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Das Rezept für eine gute Ehe

Trauung vor über 60 Jahren: Die helleren Steine zeigen, wo einst der Altar stand, an dem sich Hannelore und Werner Höde das Jawort gaben. Er wollte nicht fotografiert werden.
Trauung vor über 60 Jahren: Die helleren Steine zeigen, wo einst der Altar stand, an dem sich Hannelore und Werner Höde das Jawort gaben. Er wollte nicht fotografiert werden. © Foto: MOZ/Lisa Mahlke
Lisa Mahlke / 22.04.2017, 06:24 Uhr
Cöthen (MOZ) Vor über 60 Jahren heirateten Hannelore und Werner Höde in der Cöthener Kirche - die letzte Hochzeit, bevor diese jahrelang zum Lager verkam. Über Probleme sprechen, ist laut Hannelore Höde wichtig in einer Beziehung.

An eine Szene erinnert sich Hannelore Höde jedes Mal, wenn sie an ihre Hochzeit 1956 zurückdenkt. Schon damals wohnte sie in dem Haus schräg gegenüber der Cöthener Kirche. "Wir gingen zu Fuß zur Kirche. Ich trug ein weißes Kleid, guckte nochmal an mir runter - und hatte schwarze Schuhe an", erzählt sie. Eine Cousine reichte ihr dann die richtigen, weißen Schuhe über den Zaun, die sie draußen anzog. "Alle haben gesagt, das würde Unglück bringen", erinnert sie sich. Und doch sind sie und ihr Mann Werner seit fast 61 Jahren verheiratet.

Was das Rezept einer so langen Ehe ist? "Ich bin mir nicht sicher, aber denke, dass man nicht böse schlafen gehen sollte", überlegt Hannelore Höde und meint damit, Probleme auszudiskutieren. Sie findet, dass Paare sich heutzutage zu schnell trennen. "Beide müssen zurückstecken und die Anfangsprobleme überwinden." Dann seien sie irgendwann ein eingespieltes Team. "Man kann ja nicht immer die gleiche Meinung haben. Aber meistens ist die der Frau doch richtig", sagt sie und lacht herzhaft. "Wir waren immer ehrlich zueinander, das muss ich sagen."

Die 81-Jährige sitzt in dem Haus in Cöthen, in dem sie geboren wurde, in dem die Hochzeitsfeier stattfand und in dem sie auch heute noch mit ihrem Werner lebt. Auf dem Tisch liegt ein Fotoalbum mit Bildern von der Hochzeit. Um die 40 Gäste sind auf einem der Fotos zu sehen. "Ich weiß noch, dass wir geschlachtet hatten für die Feier", erzählt sie. Es gab Rind- und Schweinefleisch. "Der Cousin meiner Mutter war Fleischer. Und es gab Gemüse: Blumenkohl und Spargel."

Hannelore und Werner Höde hatten sich kennengelernt, weil eine Cousine ihrer Mutter mit seinem Bruder verheiratet war. "Werner war schon als Gast auf meiner Konfirmation. Aber ehe es Liebe wurde, hat es eine Weile gedauert", sagt Hannelore Höde. Sie glaubt sich zu erinnern, dass es 1955 mit den beiden "ernst wurde".

"Sie war die letzte, die in der Cöthener Kirche geheiratet hat", sagt Marlies Sydow, Vorsitzende des Fördervereins Cöthener Kirche, über Hannelore Höde. Diese kann das gar nicht so recht glauben. "1958 ist unsere Tochter geboren. Sie wurde noch in der Kirche getauft." Doch auch ihr fällt kein Paar ein, das sich in dem Cöthener Gotteshaus nach ihr und ihrem Mann das Jawort gegeben haben könnte.

Am 30. Juni 1956 war die Kirche grau-blau, hatte noch eine Orgel und einen Altar und die Ornamente sahen vollkommen anders aus. Daran erinnert sich Hannelore Höde. "Es war feierlich. Der Pfarrer war nicht der Falkenberger, er konnte damals nicht. Der uns traute, kam aus Hohenfinow, das weiß ich noch."

50 Jahre später sah die Kirche nicht mehr so feierlich aus, denn sie wurde jahrelang nur als Lager genutzt, die Gottesdienste fanden im alten Pfarrhaus statt. "Die Kirche war dreckig und staubig. Deshalb haben wir unsere Goldenen Hochzeit zu Hause gefeiert", erzählt Hannelore Höde, die in den 90er-Jahren zusammen mit ihrer Bekannten Edith Schulz neue Bänke für die Kirche kaufte. Der Förderverein weihte die Kirche im Jahr 2013 wieder ein. Die Hödes hatten für ihr 60. Ehejubiläum im vergangenen Jahr aber andere Pläne. "Zur Diamantenen Hochzeit sind wir weggefahren", erzählt Hannelore Höde.

"Nach so vielen Jahren braucht man gar nichts mehr sagen. Jeder weiß, was der andere denkt und vorhat", sagt die Cöthenerin. Sie kocht ihrem Mann, der aus Falkenberg kommt und heute 89 Jahre alt ist, immer noch jeden Tag Mittag. "Er hat noch nicht einmal gemeckert über das Essen", sagt sie schmunzelnd.

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