Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stätte der Erinnerung als echte Gemeinschaftsarbeit

Andacht: Beim Gottesdienst in der Kienitzer Kirche hat Pfarrer Frank Schneider das neue Urnengräberfeld für eröffnet erklärt.
Andacht: Beim Gottesdienst in der Kienitzer Kirche hat Pfarrer Frank Schneider das neue Urnengräberfeld für eröffnet erklärt. © Foto: MOZ/Bernd Röseler
Bernd Röseler / 19.04.2017, 06:23 Uhr
Kienitz (MOZ) "Christus spricht: Meinen Frieden gebe ich Euch". Dieses Bibelwort steht in glänzenden Lettern auf der Stele, die das neue Urnengräberfeld auf dem evangelischen Friedhof in Kienitz markiert. Am Ostermontag ist es mit einem Gottesdienst in der Kienitzer Dorfkirche offiziell eröffnet worden. Eigentlich sollte die Andacht direkt neben dieser Ruhestätte auf dem Friedhof stattfinden. Doch die polaren Temperaturen ließen die Anwesenden denn doch in die Kirche ausweichen.

Frieden war auch eines der zentralen Themen in der Predigt von Pfarrer Frank Schneider. Er erinnerte an die vielen großen und kleinen Konflikte, die die Menschen austragen und mahnte, dass trotz dieser Konflikte der Bibelsatz "Friede sei mit dir" gelte. In eindringlichen Worten spannte er den Bogen von den großen Problemen der Menschheit hin zu dem kleinen Urnengräberfeld, das es jetzt auf dem Kienitzer Friedhof gibt. Ein Gräberfeld, das von einer Stele begrenzt wird, die bereits Rost angesetzt hat. Man habe bewusst eine rostige Stele gewählt, sagte der Pfarrer. "Das soll an unsere Vergänglichkeit erinnern", erklärte Frank Schneider. Und auch daran, dass nicht immer alles glänzend gewesen sei im Leben. Glänzen werden hingegen die Namen der Verstorbenen, die dort ihre letzte Ruhe finden. Die Edelmetalltafeln, auf denen sie eingraviert werden, werden auch in vielen Jahren noch im Sonnenlicht aufleuchten und an die Menschen erinnern, die dort beigesetzt worden sind.

Das neue Urnengräberfeld ist - und auch daran wurde während des Gottesdienstes am Ostermontag erinnert - in echter Gemeinschaftsarbeit entstanden. In jahrelanger und oft schwerer Arbeit. Insgesamt drei Jahre hat es gedauert. Neben der Stele mit ihren 160 Namenstafeln stehen zwei Bänke zum Ausruhen und Gedenken an die Verstorbenen. Erst wenige Tage zuvor hatten Ulrich Senf und Manfred Wercham sie zusammengebaut, während Frauen aus dem Ort auf dem Platz Rosen und Sternmagnolien pflanzten. Der Kienitzer Ortsvorsteher Roland Grund hatte den Einsatz auf dem Friedhof mit schwerer Technik unterstützt, um alte Fundamente und Grabeinfassungen zu entfernen.

Pfarrer Frank Schneider dankte allen, die mitgewirkt haben. "Es waren Christen und Nichtchristen, die gerodet, geackert und gebuddelt haben", sagte der Pfarrer. Sie alle hätten ein Stück echter Gemeinschaftsarbeit vollbracht. Überhaupt sei die Kultur der Gemeinsamkeit eine der besten Traditionen, die das Leben im Oderbruch hervorgebracht habe.

Hergerichtet worden ist in den vergangenen Wochen nicht nur das neue Urnengräberfeld. Der gesamte Friedhof erstrahlt derzeit in frischem, jungem Frühlingsglanz. Die Rasenflächen zeigen sich in sattem Grün, zahlreiche bunte Frühlingsblumen leuchten von den Gräbern.Totes Holz, Reisig, vertrocknete Blätter und andere Hinterlassenschaften des Winters sind beseitigt worden.

Trotz vieler Worte des Lobes, die zu dem Friedhof mit seinem neuen Urnengräberfeld gefunden wurden, gab es auch Kritik. Diese richtete sich vor allem an jene, die ihren Plastikmüll auf dem Kompost entsorgen. "Hier kommen Dinge zusammen, die nicht zusammengehören", sagte der Pfarrer. Vergängliches und Unvergängliches. Plastikmüll sei etwas, das nicht auf den Kompost gehöre. Das sollten all jene beherzigen, die Schleifen, Blumentöpfe und anderen Müll mehr oder weniger gedankenlos dort entsorgten.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG