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Amateurfunker treffen sich im Mutzer Bismarckturm

Internationale Kontakte: Bis hinter den Ural wurde beim "Field Day" im Bismarckturm gefunkt. Insgesamt 39 Kontakte kamen zustande.
Internationale Kontakte: Bis hinter den Ural wurde beim "Field Day" im Bismarckturm gefunkt. Insgesamt 39 Kontakte kamen zustande. © Foto: Ingmar Höfgen
Ingmar Höfgen / 24.04.2017, 12:30 Uhr
Klein-Mutz/Zehdenick (GZ) Im vergangenen Jahr feierte die Stadt Zehdenick 800 Jahre urkundliche Ersterwähnung. Die Amateurfunker aus der Region tragen diese Kunde bis Ende dieses Monats weiterhin in die Welt. Am Sonnabend trafen sie sich im Klein-Mutzer Bismarckturm.

"Delta Lima Eight Zero Zero Zulu Echo Hotel". Kurt Bartsch spricht die Kombination in ein Funkgerät und wartet auf eine Antwort. Knarren, knattern. Er versucht es wieder. Und er ist nicht allein. Der kleine Raum im Klein-Mutzer Bismarckturm ist voller technischen Equipments, genutzt von Leuten, die Kontakt aufbauen wollen. Vor und auf dem Turm stehen Antennen.

Wer sich am Sonnabend am Klein-Mutzer Bismarckturm einfand, der war aber nicht in eine geheime Nato-Übung geraten. Die Benutzung der militärischen Buchstabiertafel anstelle des deutschen Gegenstücks ("Anton, Berta, Cäsar...") gehört auch für die Zehdenicker Amateurfunker zum unabdingbaren Wissen, um sich in der Welt verständlich zu machen.

"DL800ZEH", so sieht das von Kurt Bartsch englisch Ausgesprochene aus, dürfte den Einheimischen dagegen sofort bekannt vorkommen. 800 Jahre Zehdenick - das war ja gerade erst. Die 13 Amateurfunker, die zum Ortsverband Uckermark des deutschen Amateur-Radio-Clubs gehören, hatten aus diesem Anlass dieses Sonder-Rufzeichen beantragt und in die Welt gesendet, wo es potenziell zwei Millionen Amateurfunker empfangen und beantworten können. Nach fast einem Jahr zogen sie am Sonnabend Bilanz. Und die ist beeindruckend: Immer wieder suchten die Amaterfunker per Sprechfunk oder auch per Morse

in ihrer Freizeit den Kontakt in die Welt. Genau 5376 Mal wurden bis zum Sonnabend die Rufe von allen fünf Kontinenten beantwortet. Insgesamt antworteten 108 Länder, darunter alle großen. Fast könnte man meinen, jede von den Vereinten Nationen (UN) anerkannten 193 Nationen hätte von Zehdenicks Tradition erfahren; allerdings ist die Welt der Amateurfunker um vieles größer, sogar um einiges größer als die olympische Sportgemeinschaft, die 2016 in Rio de Janeiro 206 Nationen starten ließ. Bei den Amateurfunkern sind 341 Länder registriert, darunter auch viele Inseln und Überseegebiete, die im Rahmen von Entdeckung und Eroberung heute zu anderen Nationen gehören. So liest sich das Logbuch, das Bernd Maronde geführt hat, wesentlich bunter als die übliche Weltkarte. Neben den Vereinigten Staaten, Neuseeland und Kanada könnten auch der Oman und das französische Überseedepartment Martinique vielen etwas sagen. Aber Rodriguez Island (gehört zu Mauritius im Indischen Ozean) oder das Market Reef (eine Insel zwischen Finnland und Schweden mit geteilter Souveränität) - das ist wohl Kennern und Amateurfunkern vorbehalten. Zu manchen unbesiedelten Gebieten sind gar Funker-Expeditionen aufgebrochen, um zu antworten. Auch eine russische Station in der Antarktis wurde erreicht. Oft blieb es nicht beim Funkkontakt: Zahlreiche Postkarten, die weltweit verschickt werden, bescheinigen die Kontakte, versehen mit Datum, Art und einer Bewertung der Audio-Qualität. Auch die Zehdenicker haben neben ihrem Rufzeichen fleißig Karten verschickt - mehr als 5000 Mal.

Die große Reichweite zeigt aber auch die vielen Möglichkeiten des Funks, der sich je nach aktueller Beschaffenheit der verschiedenen die Erde umspannenden Sphären tatsächlich bis an das andere Ende der Erdkugel, nach Australien und Neuseeland, vordringen kann. Für den Sonnabendvormittag erwarteten die Zehdenicker Amateurfunker im Vorfeld nicht viel: Die entsprechenden Erdschichten seien noch nicht aufgeheizt genug, weiter als bis nach Europa werde man kaum kommen, spekulierten die Experten. Am Ende des Sonnabends standen 39Kontakte, einer davon bis hinter den Ural, die Kontinentalgrenze. Auf die 108 Länder ist man aber auch aus einem anderen Grund zu recht stolz. Die Sonneneruption verläuft ebenfalls in Zyklen, derzeit ist aus Funker-Zeit die ungewünschte emissionsärmere Zeit. In sechs Jahren, da könnte man auch mit kleinerer Leistung wieder ans andere Ende der Welt kommen, hofft Bernd Maronde.

Kontakt: Der Amateur-Radio-Club e.V., Ortsverband Uckermark, ist unter 03307 313862 und per E-Mail unter d05jwa@darc.de zu erreichen. Ansprechpartner ist der Vorsitzende des Ortsverbandes, Jan Wittke aus Zehdenick.

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