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Großes Staunen über Thaer

50 Jahre nach ihrem Examen auf Thaers Spuren in Möglin: Agraringenieure, die in Celle ihr Diplom gemacht haben. Mit dabei waren auch Ehefrauen.
50 Jahre nach ihrem Examen auf Thaers Spuren in Möglin: Agraringenieure, die in Celle ihr Diplom gemacht haben. Mit dabei waren auch Ehefrauen. © Foto: MOZ/Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 10.05.2017, 06:28 Uhr
Möglin (MOZ) Vor 50 Jahren haben die neun Männer, die am Dienstag die Thaer-Gedenkstätte in Möglin besuchten, ihr Examen an der Ingenieurschule für Landbau in Celle gemacht. Es ist die Geburtsstadt und erster Wirkungsort von Albrecht Daniel Thaer.

Die Ingenieurschule sei sogar Bestandteil des Thaer-Seminars in Celle gewesen, erzählt "Reiseleiter" Hans-Karsten Wenzel aus Celle am Rande der Führung durch die Ausstellung in Möglin. Die wirkliche Bedeutung von Albrecht Daniel Thaer sei ihm aber erst hier bewusst geworden. Im Vorjahr hatte er bereits mit seiner Frau in Möglin vorbeigeschaut und mit Heike Gräfe, Leiterin der Thaer-Gedenkstätte, den Termin vereinbart.

"Inzwischen sind wir ja fast alles Rentner und Pensionäre", sagt Hans-Karsten Wenzel und fügt hinzu: "So sehen wir uns jetzt wieder regelmäßiger und wollten in diesem Jahr mal den Spuren Thaers in Möglin nachgehen." Quartier bezogen haben die Männer, meist begleitet durch ihre Ehefrauen, am Montag im Brandenburger Hof in Seelow. "Am Mittwoch wollen wir uns Küstrin anschauen, wenn wir es schaffen auch Gorgast", so Wenzel. Der Kunstspeicher in Friedersdorf stehe noch am selben Tag auf dem Programm. Ehe es für die Teilnehmer zurück nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein gehe, würden sie natürlich auch die Gedenkstätte Seelower Höhe besichtigen.

Der Vormarsch der russischen Truppen beim Sturm auf Berlin im Frühjahr 1945 hat auch in Möglin seine Spuren hinterlassen. Das von Thaer errichtete Akademiegebäude sei damals weitgehend zerstört worden, sagt Heike Gräfe in der einstigen Gutskirche und verweist auf eine Abbildung, die das Gebäude 1925 zeigt - mit Brennerei. Und unterbricht die aufkeimende Diskussion über Thaer und den Alkohol mit weiteren Fakten. So habe Thaer zwar seit 1810 ein Brennrecht gehabt, es selbst aber nie genutzt. Auch für seine Studenten hätten strenge Regeln gegolten - nicht nur in Bezug auf den Verzicht von Alkohol.

Zerstört worden seien, so Heike Gräfe, gegen Kriegsende 1945 ebenfalls der 1856 aufgestellte Obelisk mit Thaer-Medaillon und Ceres-Büste vor dem Akademiegebäude und die Gutskirche. "Es ist den Möglinern und der Kirchengemeinde zu verdanken, dass die Reste der Kirche nicht, wie schon vorgesehen, abgerissen wurden", weiß die Leiterin der Thaer-Gedenkstätte und auch, welche Schwierigkeiten es gab, als sich die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) im Ort nach Albrecht Daniel Thaer benennen wollte. "Ja klar, er war Gutsbesitzer und Kapitalist", sagt einer der Männer.

Dennoch habe es bereits zu DDR-Zeiten eine Ausstellung im einstigen Gutshaus gegeben, setzt Heike Gräfe ihre Ausführungen fort. Im Erdgeschoss, wo sich früher Thaers Bibliothek befand. Das Haus selbst sei als Lehrlingswohnheim genutzt worden. Die Auszubildenden hätten zudem die Pflege der Grabstelle etwas unterhalb der Kirche übernommen. "Als Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer fühlen wir uns heute dafür verantwortlich", sagt Heike Gräfe. Neben Albrecht Daniel Thaer liegt dort auch dessen Frau sowie die älteste Tochter begraben. Nicht unerwähnt lässt Heike Gräfe auch, dass die Kirche ihren Turm erst im Zuge des Wiederaufbaus erhielt.

Man merkt, dass die Besucher diesmal eine Menge Fach- und Vorwissen mitbringen. Doch es gelingt ihnen nicht wirklich, Heike Gräfe auf die Probe zu stellen. Sie überrascht immer wieder mit ihren fundierten Kenntnissen über Thaer und seine Schüler, die Lebenswege und das hinterlassene Erbe. Dabei hat sie nie Landwirtschaft studiert. "Ich habe mir viel angelesen", sagt sie und meint: "Eigentlich bin ich immer noch dabei."

Edo Tholen aus Oldenburg erklärt kurz darauf: "Die internationale Bedeutung von Thaer ist ja enorm. So groß habe ich ihn bisher nicht gesehen." Erst 2008 war Thaers Hauptwerk "Grundsätze der rationellen Landwirtschaft" von 1809 ins Japanische übersetzt worden. Die drei Bände sind in der Ausstellung in Möglin zu sehen. Die Reprint-Ausgabe in deutscher Sprache von 2011 kann in der Gedenkstätte noch erworben werden.

Thaer-Gedenkstätte, Hauptstraße 10 in Möglin: Die Ausstellung ist bis September jeweils Donnerstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr unter Telefon 033456 35164 bzw. im Internet www.albrecht-daniel-thaer.org.

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