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Drei Handwerker unter einem Dach

Gerätschaften eines Schuhmachers: In Groß Neuendorf war Arthur Miekley der letzte Vertreter dieses Handwerks.
Gerätschaften eines Schuhmachers: In Groß Neuendorf war Arthur Miekley der letzte Vertreter dieses Handwerks. © Foto: Michael Hensel
Doris Steinkraus / 13.04.2017, 07:26 Uhr - Aktualisiert 20.04.2017, 16:35
Groß Neuendorf (MOZ) Am Ostersonntag wird in Groß Neuendorf Handwerk lebendig. Auf Privatinitiative der Familie Rindfleisch rücken in Ausstellungen Schmied, Korbmacher und Schumacher in den Blickpunkt. In der Poststraße startet ein großes Hoffest.

Sie gehörten einst in jedes Dorf im Oderbruch - Schmied, Korbmacher und Schumacher. Gewerke, die heute kaum noch jemand original kennt. Längst sind die Schmiedefeuer erloschen, wurden einstige Werkstätten zu Abstellkammern. "So in etwa war es auch in der einstigen Werkstatt des letzten Schmiedes von Groß Neuendorf Gerhard Rindfleisch," erzählt Martin Hensel. Er ist der Initiator einer Privatinitiative, die für das alte Handwerk eine Lanze brechen und es wieder in den Blickpunkt rücken möchte. Der 40-Jährige lebt eigentlich in Lübbenau im Spreewald. Seine Schwiegereltern sind Karin und Heinrich Rindfleisch aus Groß Neuendorf. Karin Rindfleisch ist nicht nur Ortsvorsteherin von Groß Neuendorf, sondern schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder ganz vorn dabei, wenn es darum geht, Touristen Neues zu bieten oder Historisches zu bewahren. Ihr Schwiegersohn sah sich die alte Schmiede der Familie Rindfleisch genauer an und befand, dass sie mehr sein sollte als nur Abstellort. Privat geschichtlich interessiert, machte sich Michael Hensel daran, einen öffentlich zugänglichen Ausstellungsraum herzurichten und zwar im Originalzustand. "Schmiede soll erlebbar werden", sagt der Spreewälder. Sein Schwiegervater ist der einzige Sohn des letzten Schmiedes. Er wird den Besuchern beim Hoffest vieles über die Funktionsweise einer Schmiede und der vielen Gerätschaften erzählen.

Es gibt jedoch noch mehr zu entdecken. An diesem Tag werden in der alten Scheune auf dem Hof in der Poststraße 8 zwei weitere Ausstellungen eröffnet. Eine widmet sich dem Korbmacherhandwerk. Nach dem Tod des letzten Korbmachers des Dorfes, Kurt Raabe, stand 2015 die Frage, was aus all den Handwerksutensilien werden soll. Die Familie Raabe stellt sie nun als Dauerleihgabe für die besondere Handwerker-Ausstellung zur Verfügung. Der Landfrauenverein Mittleres Oderbruch komplettierte mit seinen Zeugnisse des letzten Schumachers, Arthur Miekley, den neuen Anlaufpunkt in Sachen Handwerks-Geschichte. Michael Hensel konzipierte die Ausstellungen, wird an diesem Tag vor Ort sein und Fragen beantworten.

Natürlich werden an einem Ostersonntag die Ostereier nicht fehlen. Marianne Noack aus Lübbenau zeigt, wie im Spreewald nach traditioneller Wachsmaltechnik Ostereier verziert werden. Interessierte Besucher können bei ihr auch das eine oder andere Exemplar erwerben und sich damit noch eine kleine Osterüberraschung sichern.

Für das kulinarische Wohl mit selbstgebackenem Kuchen und frischem Kaffee ist gesorgt. Je nach Wetterlage kann in der Scheune oder auch auf dem Hof geschlemmt werden. Auf die jüngeren Besucher warten im alten Garten der Schmiede kleine Überraschungen.

Es soll kein einmaliges Angebot sein, versichert Michael Hensel. Es sei geplant, künftig einmal im Monate feste Öffnungszeiten anzubieten. Der Eintritt zum Hoffest ist übrigens frei. Und - was viele freuen wird: Man darf nicht nur schauen und staunen, sondern auch anfassen. "Bei uns gibt es keine Vitrinen, man kann unsere Objekte ganz genau betrachten", so Michael Hensel.

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