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Fast 100 Betroffene aus der Seelower Region bei Treffen in Dolgelin / Koordiniertes Vorgehen beschlossen

Windradgegner wollen Plan kippen

Dicht gedrängt: Mit einer solchen Resonanz hatten die Organisatoren des Treffens der Windparkgegner aus der Seelower Region kaum gerechnet. Zum Austausch am Sonntag im Dolgeliner Gemeindehaus reichten die Stühle nicht.
Dicht gedrängt: Mit einer solchen Resonanz hatten die Organisatoren des Treffens der Windparkgegner aus der Seelower Region kaum gerechnet. Zum Austausch am Sonntag im Dolgeliner Gemeindehaus reichten die Stühle nicht. © Foto: Matthias Lubisch
Ines Weber-Rath / 24.04.2017, 19:47 Uhr - Aktualisiert 25.04.2017, 08:14
Dolgelin (MOZ) In ihrer Verzweiflung rücken die Gegner weiterer Windkraftanlagen um die Dörfer zusammen. Ihr Protest richtet sich an die Bundes- und Landespolitik, die das dünn besiedelte Oderland mit Anlagen "zupflastern" lässt. Auf einem Treffen in Dolgelin wurde das Ziel formuliert, den Teilregionalplan zu kippen.

Im Dolgeliner Gemeindehaus haben knapp 100 Windkraftgegner ihren Protest koordiniert. Sie wollen den Teilregionalplan Windenergienutzung kippen.
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Treffen der Windkraftgegner der Seelower Region

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"Das hier ist ein Bürgertreffen und keine Hetzveranstaltung", stellt Matthias Nagler zur Eröffnung klar. Wohl auch mit Blick auf Befindlichkeiten, die die unbedachte Verwendung des Begriffs "Wutbürger" im Vorfeld betrafen. Den Organisatoren gehe es darum, die Betroffenen wachzurütteln und den "Irrsinn" in Sachen Windparkplanung zu stoppen, erklärt der Dolgeliner.

Die fast 100 Leute, die aus ganz Lindendorf, aus den Ortsteilen des benachbarten Vierlinden, aus Carzig, Mallnow, Podelzig und aus anderen Orten der Seelower Region gekommen sind, wollen genau das. "Bundes- und Landesregierung: schafft Gesetze für die Menschen!" So sind Plakate überschrieben, die im Saal des Dolgeliner Gemeindehauses ebenso ausliegen wie Unterschriftenlisten. Denn letztere seien jetzt wieder zulässig, informiert Matthias Nagler.

Er fasst zunächst aus seiner Sicht zusammen, was der neue Entwurf des Teilregionalplanes Windenergienutzung bringen soll: Zum Beispiel bis zu 200 Meter hohe Anlagen. Als der Dolgeliner von seinem vergeblichen Kampf gegen die ersten Windmühlen vor seinem Haus und der Tatsache spricht, dass die Landesregierung mitten im Klageverfahren 2004 das entsprechende Gesetz zugunsten der Investoren geändert hat, schallt das Wort "Mafia" durch den Raum.

Andere Dolgeliner berichten von den Problemen mit dem Infraschall, der "nicht hörbar, aber zu fühlen" ist, wie Naglers Vater berichtet, der nach dem Mühlenbau wochenlang nicht schlafen konnte. Und nun sollen auf der anderen Seite des Dorfes weitere Anlagen gebaut werden. Das wollen die Dolgeliner und Friedersdorfer ebenso verhindern wie die Carziger die Umzingelung ihres Dorfes mit Anlagen, die deutlich höher als der Kölner Dom sein würden. Ein Mallnower verweist auf das repowerte Windrad an der B 167 vor seiner Haustür, das einen Eindruck vermittle, "was da auf uns zu kommt".

Rankt sich die Diskussion anfangs noch um Details, wie die nicht berücksichtigte Planung für die Ortsumfahrung der B167 zwischen Dolgelin und Libbenichen oder fehlerhafte Umweltgutachten, die als Argumente bei Widersprüchen gegen die Regionalplanung dienen könnten, so wird es bald schon grundsätzlicher. Spätestens, nachdem sich Frank Fries zu Wort gemeldet hat.

Der Alt Zeschdorfer hatte einst die Argumente gegen die geplante Umzingelung seines Dorfes mit "Mühlen" gesammelt. Die Zeschdorfer hatten Erfolg. Fries berichtet vom Auftritt der Bürgerinitiative in der Regionalversammlung, die die Kriterien für den Windradbau festgelegt hat. Das Umzingelungsverbot sei zunächst mit einem 5-km-Radius beschlossen und später, als keine Bürger anwesend waren, auf 2,5 km reduziert worden, sagt der Gemeindevertreter und schockiert, als er erklärt: "Sie sind zu spät hier!"

Mit den jetzigen Kriterien sei der Regionalplan-Entwurf nicht zu stoppen. "Unsere einzige Chance ist, einen neuen Entwurf zu erzwingen", meint Frank Fries. Die Landesregierung habe jederzeit die Macht, die Vorgaben zu ändern. Der Zeschdorfer empfiehlt, durch möglichst viele Widersprüche Zeit zu schinden - vielleicht bis zur nächsten Wahl.

Nachdem Matthias Nagler auf das Ende März vom Bundesrat gebilligte Klagerecht gegen Vorhaben im Außenbereich verwiesen und der Neuentempeler Alexander Höft-Schulz angeregt hat, gemeinsam juristische Hilfe zu suchen, tritt Stefan Hellert ans Mikrofon. Der Sprecher der Carziger Bürgerinitiative gegen den Windradbau dankt Matthias Nagler für die Initiative zum Treffen und erklärt dann: "Wir wollen nicht zur Verfügungsmasse von Investoren werden!" Hellert bittet um ein koordiniertes Vorgehen und verweist auf Muster-Widersprüche auf der Internetseite www.carzig.net.

Viele melden sich noch zu Wort. Medienwirksame Aktionen seien nötig, meinen einige. Eine Frau spricht die Kostenteilung für anwaltliche Hilfe an. Neuentempels Ortsvorsteher Bernd Baier zeigt sich empört darüber, dass die Landesregierung das Oderland als nicht besonders schützenswerte Landschaft betrachtet. Am Ende werden Mailadressen und Telefonnummern ausgetauscht und man geht mit dem guten Gefühl auseinander, gemeinsam vielleicht doch stark sein und etwas erreichen zu können.

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