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Hochzeitskuss in der Silvesternacht

Oliver Schwers / 30.04.2017, 05:11 Uhr
Felchow (MOZ) Bis Ende des Jahres soll die Hochzeit der Gemeinde Schöneberg mit der Stadt Schwedt stattfinden. So will es das Brautpaar. Das Dorf drückt aufs Tempo. Ursache: Bei einer anstehenden Auflösung des Amtes Oder-Welse will man später nicht irgendwem zugeordnet werden.

Den 1. Januar 2018 hält das Schwedter Rathaus für realistisch. Voraussetzung ist eine Genehmigung durch die Kommunalaufsicht des Innenministeriums. Doch bislang gibt es keinen Grund von dieser Seite, quasi in Vorwegnahme gewünschter größerer Verwaltungseinheiten, die rote Karte zu zeigen. Auch Schöneberg steht zum Hochzeitstag in der Silvesternacht. Geht es nach den Gemeindevertretern, würde Schwedt am Neujahrsmorgen des nächsten Jahres drei neue Ortsteile haben. Die eigenständige Gemeinde würde damit in die Geschichtsbücher eingehen. Wie durch ein Wunder wäre die fette Schuldenlast verschwunden, die das Dorf in den Ruin geführt hat.

Während bei der ersten Bürgerversammlung im Kulturhaus von Schöneberg mit Sicherheit rund 90 Prozent der anwesenden Bürger für die Eingemeindung gestimmt hätten, herrscht im Ortsteil Felchow noch ein wenig Skepsis. Vor allem ältere Einwohner könnten sich auch einen andere Alternative vorstellen, möglicherweise den Weg nach Angermünde. Dies habe man aber in der Gemeindevertretung ausgiebig diskutiert, so die Antwort der Abgeordneten. Von Angermünde sei aber keine Option gekommen. Ob man nun 8 oder 14 Kilometer zur Verwaltung fahre, wäre egal. Ausschlaggebend sei vielmehr das Versprechen der Stadt Schwedt gewesen, die Schulden bedingungslos zu übernehmen. "Wir haben alle Verbindlichkeiten offengelegt", so Bürgermeister Wilfried Schramm bei der Bürgerversammlung im Schloss Felchow. "Grundgedanke ist, die Lebensbedingungen der Bürger zu verbessern", sagt sein Vorgänger Manfred Schroeder. Er kenne die Misere der wirtschaftlichen Lage am besten. Schöneberg hat genug von behördlichen Auflagen wegen der chronisch roten Zahlen.

Die Diskussion zeigt, wie wenig Akzeptanz die erste Gebietsreform hinterlässt. Allein die Erklärung , dass die drei Ortsteile künftig gleichberechtigt als Nummer 11 bis 13 vom Schwedter Rathaus behandelt werden, löst Beifall im Saal aus. Zueinander gefunden haben sie also in den vergangenen Jahren im Amt Oder-Welse nicht. Schwedt werde auf keinen Fall die Identität der Orte untergraben, beteuert Andreas Franze, Fachbereichsleiter im Rathaus. Dies könnten die bisher in die Stadt gekommenen Ortsteile bestätigen. Und das dicke Finanzpolster sei ausreichend, um flexibler reagieren zu können. Felchow hofft auf die Rettung des unansehnlichen Herrenhauses. In Schöneberg gibt es mehr Schlaglöcher als Hühner.

Die Stadtverwaltung ist vorbereitet. Auf Fragen der Bürger geben die Bereichsleiter eine Antwort. Schulbus? Fährt sowieso. Das Busticket nach Schwedt wird sogar billiger. Kita und Schule bleiben da, wo sie sind. Ansprechpartner für alle Sorgen stehen zur Verfügung. Grünpflege und Winterdienst? Man darf sich in den Ortsteilen erkundigen. Der Rest ist Verhandlungssache.

Amtsdirektor Detlef Krause empfindet die Diskussion als zu früh. Er redet von "Instrumenten" freiwilliger Zusammenschlüsse, die noch gar nicht vorliegen. Doch schon jetzt gibt es vom Land Unterstützung. "Es geht auch nicht nur ums Geld", sagt Einwohnerin Henriette Samain unter großem Applaus. "Es geht auch um die Unzufriedenheit. Ich bekomme jetzt wieder Lust mitzuarbeiten."

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