Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land, ist dabei.

Zuerst geht es zur Informationstafel, die Auskunft über die Erfassung der Tiere gibt. Mit Kreide wird dort tagesaktuell die Anzahl der unterschiedlichen Amphibien vermerkt, die in den letzten 24 Stunden in den Eimern gelandet und so vor dem Überfahren gerettet worden sind. Aber auch die Gesamtzahl der Tiere, die seit dem 28. Februar, dem Tag des Zaunaufbaus, gezählt wurden, steht auf der Tafel.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Allein 1127Moorgrasfrösche und 588Teichkammmolche haben die Naturschützer bis zum 1.April bereits unversehrt über die Straße transportiert. Aber auch 42Teichfrösche, 20Knoblauchkröten und 15der vom Aussterben bedrohten Rotbauchunken gehören zu den Amphibien, die sich jetzt auf der gegenüberliegenden Straßenseite um Nachwuchs kümmern können.

Bei der Kontrolle der Eimer am Sonnabend können die anwesenden Helfer ihr Wissen unter Beweis stellen. Denn neben der Bestimmung der Art wird auch das Geschlecht der Tiere bestimmt. So haben die Männer der Teichfrösche richtige Muckis, erklärt Thomas Hahn. Und während die Kröten und Frösche an ihrer typischen Körperfarbe zu erkennen sind, besitzen die Unken und Molche unter dem Bauch ein besonderes Muster.

"Jeden Tag leert ein anderer die Eimer", berichtet Helferin Kirsten Kell. Neben der Anzahl der Exemplare wird auch genau erfasst, in welchen Eimern die meisten Tiere landen. "Das hat eine besondere Bedeutung", erklärt Mario Schrumpf. Denn das Ziel der Naturschützer ist es, dass in Dierberg möglichst bald eine Amphibienleiteinrichtung mit mehreren Durchlässen unterhalb der Straße errichtet wird. Um zu wissen, an welcher Stelle die meisten Tiere unterwegs sind, sei die punktuelle Erfassung wichtig.

Am Sonnabend sind es 19Moorfrösche, je vier Teichmolche und Knoblauchkröten sowie drei Erdkröten, drei Teichfrösche und ein Kammmolch, die eingesammelt im Eimer die Straße passieren. Zwei Moorfrösche lassen sich sogar im Liebesspiel nicht ablenken, bevor sie in der Nähe eines Wassergrabens in die Freiheit entlassen werden. Selbst eine der seltenen Rotbauchunken wird von den Teilnehmern der Schulung entdeckt und in Augenschein genommen.

Der Krötenzaun am ehemaligen Zollhaus in Dierberg ist nicht der einzige in der Region. Weitere befinden sich in Altglobsow und am Schulzensee in Zühlen. Auch Holger Lettow vom Gewässerunterhaltungsverband Oberer Rhin-Temnitz und nicht zuletzt die Agrargenossenschaft Rheinsberg unterstützen die Naturschützer - indem sie dafür sorgen, dass der Wasserspiegel im Laichgebiet gehalten wird. Für Schrumpf ist das keine Selbstverständlichkeit, denn durch das Vernässen der Wiesen geht der Landwirtschaft auch Weidefläche verloren.

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