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Investoren schließen Nulllösung aus

Zahlreiche Bürger bekundeten während der Podiumsdiskussion ihre Ablehnung zu weiteren Windenergieanlagen auf Ketziner Territorium.
Zahlreiche Bürger bekundeten während der Podiumsdiskussion ihre Ablehnung zu weiteren Windenergieanlagen auf Ketziner Territorium. © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 26.04.2017, 21:11 Uhr
Falkenrehde (MOZ) Der Widerstand gegen weitere und höhere Windenergieanlagen (WEA) in der Ketziner Gemarkung wächst weiter. Das wurde während der Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative (BI) "Gegenwind Ketzin" am Dienstag deutlich.

Ausgangspunkt ist die Situation, dass bereits 47 WEA installiert wurden und nach dem auch für Ketzin/Havel verbindlichen Beschluss des neuen Regionalplanes Havelland-Fläming 2020 die Grenzen des Windeignungsgebietes verändert wurden. Das heißt, dass zwar einige Flächen für die Bebauung mit weiteren Anlagen herausgenommen wurden, bestehende WEA haben dabei Bestandsschutz, allerdings auch neue Gebiete für eine Bebauung mit WEA ausgewiesen wurden. Dementsprechend haben drei Investoren Anträge auf bis zu 220 Meter hohe Anlagen gestellt.

Die Stadt hat auf Antrag einer Kooperation dreier Windkraftinvestoren, die sich auf den Regionalplan berufen, notwendigerweise ein Änderungsverfahren ihrer Bauleitpläne eingeleitet. Im Ergebnis könnte sich in den kommenden Jahren eine bisher nicht festliegende Anzahl von zusätzlichen Rotorblättern in der Ketziner Gemarkung drehen.

Während der Podiumsdiskussion wurde von den Gästen auf die damit verbundenen und auch schon mehrfach diskutierten Probleme hingewiesen, so den nicht hörbaren Infraschall, der in weniger als zwei Kilometer Abstand von der Wohnbebauung zu behandelnden Schwindel auslösen kann, und auch auf die vielfältigen negativen Auswirkungen auf die Fauna und die Verschandelung der Ketziner Landschaft, in der auf den Tourismus gesetzt wird.

Wie Bürgermeister Bernd Lück, der an der Podiumsdiskussion nicht teilnahm, auf Nachfrage sagte, wurde zwischen den Stadtverordneten und der Verwaltung in mehreren Gesprächsrunden beraten, wie die Planung am günstigsten weiterzuführen sei. "Seitens der Verwaltung wird die Ausweisung einer Konzentrationszone innerhalb des vorhandenen Windparkfeldes favorisiert, in der größere Anlagenhöhen im Zuge der Nachverdichtung möglich sein könnten, und außerhalb die Anlagenhöhe zu den Siedlungsgebieten hin bis auf 150 Meter zulässige Höhe abtreppen sollte", sagte er.

Frank Buchholz von der UKA Meißen, einer der potentiellen Investoren, begründete seine Absage zur Teilnahme mit der erst am vorhergehenden Wochenende und damit zu kurzfristig erfolgten Einladung. Und: "Leider ist zu befürchten, dass eine solche Veranstaltung zur Verhärtung der Fronten beitragen wird."

Er bezog sich ferner auf einen vorgelegten Kompromissvorschlag, der aber "gar nicht weiter diskutiert wird." Man sollte sich doch endlich mal zusammensetzen und einen neuen Vorschlag finden, schlug er vor. "Man müsse ja immerhin bedenken, eine Nulllösung kann es nicht geben", nannte er eindeutig seinen Standpunkt. Aber genau das ist die Forderung der BI. Lück lotet inzwischen Lösungsmöglichkeiten aus.

In einem Schreiben an die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, das dem Brandenburger Wochenblatt (BRAWO) vorliegt, listet er unter anderem genau die Bedenken der BI auf und bat um einen Termin, um gemeinsam "die Möglichkeiten auszuloten, die die Stadt hinsichtlich der mindestens und maximal erforderlichen Festsetzungen innerhalb der Sonderbaufläche Wind in ihrer kommunalen Bauleitplanung hat".

In der in diesen Tagen eingetroffenen Antwort wird ein gemeinsames Gespräch zugesagt. Aber wegen der Komplexität der Materie müssten vorher noch Abstimmungen im eigenen Haus stattfinden, heißt es in der Antwort.

Der Bürgermeister dazu: "Vor diesem Gespräch wird das Thema auf keine Tagesordnung in den Fachausschüssen gesetzt". Und auch danach wird es wohl noch Monate dauern, bis die Bauleitplanung mit den notwendigen Veränderungen beschlussreif ist. Bestandteil des Verfahrens ist die Beteiligung der Öffentlichkeit, der Fachbehörden und der Träger öffentlicher Belange. In diesem Verfahren könne jeder Bedenken und Kritikpunkte vorbringen, empfahl Frank Buchholz.

Es ist eine der Möglichkeiten sowohl der Mitglieder der BI als auch aller anderen Bürger, ihre Bedenken einzubringen. Die Kommunalpolitiker haben dann, und zwar vor einem möglicherweise endgültigen Beschluss über neue WEA, das Für und Wider abzuwägen. Drei Stadtverordnete sprachen sich bereits am Dienstag während der Podiumsdiskussion gegen weitere und höhere WEA aus.

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