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Anwohner reagieren verschnupft auf Birken

An der Hauptstraße in Lawitz wollen Betroffene die Birken fällen lassen. Diese sorgen mit ihren Pollen für Allergien und mit ihren Kätzchen für Verschmutzungen. Außerdem fürchtet Bürgermeisterin Gudrun Schmädicke um die Standfestigkeit der Laubbäume.
An der Hauptstraße in Lawitz wollen Betroffene die Birken fällen lassen. Diese sorgen mit ihren Pollen für Allergien und mit ihren Kätzchen für Verschmutzungen. Außerdem fürchtet Bürgermeisterin Gudrun Schmädicke um die Standfestigkeit der Laubbäume. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 08.04.2017, 06:54 Uhr
Lawitz (MOZ) Möglicherweise wird es der letzte Frühling und der letzte Sommer, den die elf Birken in der Hauptstraße in Lawitz erleben. Denn Anwohner wollen die Bäume gern fällen lassen, weil diese mit ihren Pollen Allergien auslösen und weil die Birkenkätzchen Grundstücke, Häuser und Autos verschmutzen.

"Was wird denn nun aus den Birken?", will Lucie Brüllke wissen. Sie schaut am Freitagmittag neugierig über den Zaun, als die Bürgermeisterin an einem der Bäume an der Hauptstraße fotografiert wird. Doch eine endgültige Antwort kann ihr niemand geben. Für Lucie Brüllke steht fest: "Die müssen weg!" Schon seit Jahren habe sie immer wieder Staub und Blätter auf ihrem Grundstück. Und ja, eine Allergie hatte sie auch schon, erzählt die Seniorin. Eine Immuntherapie habe jedoch geholfen. "Wir brauchen die Birken hier nicht. Da ist doch eine Hecke", sagt sie.

So wie Lucie Brüllke sehen das einige Lawitzer, die direkt neben den elf Birken wohnen. Bürgermeisterin Gudrun Schmädicke berichtet von einer Familie, deren Enkel meist nur im Haus bleiben kann, wenn er zu Besuch ist und die Birken in voller Blüte stehen. "Der Junge ist Allergiker", erklärt sie. Bei einer anderen Bewohnerin sei die Klimaanlage des Autos kaputt gegangen, weil die Birkenkätzchen oder zumindest Teile davon alles verstopft hätten. Andere klagen über verstopfte Nasen und verstopfte Regenrinnen.

"Hinzu kommt, dass die Bäume direkt an einem Hang stehen", sagt Gudrun Schmädicke. "Und die sind ja mittlerweile richtig groß. Wer will denn garantieren, dass die beim nächsten großen Sturm nicht einfach umfallen?" fragt sie besorgt. "Hier, der steht schon jetzt ganz schief", sagt sie und zeigt auf einen der Bäume in der Reihe entlang der Straße. Gepflanzt wurden die Birken kurz nach Wende, so zumindest sagen es mehrere Lawitzer aus der Erinnerung heraus.

Aber so akut sei das Problem erst seit ein paar Jahren. "Früher sind die Grumpeln von den Birken heruntergefallen, und dann war es das", meint Gudrun Schmädicke. "Aber heute zerbröseln die ja schon an den Zweigen und fliegen herum." Sie nimmt eines der Birkenkätzchen zwischen die Finger, wo es sogleich zerfällt. "So wie es jetzt ist, beeinträchtigt es auf jeden Fall die Lebensqualität der Menschen hier", betont die Bürgermeisterin. Wenn es nach ihr ginge, würden die Bäume gefällt werden, aber so leicht ist das eben nicht.

Die Betroffenen haben Anträge an das Amt Neuzelle gestellt und ihre Situation geschildert. Und von dort ging eine Anfrage an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises. "Denn es muss geklärt werden, ob es sich bei den Bäumen um eine Baumgruppe oder um eine Allee handelt", erklärt Amtsdirektor Hans-Georg Köhler. Bisher habe das Amt noch keine abschließende Antwort aus Beeskow erhalten. "Aber ich bin da sehr vorsichtig und hole mir lieber den Rat einer Fachbehörde, bevor es Ärger gibt", betont Köhler und berichtet von sechs Linden in Treppeln. "Die wurden auch als Allee eingestuft." Und dann können Bäume nur gefällt werden, wenn eine Ausnahmegenehmigung beantragt wird und ein Härtefall vorliegt, hatte Bauamtsleiter Thomas Tavernier jüngst bereits in einer Gemeindevertretersitzung erläutert. Da er jedoch selbst in Lawitz wohnt, hält er sich als Bauamtsleiter aus dieser Angelegenheit heraus. Köhler spricht zudem von einer Interessenlage, von Menschen, die die Birken fällen lassen wollen und von anderen, die sie gern behalten würden.

Gudrun Schmädicke berichtet, dass eine Bekannte bereits in der Kreisverwaltung nachgefragt habe. Und dort habe es geheißen, es handele sich um keine Allee. Eine offizielle Stellungnahme steht jedoch noch aus. Das Warten geht also weiter. Und klar ist schon jetzt: Selbst wenn die Fällgenehmigung kommen sollte, vor Oktober wird sich gar nichts tun. Denn erst dann dürfen die Motorsägen wieder heulen. "Das ist schade", findet Gudrun Schmädicke. Dann müssten die Bewohner die nächsten Monate weiter leiden. Ob es nach einer Fällaktion Ersatzpflanzungen geben muss, weiß sie nicht. "Das werden wir dann alles erfahren", sagt sie.

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