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Junge Gäste sprechen mit Politikern

Bernhard Schwiete / 11.04.2017, 07:34 Uhr
Groß Schauen (MOZ) Ein ganzer Tross Politiker hat am Montag die Fischerei Köllnitz in Groß Schauen besucht. Dabei ging es um Probleme der Fischereiwirtschaft. Es gab aber auch heitere Momente bei dem mehr als zweistündigen Aufenthalt - Hauptrollen fielen dabei auch Grundschülern aus Prieros zu.

Am Ende gab es das, wofür die Küche der Köllnitzer Fischerstuben bekannt ist. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) und EU-Umweltkommissar Karmenu Vella ließen sich nach zwei Stunden mit teilweise ernsten Gesprächen in der Gaststube nieder, um sich die Spezialität des Hauses servieren zu lassen. "Natürlich gibt es bei uns heute Zander", sagte Petra Beck, Geschäftsführerin der Fischerei Köllnitz. Dazu wurden geröstete Apfelringe, Preiselbeergelee und Herzoginkartoffeln gereicht. "Dieses Gericht hat bei uns Tradition, wenn wir besondere Gäste haben", sagte Petra Beck. "Der Zander ist nirgendwo besser als hier." Davor hatten sich die Gäste indes speziell einer anderen Fischart gewidmet. Aus blauen Eimern setzten sie etwa 1500 Aale in den Groß Schauener See ein. Die ein bis zwei Jahre alten, jeweils etwa sieben Gramm schweren Tiere sind in acht bis zehn Jahren bis zu 50 Zentimeter lang und fischbar - sofern sie dann noch am Leben sind. Die schwierig gewordenen Bedingungen für den Aalfang waren ein Thema, das die Fischer den Politikern und speziell dem Gast von der EU-Kommission aus Brüssel verdeutlichen wollten. Viele der Aale werden Beute von Fischotter und Kormoran, andere verenden auf ihrem Weg in Richtung Meer und Salzwasser in Wasserkraft-Anlagen. Nur etwa 40 Prozent der Tiere erreichen das Alter, in dem sie fischbar sind.

Die Aale, die am Montag in den Groß Schauener See kamen, wurden finanziert über ein Pilotprojekt zur Förderung des europäischen Aalbestandes im Elbe-Einzugsgebiet des Landes Brandenburg, das es bereits seit zwölf Jahren gibt. In landesweit sechs Betrieben wurden insgesamt etwa 340000 Tiere ausgesetzt. Die Kosten der Aktion werden zu 80 Prozent von der EU und vom Land getragen, den Rest steuern Fischereibetriebe und der Landesanglerverband bei.

Das Projekt mit seiner Ko-Finanzierung wird als notwendig erachtet nicht nur wegen der Gefahren, die für die Aale lauern. "Ein weiteres Problem sind die hohen Preise für die Tiere, die auch mit einem illegalen Handel nach Asien zu tun haben", sagte Projektleiter Ronald Menzel. Ein Kilogramm der Jungtiere koste derzeit 265 Euro. In der Vergangenheit sei der Einkauf teilweise sogar noch teurer gewesen.

Dass es bei all den Problemen am Montag auch heiter zuging, lag unter anderem an einer Gruppe Grundschüler aus Prieros. Sie halfen den Politikern nicht nur beim symbolischen Einsatz der Fische, sondern recherchierten auch für ihre Schülerzeitung. Mithilfe einer Dolmetscherin unterhielten sie sich mit dem EU-Kommissar aus Malta und mit Ministerpräsident Woidke.

Karmenu Vella war nach eigenem Bekunden zum ersten Mal in Brandenburg unterwegs und auch erstmals zu Besuch bei einem Binnenfischerei-Unternehmen. Er wolle diesem Bereich künftig verstärkt Bedeutung zumessen, sagte er. Aus seiner Heimat Malta, dem kleinen Inselstaat im Mittelmeer, sei ihm die Branche aber bestens bekannt. "Jeder Malteser ist ein kleiner Fischer", sagte er. Nicht jeder Malteser habe ein Auto, wohl aber ein Boot.

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