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Lutherausstellung neben Cranachgemälde

Arbeit eines Luther-Freundes: In der Markgrafpiesker Kirche hat Pfarrer Stefan Felmy die Kopie eines Triptychons von Cranach dem Älteren aufgehängt.
Arbeit eines Luther-Freundes: In der Markgrafpiesker Kirche hat Pfarrer Stefan Felmy die Kopie eines Triptychons von Cranach dem Älteren aufgehängt. © Foto: MOZ
Anke Beißer / 07.05.2017, 07:44 Uhr
Markgrafpieske (MOZ) Der interreligiöse und interkulturelle Dialog hat in der Markgrafpiesker Kirche seit fünf Jahren eine Heimat. Im Lutherjahr hat Pfarrer Stefan Felmy nun den Protestantismus in den Fokus gerückt - mit einer Ausstellung zu 500 Jahren Reformation.

"Jetzt sind wir mal an der Reihe", nennt Stefan Felmy kurz und bündig den Grund, warum die Gemeinde die Posterausstellung "Here I stand" (auf deutsch: "Hier stehe ich") - in Anspielung auf die nicht verbürgten Lutherworte auf dem Reichstag in Worms "Hier stehe ich und kann nicht anders", als er seine Thesen widerrufen sollte - angeschafft hat. Zuvor hatten in dem Gotteshaus im interreligiösen Dialog Buddhismus und Judentum eine Rolle gespielt, schmücken seither ein Buddha und ein jüdischer Leuchter zwei der Kirchenfenstern.

Nun also steht die eigene Geschichte, stehen 500 Jahre Reformation, im Zentrum - auf 30 Tafeln, die mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes unter der Federführung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle zusammengestellt wurden. Die Ausstellung, übrigens die erste in der Kirche, wofür extra ein Ausstellungssystem angeschafft wurde, widmet sich Luthers Leben und Werk, seiner Frau Katharina von Bora, der Reformation in all ihren Facetten von der Bildung über soziales Handeln bis hin zu einem veränderten Frauenbild und mehr.

Die Erklärungen in Wort und Bild hat Felmy mit Exponaten kombiniert, um sie begreifbar zu machen. So hängt gegenüber einem Bild von Luther im Talar ein alter Talar von Felmy. "Der kann anprobiert werden." Nicht weit entfernt steht zudem eine Truhe. "Dort ist der größte Schatz drin", gibt sich Felmy geheimnisvoll. In einer Kinderecke liegen Schiefertafel und Flöte auf dem Tisch. "Luther hat viel für die Bildung getan, hat für seine Kinder ein Krippenspiel geschrieben, heute würden wir dazu Musical sagen."

Um seine Theorie zu verbreiten kam Luther eine Freundschaft zu pass - die zu Lucas Cranach dem Älteren, der Luthers Trauzeuge sowie Taufpate des ältesten Sohns war und Luthers Frau, Katharina von Bora, in seiner Apotheke beschäftigte. Cranach war Geschäftsmann, Politiker und Maler. Als Verleger avancierte er quasi zum Publizisten für Luthers Gedanken. Und durch die enge Verbindung beider rückt in diesem Jahr ein besonderer Besitz der Markgrafpiesker ins Blickfeld: der Sebastiansaltar - ein Triptychon, dessen Original im Dommuseum Brandenburg aufbewahrt wird. Letzters hing bis in den 1970er-Jahren in der Kirche. Nach der Restauration des Gemäldes, die mangels finanzieller Möglichkeiten nicht von den Markgrafpieskern bezahlt werden konnte, kehrte es nicht wieder zurück. Inzwischen gibt es jedoch nach vielen vergeblichen Anläufen eine akzeptable Fotokopie. "Das Original hätten wir gar nicht sichern können", ist Felmy nicht böse über den Ersatz. Eigentümer bleibe die Markgrafpiesker Kirchengemeinde. "Obwohl das einige zuweilen anders sehen." So habe Fürstenwalde schon einmal Rechte angemeldet. "Es gab die Auffassung, dass das Werk eigentlich für den Dom bestimmt gewesen sei, die Kutsche mit dem Triptychon jedoch von Markgrafpieskern überfallen und die Tafeln geraubt worden seien", schmunzelt Felmy.

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