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Lanker schützen ihr Kriegerdenkmal

Dieter Pohl spricht über die Erfahrungen alter Lanker und die Geschichte des Denkmals.
Dieter Pohl spricht über die Erfahrungen alter Lanker und die Geschichte des Denkmals. © Foto: MOZ/Hans Still
Hans Still / 26.04.2017, 07:50 Uhr
Lanke (MOZ) Lanker Bürger sprechen sich vehement gegen die Idee aus, das Kriegerdenkmal innerhalb des Ortes zu versetzen. Das teilten knapp 30 Einwohner ihrem Ortsvorsteher Christian Schmidt am Montagabend persönlich mit.

Seit Monaten kreist das Thema durch den Ort, nunmehr folgt speziell zu diesem Anliegen eine persönlichen Aussprache mit den Bürgern. Wie erwartet, füllte sich der Wintergarten im Hotel Seeschloss deutlich besser, als es sonst bei Sitzungen des Ortsbeirates üblich ist. Auffällig allerdings erscheint die große Distanz zwischen den zumeist älteren Einwohnern und dem Ortsbeirat. Sylvia Rath und Ortsvorsteher Christian Schmidt nehmen traditionell an ihrem Tisch in einer Ecke des Wintergartens Platz. Viele Bürger sitzen diagonal oder direkt gegenüber auf der anderen Seite des Raumes.

Uwe Venzke ergreift in der Fragestunde der Ortsbeiratssitzung als erster Bürger das Wort. "Ich denke, ich spreche im Namen aller Lanker, wenn ich hier sage, wir sind gegen eine Umsetzung des Denkmals", eröffnet er bewegt, aber sachlich die Diskussion. Schmidt reagiert mit einem längeren Vortrag. Schon vor zwei Jahren habe er beispielsweise im Amtsblatt auf bevorstehende Planungen zum Baggerberg und zum Schlossvorplatz hingewiesen, erklärt er. Und schließlich hätten sich Planer mit der Situation vor Ort befasst und dabei sei eben aufgefallen, "dass das Denkmal nicht sehr attraktiv ist und etwas überhöht erscheint". Dem folgte später der Vorschlag, "den Hauptstein zu verkleinern, sodass dieser sich in das zu schaffende neue Areal besser einfügen kann. "Der Vorschlag zum Versetzen des Denkmals ist aus einem Prozess heraus entstanden", erklärt Schmidt, als er über die Vorstellung diverser Ideen der Planer im November 2016 spricht. "Die Sitzung des Ortsbeirates war angekündigt und auch im Internet nachlesbar. Ich hätte mir gewünscht, es wären mehr Bürger dagewesen", teilt Schmidt seinen Zuhörern mit.

Die Bürger lassen sich nicht beirren. Dieter Pohl, er kam 1936 zur Welt, berichtet aus der Geschichte seiner Familie. "Wer damals in den Krieg gezogen ist, ging nicht als Faschist, sie mussten gehen", erinnert er an seinen Vater. Wäre dieser nicht dem Ruf zum Militär gefolgt, hätte er wie viele andere sein Leben lassen müssen. "Ich hänge hier, weil ich zu feige war", erinnert Pohl an Szenen der Vergangenheit, als damals sogenannte Drückeberger gehängt wurden. Überall in den Städten habe es diese Bilder gegeben, ergänzt er und spricht Schmidt direkt an. "Für die Lanker stehen dort die Namen gefallener Väter und Großväter. Und das wollen Sie versetzen? Wie würde es Ihnen gefallen, wenn plötzlich ihr Haus nach Russland versetzt werden soll", fragt er und bekommt Beifall.

Pohl und später auch Rita Wiedenhöft schlagen vielmehr vor, das vorhandene Denkmal zu erweitern. "Wir sollten auch die Namen der Gefallenen im Zweiten Weltkrieg aufnehmen, auch das gehört zur Lanker Geschichte", erklärt Rita Wiedenhöft. Und Uwe Venzke ergänzt: "Das ist nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein Mahnmal. Es mahnt, dass Krieg keine gute Sache ist!"

An dieser Stelle schaltet sich Sylvia Rath vom Ortsbeirat in die Debatte ein. Jeder dürfe und solle seine Meinung sagen, bekräftigt sie. Und obendrein sei es "nun schön, dass wir diese Diskussion haben. Aber darüber hätte auch im November diskutiert werden können".

Schmidt nimmt ebenfalls die Meinungsfreiheit in Anspruch. "Wie ich darüber denke, habe ich ja im Wandlitzer Amtsblatt geschrieben. Darüber müssen wir jetzt auch nicht darüber diskutieren", macht er klar. Dort hatte er sich festgelegt: "Zur damaligen Zeit dienten diese Denkmäler nicht nur dem Gedenken, sondern auch einem überhöhten Nationalismus. Diese Art von Nationalismus sollten wir in einem politisch vereinten Europa begegnen."

Als die Bürger nach dem weiteren Werdegang fragen, lehnen sich Sylvia Rath und Christian Schmidt leicht zurück. "Wir sind hier nur der Ortsbeirat. Wir nehmen die Meinungen im Protokoll auf, und reichen sie an die Verwaltung weiter. Entscheidungen fallen aber in der Gemeindevertretung. Darauf haben wir keinen Einfluss, es ist ja nicht einmal ein Lanker dabei", erklärt Schmidt den Einwohnern. Widerspruch lässt nicht lange auf sich warten. Mit Arno Gielsdorf meldet sich ein Klandorfer Bürger zu Wort. "Dieses Denkmal ist älter als der Ortsvorsteher. Macht euch stark und fordert, dass der Ortsvorsteher die Meinungen der Lanker vertritt. Es ist falsch, wenn hier gesagt wird, der Ortsvorsteher kann das nur weiterleiten", wendet sich Gielsdorf direkt an die Lanker. Und Dieter Pohl legt nochmals nach: "In Wilmersdorf, Schönfeld oder auch in Beiersdorf stehen überall Denkmäler. Niemand kommt dort auf derartige Ideen."

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