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Wo Schwalben sind, ist das Glück

Ruth Buder / 14.04.2017, 19:18 Uhr
Bornow (MOZ) Karl-Heinz Lehmann und seine Frau Martina freuen sich, wenn die Schwalben kommen. Wenn sie aus dem warmen Afrika zurückkehren und in die Bornower Dorfstraße 19 einfliegen, dann ist der Frühling nicht mehr weit.

Das Schwalbenpärchen baut schon emsig an seinem Nest. "Die erste Rauchschwalbe war bereits am 26. März da, 14 Tage früher als üblich. Die zweite kam am Gründonnerstag", berichtet Karl-Heinz Lehmann. Entdeckt haben er und seine Frau den ersten Heimkehrer, als er zunächst auf der Stromleitung vor dem Haus Platz genommen hatte. Der Hausbesitzer nimmt an, dass es sich um das Weibchen handelte, das kurz danach ihr Sommerquartier in der alten Futterkammer bezog und sofort daran ging, das Nest zu flicken. Seit Donnerstag nun hat sie Hilfe bekommen. Schlammiges Baumaterial findet das Vogelpärchen am nahegelegenen Graben genug. Gern nehmen die Vögel auch Haare von Pferden, die es in Bornow reichlich gibt. Schwalbennester sind robust, kleben bekanntlich wie Beton fest an der Wand. Jeden Tag rechnen Lehmanns damit, dass weitere Schwalben ihr Grundstück bevölkern. Sieben Nester seien in der Regel belegt.Sie brüten zwei Mal in der Zeit, in der sie hier sind", weiß Lehmann.Pro Nest werden vier bis fünf junge Schwalbenkinder großgezogen. Ein guter Schnitt für eine Fortpflanzung.

Lehmanns wissen, was sie an ihren Schwalben haben: Sie fressen wie verrückt Insekten und sind so flink, dass sie Fliegen im Flug erhaschen. Aber auch die anderen Singvögel im Garten sind gute und vor allem natürliche Schädlingsbekämpfer. In den zehn Nistkästen im Garten, wo der Süßkirschenbaum schon in voller Blüte steht und bei den anderen Obstbäumen die Knospen langsam aufbrechen, haben es sich Kleiber, Rotkehlchen und Eichelhäher gemütlich gemacht. Die zwei Kästen für die Stare hängen auch nicht ohne Grund: Sie verteidigen Lehmanns Revier vor anderen Artgenossen, so dass nicht alle Kirschen abgefressen werden. "Unsere Vögel übernehmen seit über 25 Jahren die Schädlingsbekämpfung unserer fast 100 Obstbäume. Auf Pflanzenschutzmittel können wir seit dieser Zeit komplett verzichten", sagt Karl-Heinz Lehmann nicht ganz ohne Stolz, den natürlichen Kreislauf der Natur ganz bewusst für sich zu nutzen. In den alten Bäumen, die noch der Großvater gepflanzt hat, finden sie auch viel Insekten-Futter.

Martina und Karl-Heinz Lehmann lieben ihr Grundstück und den großen Garten in Bornow. "Aber es macht auch alles viel Arbeit", sagt insbesondere seine Frau, die als Buchhalterin arbeitet und die Bewegung in der Natur als Ausgleich empfindet. Es ist das Grundstück ihrer Eltern, das sie mit ihrem Mann beackert. Und es würde sie freuen, wenn eines ihrer drei erwachsenen und ausgezogenen Kinder irgendwann heimkehrt. Aber Ostern kommen sie zu Besuch und die Enkel auch. Dann können sie den Nestbau der Schwalben weiter verfolgen. "Sie sind manchmal so zahm, dass sie bis auf zwei Meter herankommen", erzählt Karl-Heinz Lehmann. Dass sie im Stall viel Dreck machen, stört ihn weniger als seine Frau. "Ich lege überall Pappen aus, die man austauschen kann", hat er eine einfache Lösung gefunden. Karl-Heinz Lehmann passt auch auf, dass seine vier Katzen nicht zu nah an die Schwalben herankommen. "Wenn die Jungen flügge werden, sperre ich die Katzen ein", sagt er und gebietet dem natürlichen Jagdtrieb zumindest für kurze Zeit Einhalt. Zwei seiner Katzen hat der Mitarbeiter der Kreisverwaltung vom damaligen Landrat Manfred Zalenga erhalten. Er wollte die frisch geborenen Kätzchen - ein schwarzes und ein schwarz-weißes - in gute Hände geben. Lehmanns haben aber nicht nur die Tiere übernommen, auch ihre Namen: Black und Decker. "Sie bringen mich morgens zur Garage und holen mich abends wieder ab", erzählt Karl-Heinz Lehmann lachend über seine treuen Freunde.

"Wo die Schwalben sind, da ist das Glück zu Hause", zitiert der 60-Jährige ein altes Sprichwort. Bei ihm passt es: Er und seine Frau sind zufriedene, glückliche Menschen. Beide sind sehr bodenständig und naturverbunden. "Urlaub auf Mallorca brauchen wir nicht. Uns reicht unser Zuhause und ab und zu die Ostsee", sagt Lehmann.

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