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Gefälschte Post im Rathaus

Neue Diskussion um Jamikow: Der Ort ist Bestandteil der Gemeinde Passow. Ein kleines Schild am Ortseingang soll die Zugehörigkeit zum Amt Oder-Welse anzeigen.
Neue Diskussion um Jamikow: Der Ort ist Bestandteil der Gemeinde Passow. Ein kleines Schild am Ortseingang soll die Zugehörigkeit zum Amt Oder-Welse anzeigen. © Foto: Stefan Csevi
Oliver Schwers / 24.04.2017, 06:44 Uhr
Jamikow/Schwedt (MOZ) Schöneberg will raus aus dem Amt Oder-Welse. Verhandlungen zur Eingemeindung nach Schwedt laufen. Doch bleibt es dabei? Plötzlich kursieren Gerüchte über einen weiteren Übertrittskandidaten. Es geht um den Passower Ortsteil Jamikow.

Mit großen Augen schaut Jürgen Polzehl auf das Schreiben. Der Schwedter Bürgermeister ist sichtlich verblüfft. In dem Brief steht, dass der Jamikower Ortsvorsteher Jörg Gerber im Namen vieler Bürger seiner Gemeinde "inständigst" darum bittet, in die Stadt Schwedt aufgenommen zu werden - ähnlich wie Schöneberg.

Polzehl greift zum Telefon und fragt bei Jörg Gerber nach. Doch nun ist es an dem zu staunen. Denn er hat das Schreiben weder geschickt noch kennt er dessen Inhalt. Es gibt auch keine Unterschrift. Woher kommt diese Überraschung? "Ich habe keine Ahnung", sagt Jörg Gerber. Er lässt sich den Brief, den zeitgleich auch die Märkische Oderzeitung als Leserpost bekommt, vom Schwedter Bürgermeister zusenden.

Von einer möglichen Eingemeindung will Gerber nichts wissen. "Ich fühle mich eigentlich gut aufgehoben im Amt Oder-Welse. Wir hatten 2012 Gespräche geführt. Damals gab es keine weiteren Ambitionen. Und das ist der Stand bis heute."

Das bestätigt auch der Schwedter Bürgermeister. "Ich war erst etwas perplex", so Jürgen Polzehl. "Denn ein nicht selbstständiger Ortsteil kann nicht so ohne Weiteres aus einer Gemeinde wechseln. Das ist bekannt." Er habe daher auch gar nicht mit einem solchen Ansinnen des Passower Ortsteils gerechnet.

Ganz anders stellt sich die Sache im Fall Schöneberg dar. Hier deutet sich an, dass die gesamte selbstständige Gemeinde nach langen Querelen mit dem Amt Oder-Welse zur Stadt Schwedt wechseln könnte. Hintergrund sind auch finanzielle Gründe und ausbleibende Investitionen aufgrund der notorischen Haushaltspleite. "Schöneberg hat gute Karten", versichert Polzehl nach einer Rücksprache mit dem brandenburgischen Innenministerium. Denn der Kreisneugliederung soll ja auch die Amtsreform folgen. Die dann geforderten Einwohnerzahlen für eine selbstständige Verwaltung schafft das Amt Oder-Welse ohnehin nicht.

Der einst große Amtsbereich ist seit 1998 immer kleiner geworden. Kummerow, Criewen, Zützen, Stendell, Zichow, Golm und Fredersdorf wechselten zur Stadt Schwedt beziehungsweise ins Amt Gramzow. "Wir treten im Fall von Schöneberg in einen offenen Dialog mit den Bürgern", so Polzehl. "Wir machen nichts von oben. Ich erkläre den Bürgern, dass es einen Neuanfang geben wird und dass auch die Schulden im großen Haushalt der Stadt aufgehen. Über alles andere können wir reden."

Am 8. Mai soll es ein erstes Spitzentreffen zwischen Jürgen Polzehl und Oder-Welse-Amtsdirektor Detlef Krause geben.

Unklar bleibt, aus welcher Richtung der anonyme Brief kommt. Eine Anzeige wollte die Polizei nicht entgegen nehmen, weil das Dokument nicht unterzeichnet ist.

Öffentliche Einwohnerversammlungen zur Eingemeindung von Schöneberg nach Schwedt: 25. April, 18 Uhr, Saal des Kulturhauses Schöneberg; 27. April, 18 Uhr, Saal im Schloss Felchow; 2. Mai, 18 Uhr, Feuerwehr Flemsdorf. Vertreter der Stadt Schwedt beantworten Fragen der Bürger.

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