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Die Welt zu Gast in Brodowin

Peter Krentz erklärt den internationalen Besuchern, wie die Arbeit im Ökodorf Brodowin funktioniert. Übersetzerin Vivi Bentin (r.) sorgt gleichzeitig für die englische Fassung.
Peter Krentz erklärt den internationalen Besuchern, wie die Arbeit im Ökodorf Brodowin funktioniert. Übersetzerin Vivi Bentin (r.) sorgt gleichzeitig für die englische Fassung. © Foto: MOZ/Simon Rayß
Simon Rayß / 26.04.2017, 07:50 Uhr
Brodowin (MOZ) Da haben die Brodowiner Kühe nicht schlecht gestaunt. Eine Gruppe von 50 jungen Frauen und Männern aus allen Ecken der Welt hat ihnen am Dienstag einen Besuch abgestattet. Der Geschäftsführer des Ökodorfs Brodowin Peter Krentz führt die Gäste durch den Betrieb.

Er zeigt ihnen die Ställe, Maschinen, das Saatgut, die Molkerei. "Wir arbeiten nach dem Prinzip: Tu Gutes und sprich darüber", erklärt Krentz. Tatsächlich spricht er ausgiebig, etwa über den Ansatz des Ökodorfs, die Vermarktung und den Umgang mit den Mitarbeitern. Mit den Ideen des Landwirtschaftsbetriebs will der Geschäftsführer die jungen Gäste "infizieren", wie er sagt.

Dafür hat Krentz das richtige Publikum gefunden. Die Besucher sind nämlich Junglandwirte, Gründer, Vertreter von gemeinnützigen Organisationen und Bauernverbänden, alle zwischen 18 und 35 Jahre alt. Eric Klausch zum Beispiel ist 23 und hat im mecklenburgischen Teterow ein Camp gegründet, in dem Kindern Wissen über nachhaltige Entwicklung vermittelt wird. Den Besuch in Brodowin findet er "spannend". Das Ökodorf sei eine Kombination aus Idealismus und funktionierendem Betrieb. "Das ist nicht nur Spinnerei, sondern macht auch Umsatz", sagt er.

Angetan ist auch Paul Zaake. "Ich finde das hier sehr nützlich", sagt der 26-Jährige aus dem ostafrikanischen Uganda. Zaake ist Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation zur Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft und Klima- und Umweltschutz, über die sich die Bewohner seiner Heimat weiterbilden können. In der Geschichte des Ökodorfs erkennt er einen vertrauten Ansatz: "Sie haben die Initiative ergriffen und losgelegt. Wir auch", stellt Zaake fest.

Um einen solchen Austausch geht es beim Besuch in Brodowin. Dabei ist er nur ein kleiner Teil eines größeren Projekts: Im Vorfeld des Treffens der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, der G20, im Juli in Hamburg findet derzeit eine Reihe von Veranstaltungen statt.

So hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in dieser Woche insgesamt 150 junge Menschen in Berlin versammelt, nicht nur aus den G20, sondern auch aus weiteren Ländern wie Bangladesch, Pakistan und etlichen afrikanischen Nationen. "Die Idee ist, viele Seiten miteinander ins Gespräch zu bringen", sagt Janika Walter vom BMZ. Sie tauschen sich aus, lernen voneinander. Häufig gebe es gleiche Probleme, aber andere Lösungen, erläutert sie.

Das Ganze nennt sich "Rural Future Lab" - also ein "Labor", in dem es um die Zukunft des ländlichen Raumes geht. Darum zum Beispiel, wie auf dem Land genügend Jobs entstehen können und wie die gesamte Weltbevölkerung satt wird, ohne die Natur dabei vollständig zu zerstören.

Die Teilnehmer bleiben für das Projekt nicht nur in Berlin, sondern fahren auch nach Brandenburg. Aufgeteilt auf drei Gruppen erkunden sie Potsdam-Mittelmark, das Havelland und 50 von ihnen eben auch den Barnim und anschließend die Uckermark.

Bestandteil dieser Tour ist der Besuch im Ökodorf Brodowin. "Wir sind überzeugt, dass die Erfahrungen in Brandenburg wichtige Impulse für die Entwicklung der ländlichen Räume weltweit, aber vor allem in Afrika geben können", erklärt Katharina Grewe von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die ebenfalls an der Organisation beteiligt ist.

Die Ergebnisse ihres Austausches bringt die Gruppe am Donnerstag und Freitag bei einer groß angelegten Konferenz in Berlin ein. Ihr klangvoller Name: "EINEWELT ohne Hunger ist möglich. Die Zukunft des ländlichen Raums". Vielleicht trägt Brodowin auf diesem Weg auch ein wenig zu dieser Vision bei.

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