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Seit 35 Jahren ein Meister seines Fachs

An der Werkbank: Ans Aufhören denkt Harald Wudick noch lange nicht, weil ihm seine Arbeit einfach Spaß macht.
An der Werkbank: Ans Aufhören denkt Harald Wudick noch lange nicht, weil ihm seine Arbeit einfach Spaß macht. © Foto: Volkmar Ernst/GZ
Volkmar Ernst / 29.04.2017, 05:45 Uhr
Grüneberg (GZ) Wenn Harald Wudick an der Drehbank in seiner kleinen Werkstatt in Grüneberg steht, dann ist er in seinem Element. Einen Anlasser oder eine Lichtmaschine auseinander bauen, eine Spule neu wickeln und wieder einbauen, das beherrscht er aus dem Effeff, das ist sein Metier. Dass er sein Handwerk meisterlich versteht, hat ihm die Handwerkskammer Potsdam am 29. April 1982 mit der Aushändigung des Meisterbriefes bestätigt. Das ist nun mittlerweile schon 35 Jahre her. Doch den Meisterbrief gibt es noch. In der Werkstatt hat er einen Ehrenplatz. Das Jubiläum selbst, das hätte Wudick wohl verschwitzt, wenn die Handwerkskammer daran nicht erinnert hätte. "Ich gucke da schließlich nicht jeden Tag rauf", sagt er und lacht.

Der 64-jährige Wudick ist gestandener Grüneberger und im Ort natürlich auch zur Schule gegangen. Dass er das Handwerk eines Kfz-Elektrikers erlernt hat, ist Bekannten zu verdanken, die ihn bei der Suche nach einem Beruf auf den Kraftfahrzeuginstandsetzungsbetrieb (KIB) Potsdam aufmerksam machten, der auch in Oranienburg eine Filiale unterhielt. Wudick besuchte den Betrieb und entdeckte sein Interesse an den Fahrzeugen, an der Technik und der damit verbundenen Freude, diese auch in Gang zu halten, also instand setzen zu können. Also bewarb er sich um einen Ausbildungsplatz, erhielt einen und blieb schließlich dem Betrieb bis zur Wende treu. Die Qualifizierung zum Meister hatte durchaus mit seinem Traum zu tun, sich irgendwann einmal selbstständig zu machen. Dass es zu DDR-Zeiten ein Traum blieb, hatte vor allem mit der Versorgungssituation der privaten Betriebe zu tun. "Schon in den staatlichen Betrieben war das Material schwer zu beschaffen, bei den privaten Unternehmen war es um vieles schwerer", erklärt er.

Insofern nutzte er die Umbruchsituation in der Wendezeit und meldete am 1. August 1990 sein Gewerbe als Kfz-Elektriker an. Eine Entscheidung, die er nie bereut habe, wie er sagt. In der Gartenstraße richtete er sich seine Werkstatt ein und bot seine Dienste an. Auf Kunden musste er nicht lange warten. Die kamen aus Grüneberg, aber es kamen auch viele, die er durch seine Arbeit im KIB kennengelernt hatte. Ob Auto, Lkw, Traktor oder Motorräder, er hatte gut zu tun. Doch erkannte er auch bald, dass Konkurrenz das Geschäft nicht nur belebt, sondern auch dazu zwingt, sich den neuen Gegebenheiten zu stellen. "Ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht alle Dienste anbieten kann, weil die Konkurrenz einfach zu groß war. Da ich nun einmal Kfz-Elektriker bin, habe ich mich also auf die Reparatur von Anlassern und Lichtmaschinen spezialisiert. Nicht die für private Kraftfahrzeuge, sondern für Traktoren, Laster und Landmaschinen", erklärt er. Denn die Reparatur der Teile für Autos lohne nicht. "Die sind im Internet meist preiswerter zu bekommen, als ich für die Reparatur nehmen muss."

Dass Harald Wudick noch immer in seiner kleinen Werkstatt hantiert, hat mit dem Fehlen eines Nachfolgers zu tun. "Ich habe zwar zwei Söhne, aber die machen beide etwas anderes. Sie werden das Gewerbe nicht weiterführen. Deshalb lohnt es für mich auch nicht zu investieren. Aber bis zur Rente, da mache ich auf alle Fälle weiter, sofern ich Kunden habe", sagt Wudick.

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