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Wo der Finowkanal am Herzen liegt

Simon Rayß / 02.05.2017, 07:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Zum dritten Mal hat am Sonnabend das Hafenfest an der Stadtpromenade stattgefunden. Viele Besucher sind gekommen, um Konzerte zu erleben, Solarboote zu sehen, den Wettkampf im Flößerstechen zu verfolgen - und um ein Zeichen für den Finowkanal zu setzen.

Sonne, Wolken, kurz ein bisschen Nieselregen, dann wieder Sonne - wie soll denn da ein Solarboot fahren? Aber tatsächlich: Am Sonnabendmittag drehen drei Boote, getrieben von der Kraft der Sonne, ihre Runden über den Finowkanal. Vorbei an den Besuchern des Hafenfestes, die an der Stadtpromenade ihre Plätze eingenommen haben.

"Die Boote haben immer einen Akku an Bord", erklärt Hartmut Ginnow-Markert, der Vorsitzende des Solarbootvereins Berlin-Brandenburg. "Mit dem können sie stundenlang fahren." Das sei ja schließlich auch ein Sicherheitsfaktor, erklärt der Initiator der Solarboot-Regatta auf dem Werbellinsee, die wieder am 17. Juni stattfinden wird.

Ginnow-Markert gehört gleichzeitig auch zum Vorstand des Vereins "Unser Finowkanal", der seit Jahren dafür kämpft, die durchgehende Schiffbarkeit auf der Wasserstraße zu erhalten. "Der Finowkanal ist ein durchgehendes Band", sagt er. "Beim Hafenfest geht es darum, Gemeinschaft zu zeigen." Eine Gemeinschaft derer, die am Finowkanal und von ihm leben.

Derzeit laufen Verhandlungen zwischen den Anrainergemeinden und dem Bund über eine Übernahme der 13 Schleusen in kommunale Obhut. Eine Entscheidung ist frühestens im September zu erwarten, wenn die nächste Stufe der Gespräche ansteht. Der Bund verspricht, die Hälfte der Kosten für die Schleusensanierung zu übernehmen, mehr aber auch nicht. Der Landkreis Barnim wiederum stellt Finanzhilfen in Aussicht, wenn sich die Gemeinden zur Übernahme entschließen sollten.

Die Gespräche führt die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Region Finowkanal (KAG), die auch das Hafenfest ausrichtet. "Wir wollen die Menschen ans Wasser holen und an den Finowkanal", sagt Christoff Gäbler, Leiter der KAG-Geschäftsstelle.

Das gelingt am Sonnabend besonders am Nachmittag: Wenn sich die Teilnehmer des Flößerstechens gegenseitig ins kalte Wasser des Kanals stoßen und das Bundespolizeiorchester Berlin ein Benefizkonzert spielt, ist das Hafenfest gut besucht. "Im Anbetracht des Wetters können wir zufrieden sein", sagt Gäbler und schätzt die Besucherzahl auf rund 2000. Doch entscheidend ist für ihn etwas anderes: "Das Fest soll zeigen, was es für Initiativen gibt, die sich für den Finowkanal engagieren." Tatsächlich hat vom Finowfurter Flößerverein bis zum Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg eine ganze Reihe Beteiligter ihre Stände aufgebaut.

Beim Kreisanglerverband Barnim können die Besucher ihr Geschick im Turnierangeln ausprobieren. Das ist eine Art Weitwurf mit einem Gewicht am Ende der Leine. Das Ganze heißt auf Neudeutsch Casting. "Ziel ist die Arenbergscheibe", erklärt Burkhard Guse vom Kreisanglerverband, eine große grün-weiße Scheibe, die auf dem Boden ausgelegt ist.

Die Angler sind bei allen drei bisherigen Hafenfesten dabei gewesen. Auch, weil die durchgehende Schiffbarkeit für sie ein wichtiges Anliegen ist. "Der Finowkanal ist ein Angelgewässer", sagt der Vizepräsident des Verbandes, Thomas Freier. "Wenn die Schleusen zu sind, wächst der Kanal zu. Er verlandet." Das wäre natürlich auch für die Angler ein Problem.

Jörg Bauer, genannt "Joschi", fühlt sich ebenfalls verbunden mit der Wasserstraße. "Für uns Finowfurter gehört der Finowkanal dazu", sagt der Mitarbeiter vom Jugendzentrum "Fifu Kids". Auch für den Tourismus sei der Kanal entscheidend. Bauer ist am Sonnabend mit einem Solarboot-Team nach Eberswalde gekommen. Der 15-jährige Paul Volgmann dreht eine Runde mit der "Krassen Kuh", einem Wanderkanu, das die Truppe mit Solartechnik ausgestattet hat.

"Da stecken 12 000 Arbeitsstunden drin", erklärt "Joschi" Bauer. "2013 haben wir angefangen." Insgesamt bauen im Finowfurter Jugendzentrum acht Mädchen und vier Jungen an drei Booten. Viele der Arbeitsstunden haben die Jugendlichen dabei am Finowkanal verbracht. "Weil es da einfach schön ist", wie "Joschi" Bauer sagt.

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