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Beim Seminar mit Coach Steffen Kukral wird vorwiegend auf Körpersprache gesetzt

Das Pferd als Spiegelbild

Ruth Buder / 02.05.2017, 19:30 Uhr
Krügersdorf (MOZ) Eine Gruppe von Laienschauspielern aus Magdeburg hat kürzlich ein Pferde-Seminar in Krügersdorf bei Coach Steffen Kukral absolviert. Pferde sind in der Lage, das Verhalten von Menschen widerzuspiegeln.

Nach dem theoretischen Teil geht es hinaus auf den Roundpen, den runden eingezäunten Platz, auf dem mit dem Pferd im Kreis gearbeitet werden kann. In diesem steht Steffen Kukral (57), der Trainer, er steht ganz locker neben dem hellbraunen Haflinger Aaron. Dieser reagiert auf alle Bewegungen Kukrals. Er hält einen Strick in der Hand, aber das Pferd ist nicht angeleint. Er dirigiert es allein über seine Körpersprache. Hebt er die Hände, bleibt das Tier stehen. Winkt er ganz leicht mit dem Seil in der Hand, trabt Aaron locker los. Wenn Kukral will, dass der Hengst langsam langsamer laufen soll, hebt er seine Arme und guckt genau auf die Mitte seines Körpers. Es funktioniert. Dreht sich der Trainer leicht, macht auch das Pferd eine Wendung und trabt in die andere Richtung. Dann stellt sich Kukral vor das Pferd: Es bleibt stehen. Frank Schöpke, Antje Drux, Sarah Kowallik und die anderen aus der Gruppe des Magdeburger Bürgerensembles schauen hinter dem Zaun gespannt zu. Denn sie wollen heute etwas vom Pferd lernen. "Jetzt seid ihr dran", fordert Kukral die am Rand sitzenden "Schüler" auf und beruhigt zugleich: "Aaron weiß was kommt, er hat schon öfter Seminare gemacht", witzelt Kukral. Zuerst ist Frank Schöpke an der Reihe, der von Beruf Musiker ist und sich eher mit Noten und Instrumenten als mit Pferden auskennt. "Ich bin ganz ohne Erwartungen gekommen, aber sehr gespannt, mal sehen, was passiert", sagt er bevor er sich in den Roundpen begibt. " Je mehr du an ihn rantrittst, desto mehr Energie kannst du übertragen", gibt ihm Kukral mit auf den Weg. Der Musiker zeigt sich unerschrocken und macht seine Sache gut. Dann ist Sarah an der Reihe. Die 23-Jährige ist Studentin der Immunologie hat mit Tieren generell nichts am Hut und ist eher ängstlich. Dennoch traut sie sich zaghaft, das Pferd zu dirigieren. "Ich bin da ganz anders als die Marion, die geht ran und es klappt. Ich bin dem Pferd nur hinterher gelaufen, es hat getan, was es wollte", misst sie sich mit einer anderen Frau aus der Gruppe. Für sich wird die Studenten nach dem Seminar mitnehmen: "Ich bin ein Mensch, der Anweisungen braucht."

Denn während des praktischen Teils des Seminars wird alles gefilmt. Das erledigt Angela Breme (37), die Lebensgefährtin von Steffen Kukral und aktive Reiterin. "Es geht hier gar nicht um richtig oder falsch", erklärt sie. "Es geht nur darum, wie gehe ich mit einer mir fremdem Situation um, wie fühle ich mich dabei. Oft gibt es ja eine Diskrepanz zwischen dem, was ich fühle und was ich tue."

Für Antje Drux (64), die vor ihrer Rente als Leiterin in einer juristischen Bibliothek gearbeitet hat, ist das Pferde-Seminar eine gute Schule für die Bühne. "Dort geht es ja auch um das Agieren und Reagieren", sagt sie. Jeder Mensch habe schließlich Ressentiments. "Aber man wird mutiger, wenn man Vertrauen findet." Interessant findet die Hobby-Schauspielerin auch, dass sie mit ihrer Körpersprache, mit ihrem Blick und ihrer Stimme etwas bewegen kann.

"Pferde spiegeln unser Verhalten wieder, zeigen, wer ich bin, wie ich wirke", weiß Steffen Kukral. Diese Erkenntnis, die es bereits seit mehr als 1000 Jahren gebe, wende er bei seinen Seminaren an. "Das Pferd schmeichelt dem Menschen nie, aber es spiegelt sein Temperament."

Kukral, der in seinem früheren Leben Radio-Journalist war, seit einigen Jahren Pferde auf einem alten Bauernhof in Krügersdorf hält und aktiv Pferdesport, wie Tentpegging betreibt, hat aus der Theorie ein Geschäft gemacht. "Es läuft, ich kann nicht klagen. Nächste Woche sind wir im polnischen Worozlaw an der Uni. Danach kommen Führungskräfte von Daimler zu uns." Die müssen sich darauf einstellen, dass auf Kukrals Domäne alles ganz einfach ländlich und unpretentiös ist. Luxus braucht Kukral nicht.

Als die Gruppe aus Magdeburg abreist, hängen an einer Pinwand im Hausflur verschiedene Bewertungen und Eindrücke ihres zweitägigen Aufenthalts in Krügersdorf. Zu lesen sind Worte wie inspirierend, motivierend, aufschlussreich, Grenzerfahrung oder "Ich bin beeindruckt".

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