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Waschbrett-Solo in Hosenträgern

Mit Fliege und Erfahrung: Etliche Bandmitglieder spielen mehrere Instrumente, vier von ihnen singen auch, obwohl derzeit die meisten Songs noch rein instrumental sind. Das soll sich jedoch ändern; Johannes Böhmer, Fidelis Hentze, Katharina von Fintel, Bas
Mit Fliege und Erfahrung: Etliche Bandmitglieder spielen mehrere Instrumente, vier von ihnen singen auch, obwohl derzeit die meisten Songs noch rein instrumental sind. Das soll sich jedoch ändern; Johannes Böhmer, Fidelis Hentze, Katharina von Fintel, Bas © Foto: Linda Rosa Saal
Simon Rayß / 11.04.2017, 06:50 Uhr - Aktualisiert 11.04.2017, 08:06
Brodowin (MOZ) Sechs Monate ist es her, dass das Rufus Temple Orchestra im Eberswalder Studentenclub gespielt hat. In dieser Zeit ist viel passiert bei der fünfköpfigen Kombo. Sie hat ein neues Programm eingespielt, etliche Konzerttermine vereinbart und ihr "Hauptquartier" von Berlin nach Brodowin verlegt.

Wenn das Rufus Temple Orchestra auf der Bühne steht, klingt das stark nach den 20er-Jahren. Nach einer Bar in New Orleans, Menschen dicht gedrängt im schummrigen Licht. Sie tanzen zum flinken Klang der Bläser. Dazu ein Banjo, ein Kontrabass, das Schrubben des Waschbretts - sogenannter Hot Jazz eben, ein Vorläufer des Swing.

Doch wenn das Rufus Temple Orchestra auf der Bühne steht, klingt das nicht nur nach den 20er-Jahren, es sieht auch so aus. Die Bandmitglieder, allesamt um die 30, tragen zeitgenössische Outfits: weißes Hemd, Fliege, Hosenträger; Banjo-Spielerin und Sängerin Katharina von Fintel ein schwarzes Kleid und Charleston-Stirnband. Ja, die fünf studierten Musiker meinen es ernst mit dem Rufus Temple Orchestra. "Für uns hat dieses Projekt Priorität", sagt Fidelis Hentze, der beim Quintett abwechselnd Waschbrett und Basstrommel bedient und obendrein noch singt.

Vor einem Jahr ist die Formation aus der Taufe gehoben worden. Dass sie Hot Jazz spielen wollen, steht da schon lange fest, einfach weil sie selbst eine Vorliebe für den rhythmisch eingängigen, sehr tanzbaren Musikstil hegen. "Das war das Erste, was klar war", sagt Katharina von Fintel. Schwerer ist den Musikern, die zum Teil schon im Teenager-Alter zusammengespielt haben, die Wahl des Namens gefallen: "Wir haben lange nach einem Namen gesucht, der nach einer alten Band klingt", sagt Hentze.

Fündig geworden sind sie in seiner Familiengeschichte: Hentzes Urgroßvater, ein Dramaturg, hat in den 20er-Jahren in Berlin gelebt, bevor er nach Panama ausgewandert ist. Eines seiner Stücke blieb damals unvollendet. Darin taucht eine Band mit einem klangvollen Namen auf: Rufus Temple Orchestra.

Seit die musikalische Ausrichtung und der Name feststehen, ist die dreiköpfige Stammtruppe - Katharina von Fintel, Hentze sowie Kontrabassist und Sänger Nikolai Scharnofske - am Ball geblieben. "Wir drei sind die Gründungsmitglieder, wir machen die Hauptarbeit", erklärt Fidelis Hentze. Das heißt, sie organisieren die Auftritte, stemmen die Öffentlichkeitsarbeit und stellen Kontakte her zu Musikern und Veranstaltern. "Wir haben alle viel Erfahrung mit anderen Bands", sagt Nikolai Scharnofske. "Aber das jetzt ist eine ganz andere Erfahrung, selbst die Verantwortung zu tragen", ergänzt Hentze. Da hänge unheimlich viel Arbeit dran.

Im ersten Bandjahr ist diese Arbeit noch vor allem organisatorischer Natur. Auch die beiden Bläser wechseln: Johannes Böhmer an der Trompete und Bastian Duncker an der Klarinette stoßen dazu. Als das Rufus Temple Orchestra Anfang Oktober im Studentenclub spielt, ist es der erste Auftritt in aktueller Besetzung. Am Karfreitag kommt die Band nun zurück nach Eberswalde. "Wir bringen ein neues Programm mit und einen Haufen neuer Stücke mit originellen Arrangements, in die wir viel Mühe investiert haben", kündigt Fidelis Hentze an.

Außerdem wird die Truppe bestens eingespielt sein, denn in der Woche vor dem Auftritt stehen die Fünf jeden Abend auf der Bühne. Überhaupt läuft es gut fürs Rufus Temple Orchestra: "Für 2017 haben wir schon 40 Konzerte fest", sagt Hentze. Er geht davon aus, dass sie am Ende 60 bis 70 Shows spielen werden. Deutschlandweit.

Dabei wird die Anreise zum Studentenclub noch eine der kürzeren sein: Seit dem vergangenen Monat wohnt die dreiköpfige Kerntruppe gemeinsam in Brodowin, Tür an Tür im Dachgeschoss einer ausgebauten Scheune. Nach Jahren in Berlin haben sie Ruhe und Natur gesucht. Nun sorgen sie selbst dafür, dass ins Dorf noch mehr Leben kommt. Nicht nur, wenn sie gemeinsam im Wohnzimmer proben. Sondern auch, wenn sie am 15. Juli zur Brodowiner Gartenmusik ihren Hof in einen Jazz-Club verwandeln. Natürlich mit Banjo, Waschbrett und Hosenträgern.

Konzert im Studentenclub: Karfreitag, 20.30 Uhr, Eintritt: sechs, für Studenten fünf Euro; Vorgeschmack im Internet unter www.rufus-temple.de

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