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Leuchtturmprojekt ohne Gegenliebe

Elternsprecherin Cima Zimmermann fordert, endlich mit dem Neubau der Kita in Übereinstimmung mit den bisherigen Planungen zu beginnen.
Elternsprecherin Cima Zimmermann fordert, endlich mit dem Neubau der Kita in Übereinstimmung mit den bisherigen Planungen zu beginnen. © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 28.04.2017, 22:12 Uhr
Groß Behnitz (MOZ) Nach knapp zwei Stunden war das Meinungsbild am Donnerstag während der öffentlichen Sitzung des Nauener Bauausschusses in Groß Behnitz eindeutig: Die Einwohner wollen endlich eine neue Kita, und zwar auf der Freifläche vor der alten, aber inzwischen maroden Kindertagesstätte. Das allerdings ohne die Fläche mit einem Hotelneubau des Landgutinhabers Michael Stober teilen zu müssen und ohne die Verlegung des auf der gleichen Fläche befindlichen Spielplatzes.

Eigentlich war der Neubau an dieser Stelle bisher ebenso unstrittig wie der Zeitplan. So soll im September der Bauantrag gestellt werden. Dem könnte im März des nächsten Jahres der Baubeginn folgen und im Oktober würden die Kinder wenige Meter weiter ihr neues Domizil beziehen. Auch die Finanzierung ist klar. Wie Bauamtsleiter Stefan Lux bestätigte, stehen dafür 700.000 Euro im Haushalt bereit. Allerdings liegen inzwischen die Kostenberechnungen bei rund 880.000 Euro. Auch eine entsprechende Bauvoranfrage beim Bauordnungsamt ist bereits positiv entschieden. Nun liegt ein Vorschlag von Michael Stober vor, auf der gleichen Fläche auch ein Hotel mit den dafür notwendigen Parkplätzen zu bauen.

Dafür müssten die neue Kita in eine (kleinere) Ecke der vorgesehenen und im kommunalen Besitz befindlichen Fläche rücken und der Spielplatz mit 15.000 Euro Kosten verlegt werden. Inzwischen gibt es den Vorschlag, dass Stober die Kita als gemeinnützige GmbH selbst errichtet. Das könnte nach seinen am Donnerstag vorgetragenen Vorstellungen eine Feld-, Wald- und Wiesen-Kita sein, also eine Natur-Kita, die es dieserart in Nauen noch nicht gibt. "Das wäre in Brandenburg ein Leuchtturmprojekt", lobte er diese Variante.

Und weil das eine innovative Form sei, wären die Bedingungen für eine finanzielle Förderung größer. Man müsste prüfen, ob der jetzige Betreiber der Kita, die Kinderwelt Potsdam, die notwendigen Kompetenzen dafür habe. Außerdem versicherte Michael Stober, dass die Kita bereits am 31. März des nächsten Jahres bezugsfertig wäre. Klare Aussage von Bauamtsleiter Stefan Lux: Alle die mit der neuen Variante verbundenen Fragen zu prüfen würde Zeit kosten, so dass die beabsichtigte Entscheidung der Stadtverordneten am 22. Mai noch nicht möglich wäre. Rechtlich sicher beantwortet werden konnte das mit einem Hotelbau auf der gleichen Fläche verbundene Fragenpaket an diesem Abend auch noch nicht. So beispielsweise, ob die bereits positiv beantwortete Bauvoranfrage dann noch gelten würde, ob die Veräußerung der Fläche ausgeschrieben werden müsste, was zur Folge haben könnte, dass auch ein Dritter möglicherweise den Zuschlag erhält, und auch, wie die Bebauungsplanung dann zu gestalten sei.

Gleich zu Beginn der Beratung dieses Tagesordnungspunktes bezeichnete Ortsvorsteher Wolfgang Jung die Tatsache "äußerst merkwürdig", dass diese neuen Fragen zum Kita-Neubau ursprünglich nur im Bildungsausschuss und nicht auch im Bauausschuss beraten werden sollten und der Bauausschuss die einstimmige Position des Ortsbeirates vom 23. Februar nicht erhalten hat. "Darin heißt es, dass der Ortsbeirat eine Hotelbebauung im Bereich "Alte Gärtnerei" ablehnt, an der ursprünglichen Kita-Bebauungsplanung festhält und nach dem Rückbau der alten Kita die Fläche der Wohnbebauung dienen soll" sagte er.

Die vielfachen Meinungsäußerungen der Groß Behnitzer brachte schließlich Elternsprecherin Cima Zimmermann auf den Punkt: "Wir wollen keinen Trägerwechsel, wir haben tolle Erzieherinnen und wollen weder den Standort teilen noch eine Natur-Kita. Wir haben hier genug Natur und sind mit dem vorhandenen Konzept zufrieden", sagte sie unter Beifall. Was alle wollen, ist, dass die Stadt endlich mit dem Bau beginnt, sie hätten schließlich bereits fünf Jahre darauf gewartet.

Unter Berücksichtigung der Meinung des Ortsbeirates und der Meinungen der Einwohner positionierte sich Bauausschussvorsitzender Manuel Meger: "Der Vorschlag von Michael Stober ist kein Antrag und ich habe kein Interesse daran, ein Grundstück der Stadt für ein Hotel zu veräußern und damit alles wieder in Frage zu stellen." Es müsse bei dem ursprünglichen Vorhaben der Stadt bleiben.

Fünf Mitglieder des Bauausschusses plädierten schließlich gleichfalls für die ursprüngliche Variante ohne Hotelbau auf der gleichen Fläche und dafür, den Spielplatz auf der Fläche zu belassen. Es gab ferner eine Enthaltung und eine Absicht, noch zu prüfen. Am 22. Mai sollen die Stadtverordneten eine Entscheidung treffen.

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