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Auf der Radweg-Trasse von Seelow nach Manschnow wurden bislang 24 tote Sowjetsoldaten gefunden

Am Gedenktag Kriegstote geborgen

Ines Weber-Rath und Eva-Maria L / 09.05.2017, 07:30 Uhr
Alt Tucheband/Letschin (MOZ) Während in Letschin und anderen Orten im Oderland am Tag der Befreiung der gefallenen Rotarmisten gedacht wurde, hat Volksbund-Umbetter Joachim Kozlowski am Montag drei weitere gefallene Sowjetsoldaten aus ihrem Grab an der B1 geborgen.

Er wünsche sich, dass der 8. Mai, der Tag der Befreiung, ein Feiertag werde und die deutsch- russische Freundschaft wieder auflebe. Das sagte Letschins Bürgermeister Michael Böttcher am Montag bei der Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal in Letschin. An der nahmen auch Mitglieder des Ortsverbandes der Linken, Wolfgang Bartsch vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und weitere Einwohner teil. Ein ehrendes Gedenken gab es auch am sowjetischen Ehrenmal in Groß Neuendorf.

Volksbund-Umbetter Joachim Kozlowski hatte am Montag derweil bei seiner Arbeit auf der Trasse des geplanten Radweges an der B1 zwischen Seelow und Manschnow ein russisches Fernsehteam zur Seite. Es berichtete über die Bergung von Sowjetsoldaten, die beim Sturm auf die Seelower Höhen im April 1945 gefallen und am Rande der damaligen Reichsstraße 1 begraben worden waren. Bislang wurden dort 24 Kriegstote gefunden.

Die beiden Grablagen, aus denen Joachim Kozlowski am Montag die Gebeine von je drei toten Soldaten barg, waren bereits die achte und neunte auf der rund elf Kilometer langen Radwegtrasse. Auf die ersten vier Toten waren die Munitionssucher der Firma Kemmer vor vier Wochen im Bereich der Seelower Loose gestoßen: Die Metallsonde schlug an, weil einer der Soldaten eine deutsche MP bei sich hatte. Eine weitere Grablage zeigte die Handgranate an, die ein Soldat unterm Arm trug.

Doch das seien Ausnahmen, sagt Joachim Kozlowski. Für den Umbetter sind die kleinen, quadratischen Grablagen, in denen in nur bis zu einem Meter Tiefe zumeist zwei bis vier tote Sowjetsoldaten liegen, "ordentliche Grablagen". Das heißt, hier wurden die Toten nicht, wie im Oderland öfter geschehen, im Kampfgetümmel eilig in Massengräbern verscharrt. Eines jedoch verwundert den Volksbund-Vertreter: "Bis auf zwei Paar Schuhe und einige Uniformfetzen habe ich bei den Toten fast keine Bekleidung sowie persönliche Gegenstände oder militärische Ausrüstung gefunden.".

Das würde die Idee erhärten, dass es sich zumindest bei einigen der Gefallenen um Angehörige einer Strafeinheit handeln könnte. Drei andere indes trugen Garde-Abzeichen, eine Kriegs-Ehrung. Aufschluss erhoffte sich Joachim Kozlowski am Montag vom Besuch Wladimir Aleshins an der B1. Der Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin ist dort für die Kriegsgräberfürsorge zuständig.

Für Oliver Breithaupt, den Geschäftsführer des Volksbund-Landesverbandes, ist die "große Grablage" an der B1 gerade angesichts der aufgeheizten Lage in vielen Teilen der Welt geeignet, am Jahrestag der Befreiung die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, "wie lange ein Krieg Folgen zeigt". Die Toten von Neu Tucheband starben vor 72 Jahren.

Umbetter Kozlowski geht davon aus, dass die 21 sowjetischen Kriegstoten noch nicht die letzten waren, die die Munitionssucher und er in der Radweg-Trasse finden. Räumstellenleiter Marco Kossatz und seine Männer wissen längst, dass dunklere Bereiche am Feldrand auf Grablagen hinweisen.

Die von Joachim Kozlowski geborgenen Sowjetsoldaten sollen auf dem sowjetischen Ehren-Friedhof in Lebus eine würdige letzte Ruhe finden.

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