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Reverenz an altes Handwerk

Zuschlagen bitte: Ausstellungs-Macher Martin Hensel, Marlow (6), Heinrich Rindfleisch Maria Schüler und Stefan Bruchmüller (v.r.) in der einstigen Schmiede.
Zuschlagen bitte: Ausstellungs-Macher Martin Hensel, Marlow (6), Heinrich Rindfleisch Maria Schüler und Stefan Bruchmüller (v.r.) in der einstigen Schmiede. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 17.04.2017, 19:07 Uhr
Groß Neuendorf (MOZ) Altes Handwerk wird mit einer Dreier-Ausstellung in der Pension "Zur Schmiede" in Groß Neuendorf seit Ostersonntag wieder lebendig. Besucher erfahren Interessantes über den letzten Schmied, den letzten Korbmacher und den letzten Schuhmacher des Dorfes.

Heinrich Rindfleisch weiß ganz genau, wo was in der alten Schmiede steht. Auch wenn er fast schon blind ist, so kennt er sich doch aus im einstigen Reich seines Vaters Gerhard. Der war der letzte Schmied im Dorf - in fünfter Generation. Sohn Heinrich setzte die Familientradition zwar nicht fort, doch die Werkstatt des Vaters ist ihm bis heute vertraut. Er erklärt die Gerätschaften, die zum Beispiel für den Hufbeschlag nötig waren. Dass der Vater die Hufbeschlagprüfung ablegte, habe ihm im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet, erzählt er. Denn Gerhard Rindfleisch war dafür zuständig, dass die Pferde der Sanitätskompanie immer gut zu Fuß waren.

Schon 2006 hatte die Familie die alte Schmiede entrümpelt. Die Gäste der Pension "Zur Schmiede" konnten stets einen Blick hinein werfen, ansonsten war es etwas ruhig geworden. Bis Schwiegersohn Michael Hensel daran ging, die Geschichte noch einmal professionell aufzuarbeiten und die Schmiede mit ihren vielen Originalstücken erlebbar zu machen. Und nicht nur das.

Schwiegermutter Karin Rindfleisch hatte einst von Hanni Zimmermann, der Tochter des letzten Schuhmachermeisters Arthur Mickley, das gesamte Inventar der Werkstatt erhalten. Für mehr als zehn Jahre war es in einem Fachwerkhaus hinter dem Deich zu sehen. Dann musste die Dauerleihgaben weichen, lagerten in einer Halle. Michael Hensel entstaubte sie nicht nur, sondern gestaltete in einem separaten Raum - dem ehemaligen Hühnerstall seiner Schwiegereltern - eine Ausstellung. Der Besucher kann auf engsten Raum die Entstehung eines Schuhs nachvollziehen. Auf Texttafeln sind Geräte beschrieben, gibt es Informationen zum Handwerk.

Gleich nebenan erlebt das im Ort einst sehr verbreitete Korbmacherhandwerk eine Renaisscance. Auf großmaserigen Spanplatten sind auch dort in gleicher Art Stationen, Gerätschaften und Abläufe skizziert. Werner Raabe ist ganz gerührt. Die Ausstellung ist seinem Bruder Kurt Raabe gewidmet. Bis zu seinem Tod 2015 hat der mit 89 Jahren noch Körbe geflochten. Auch Werner Raabe erlernte einst in dritter Familien-Generation dieses Handwerk. Er kann den Besuchern viel erzählen. Etwa von den Weiden-Schälwochen, bei denen sich die halbe Familie und Helfer auf einem Platz im Dorf versammelten und die Weiden schälten, die dann verarbeitet wurden.

Die 13-jährige Pia Charlotte Hensel hat zur Ausstellungseröffnung eine Geschichte geschrieben vom Osterhasen, dessen Korb beim Eierverstecken kaputt geht und der bei den drei Handwerkern Hilfe bekommt. Und Ostereier gibt es denn auch noch beim Hoffest. Marianne Noack zeigt im Wintergarten die traditionelle sorbische Wachsmaltechnik. Die wunderschönen farbigen Eier - gut eine Stunden braucht Marianne Noack für eins - reihen sich ein in den Anspruch der Schauen. "Es geht um Nachhaltigkeit, um das Schätzen von handwerklicher Arbeit und das Bewahren örtlicher Geschichte", sagt Michael Hensel.

Der in Lübbenau Lebende erntet viel Lob an diesem Tag für seine private Initiative. Und verspricht, dass es künftig einmal im Monat Öffnungszeiten gibt, er vor Ort sein wird und dass er weitere Projekte vorbereitet. In der Zwischenzeit können Interessierte bei Karin Rindfleisch anfragen. Sie dankt zur Eröffnung der neuen Schauen der Gemeinde und der Arbeitsinitiative für die Unterstützung.

Handwerkerausstellungen auf dem Hof der Pension "Zur Schmiede", Groß Neuendorf, Poststraße 8, Kontakt: Karin Rindfleisch, Tel. 033478 222

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