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Fähre "Bez Granic" verkehrt wieder zwischen Gozdowice und Güstebieser Loose

Auf Schnuppertour über die Oder

Anett Zimmermann / 04.05.2017, 07:30 Uhr
Güstebieser Loose (MOZ) Seit etwas mehr als zwei Wochen verkehrt sie wieder: die Oderfähre "Bez granic". Sie verbindet das polnische Gozdowice mit Güstebieser Loose.

Es ist kurz nach 16 Uhr. Auf dem kleinen Parkplatz an der knallroten Skulptur des Flussgottes Viadrus und weiter vorn stehen gerade mal vier, fünf Fahrzeuge. Sonst sind noch ein paar Fahrradausflügler zu sehen. Die weiß-grüne Fähre liegt bereits bei Güstebieser Loose am Ufer. 16.10 Uhr soll es wieder auf die polnische Seite gehen. Eine Autofahrerin ist vor zur Fähre gerollt und will mit ihrem Pkw offensichtlich mitgenommen werden. Pjotr Gwiazdowski winkt und weist sie ein.

Groß verständigen können sich die beiden offensichtlich nicht. Sie spricht kein Polnisch, er kein Deutsch und auch kein Englisch, sagen sie zumindest. Doch dann bedankt sich die Frau, wenn auch nur kurz, auf Polnisch. Und Pjotr Gwiazdowski antwortet freundlich - auf Deutsch, nach Worten suchend. Da hat die Fähre bereits abgelegt. Eine Frau bittet die Autofahrerin um 2,50 Euro für die Überfahrt. Die beiden anderen Passagiere sind zu Fuß unterwegs und zahlen jeweils 0,75 Cent.

Es sind wohl keine fünf Minuten vergangen, da kommt die Fähre bereits am anderen Oderufer an. "Herzlich willkommen in Polen" steht dort auf einem Schild und darunter "Gemeinde Mieszkowice". Gozdowice gehört dazu. Die Gemeinde betreibt seit zehn Jahren auch die Schiffsverbindung. Im August soll das Jubiläum gefeiert werden. Im Wind flattern zwei polnische Flaggen und eine der Europäischen Union.

Linker Hand befindet sich das Gelände der Wasseraufsicht. "Unbefugten ist der Zutritt verboten", warnt ein Schild. Etwas oberhalb haben Privatleute an Wochenenden mal einen Imbiss betrieben, hatte kürzlich Heidemarie Kiehl, Ortsvorsteherin von Güstebieser Loose, erzählt. Doch der Imbiss hat inzwischen geschlossen. "Das war nicht zu kalkulieren", sagt ein von mehreren Frauen herangerufener Mann. Auf dem Grundstück wird an diesem Tag rein privat gegrillt.

Auf dem wenige Schritte entfernten Spielplatz tobt ein Kind. Das Lagerfeuer glimmt nur noch. Der Vater hat beides und den Familienhund im Blick. Auf den Informationstafeln über Gozdowice und die Nordic Walking Route von Mieszkowice nach Gozdowice sind auch Erläuterungen in deutscher Sprache zu finden. Gozdowice heißt übersetzt Güstebiese. Der einstige Hauptort mit Kirche war im Februar 1945 von russischen Truppen besetzt worden. Im April errichteten dort dann Pioniere der 1. Polnischen Armee eine rund 300 Meter lange Pontonbrücke über die Oder. In dem Gebäude, das damals Kommandeurssitz war, befindet sich seit 1965 ein Museum zum Gedenken an die Pioniere der 1. Polnischen Armee.

Der heutige Direktor Michal Dworczyk und Kamil Iwanowski tragen entsprechende Uniformen. Beide und auch die junge Frau, die die zwei Euro Eintritt entgegennimmt, bemühen sich um die Gäste von der Fähre, die mitunter nur mal zum Schnuppern übersetzen. 45 Minuten bis zur nächsten Rückfahrt sind da generell recht knapp. Kamil Iwanowski bringt einen Museumsführer in deutscher Sprache und schickt Besucher auch in das Dachgeschoss und in den Hof, wo originale Boote, Amphibienfahrzeuge und Pontonbrückenteile zu sehen sind. Im Gespräch nennt er noch weitere Gedenkorte und Ausflugsziele in der Nähe. Auf dem Hügel hinter dem Museum steht ein Denkmal für die Pioniere. Von dort fällt der Blick auf Bienenkästen und zwei Imker mit Kopfschutz und Overall. Gegenüber, unterhalb der Kirche, weist ein Schild auf den Cedynski Park Krajobrazowy (Landschaftsschutzpark Zehden). An einem der Bäume hängt ein Anschlag mit Abrisszetteln für einen Verkauf von Hühnern, Enten und Gänsen.

Zurück am Fähranleger ist das Muhen der Kühe über den Fluss zu hören, kurz darauf übertönt der Dieselmotor und das Aufschlagen der Rampe alles. Diesmal will niemand mit. Und dann ist plötzlich wieder alles ganz ruhig - fast.

Mehr zur Fähre im Internet unter www.barnim-oderbruch.de

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