Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Achim Engel hat vor 20 Jahren die Fort-Fischerei in Gorgast eröffnet / Seit heute hat er dort auch eine offizielle Wohnadresse

"Zuerst wollten sie uns hier nicht haben"

Alles dokumentiert: Achim Engel mit einem Fotoalbum aus der Anfangszeit der Fort-Fischerei.
Alles dokumentiert: Achim Engel mit einem Fotoalbum aus der Anfangszeit der Fort-Fischerei. © Foto: MOZ/Ulf Grieger
Ulf Grieger / 04.05.2017, 06:40 Uhr
Gorgast (MOZ) 20 Jahre gibt es die Fort-Fischerei von Achim Engel in Gorgast. Seit 2006 führt er das Unternehmen gemeinsam mit Gabriele Fetting. Doch erst seit heute hat er auch eine offizielle Wohn-Adresse dort: "Fort Gorgast 2" lautet sie. Dieser Umstand beschreibt in etwa die Mühen, die das Etablieren der Firma, die zum Großteil auf den Tourismus zielt, über die Jahre gemacht hat. Ursprünglich wollte Engels Tochter, die eine Ausbildung zur Fischerin absolviert hatte, das 1,3 Hektar große Areal der ehemaligen NVA-Küche am Festungsgraben erwerben. Als sich die Pläne zerschlugen, wollte Achim Engel, der damals noch ein Anglergeschäft in Hathenow hatte, dort etwas entwickeln.

Doch weder Gemeinde noch Kreis- oder Landesbehörden ebneten ihm damals die Wege. "Da gab es vor allem dicke Backen und Steinerollen. Die wollten uns hier nicht, hatte meine Ex-Frau damals schon gewarnt", erinnert er sich. Um das Gelände vom Bundesvermögensamt kaufen zu können, sollte er Fischer sein. Ein Tipp der Fischereibehörde führte dazu, dass er in Manfred Leisegang aus Karlsdorf einen Konzessionsträger fand. Später wurde Jürgen Koschade aus Falkenhagen sein betreuender Berufsfischer. Ihnen beiden ist er ebenso dankbar wie Andreas Schmidt aus Wriezen. Der hatte mit seinem Ingenieurbüro wesentlich dazu beigetragen, dass Engel sein Unternehmen gründen konnte. "Begeistert waren die Gemeindevertreter zunächst nicht", erzählt der 65-Jährige. Der damalige Bürgermeister von Küstriner Vorland hätte das Areal gern dem Angelverein übergeben. Der Modellsportverein, die Feuerwehr und ein Künstler waren als Fort-Nutzer vorgesehen. Da störe der "Unternehmer aus Hathenow", ein Ortsfremder in den Augen der Gemeindevertreter, musste Engel erfahren.

Die Gemeinde hatte zwar das Vorkaufsrecht, aber kein Geld. Nur wenn es keinen Interessenten gegeben hätte, wäre die Fläche vielleicht der Gemeinde zugefallen. Zu dieser Zeit hatte Engel auf Anraten von Lothar Ebert, damals Wirtschaftsförderer im Amt, bereits einen Paddelboots- und Fahrradverleih unterhalb der Feuerwehr begonnen. Doch auch andere machten Forderungen auf und erschwerten dem Unternehmen den Start. So beklagte sich die Untere Naturschutzbehörde darüber, dass Engel ein paar Robinien am Ufer beseitigt hatte. Zum Ausgleich mussten rund 2000 Sträucher gepflanzt werden. Was dem Gelände, das vor 20 Jahren noch eine kahle Ödnis war, allerdings gut getan hat. Ein Naherholungsgebiet mit viel Grün ist entstanden. Ein Paradies für jene, die Ruhe und Erholung suchen. Neun Übernachtungsplätze und eine Fisch-Spezialitäten-Gaststätte, die Gabriele Fetting aus einem Imbiss heraus entwickelt hat, haben längst eine Stammkundschaft.

Als langjähriger Fischereiaufseher sorgt Achim Engels streng auf die Einhaltung der Vorschriften. Er kümmert sich um den Fischbesatz in dem durch das Grund- und Drängewasser gespeisten Festungsgraben, dessen Wasserstand nicht so starken Schwankungen unterliegt wie der benachbarte Heyengraben. Es gebe eine gute Zusammenarbeit mit dem Gewässer- und Deichverband, bedankt sich Engel. Mit allen, die 20 Jahre lang schon Partner des Unternehmen sind, feiert Achim Engel am 13. Mai ab 10 Uhr ganz groß. Aus diesem Anlass soll dort auch eine Tafel an einem Findling enthüllt werden.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG