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Internationale Scher-Kolonne schafft an zwei Tagen 900 Tiere / Für den Dolgeliner Schäfer ist das Scheren ein Zuschussgeschäft

Vogels Schafe sind ihr dickes Fell los

Solveig Faust und Ines Weber-Ra / 27.05.2017, 06:40 Uhr
Dolgelin (MOZ) Bloß gut, dass es jetzt nicht mehr kalt ist. Denn die 900 Schafe von Schäfermeister Wilfried Vogel stehen derzeit nackt auf der Weide. Sie sind in dieser Woche geschoren worden. Für Vogel ist das ein Zuschussgeschäft. Er muss den Scherern mehr zahlen als ihm die Wolle einbringt.

Im Frühjahr ist Schafschur-Zeit. "Das Fell muss runter, die Tiere leiden sonst unter der Hitze und die Wolle verfilzt", sagt Schäfermeister Wilfried Vogel. Er beauftragt Scher-Profis. Sein Ansprechpartner ist Dirk Marx, ein Schäfer aus Märkisch-Oderland. Er ist der Chef einer international besetzten Schafscherer-Kolonne, in der es auch einen Neuseeländer, einen Rumänen und sogar eine Frau, eine Waliserin gibt.

In dieser Woche haben sie Wilfried Vogels 900 ausgewachsene Schafe geschoren - die Lämmer sind außen vor. Zwei Tage haben die Profis gebraucht. Vom Oderbruch aus sind die Scherer zum nächsten Job an die Nordsee, danach in den Süden, nach Aachen gefahren.

"Ich setze beim Scheren zu", sagt der Schäfermeister. 2,20 Euro verlangten die Scherer pro Schaf. Plus Kost und Logis. Die Wolle - immerhin vier bis fünf Kilo pro Tier - bringe nicht so viel ein, erklärt der Dolgeliner. Die Wollpreise sind seit der Wende im Sinkflug.

Nach der Schur sind Vogels Schafe auf ihre Weiden in den Oderbergen zurückgekehrt. Neben den seltenen, streng geschützten, aber giftigen Adonisröschen wachsen dort jetzt wieder saftiges Gras und jede Menge Wildkräuter. Das war im Frühjahr Grund genug für den Schäfermeister, seine Schafe vom Winterquartier in Niederjesar zurück auf die heimatlichen Wiesen zu führen.

Überwintert hatten Vogels rund 750 Merino-Mutterschafe mit ihren Lämmern und sowie die 100 Ziegen auf den Äckern der PdA Alt Zeschdorf. Diese brauchte die Flächen im Frühjahr, um Mais und Sommergetreide einzusäen.

Für den Rücktrieb waren alle Mitarbeiter des Schäfereibetriebs nötig. Straßen mussten abgesperrt, Koppeln vorbereitet werden. Weil die Herde seit dem Ablammen im Winter größer geworden war,  konnte Wilfried Vogel die Tiere nur in Teilen nach Hause bringen. Seine erfahrenen Hirtenhunde begleiteten ihn und hielten die Herde zusammen. Die ist gut über den Winter gekommen. Die Lämmer bringen inzwischen schon jeweils etwa 45 Kilogramm auf die Waage. 2,50 Euro bekommt der Schäfer vom Schlachter pro Kilo dafür - eine seiner wichtigsten Einnahmequellen.

Schon als Junge wollte Wilfried Vogel Schäfer werden. Die Arbeit mit den Tieren in der freien Natur begeistert ihn bis heute. Einst als Schäfermeister in Mallnow angestellt, hatte sich Vogel nach der Wende selbstständig gemacht und den Betrieb in Dolgelin aufgebaut. Mit seiner Familie wohnt er direkt auf dem Hof, neben den Ablamm-Ställen, in denen die Muttertiere mit ihrem Nachwuchs die erste Zeit verbringen. Seit Jahren engagiert sich der Dolgeliner als Vorsitzender des Schäfervereins Kurmark für seinen Berufsstand.

Seit Jahren beweiden Vogels Schafe im Auftrag des Naturschutzbundes (Nabu) die Trockenrasenflächen im Naturschutzgebiet an den Oderhängen. Mittlerweile seien es 170 Hektar, sagt der Schäfer. Eine für beide Seiten nützliche Zusammenarbeit. Denn die Schäferei bekommt die Kulturlandschaftspflege vom Land bezahlt. Halten Vogels Schafe doch nicht nur den Wildwuchs von den Adonisröschen fern. Sie fördern sogar die Verbreitung der seltenen Frühblüher, da sie mit den Hufen die Samen der Blumen tief in die Erde drücken. Die Adonisröschen haben sich dadurch in jüngster Zeit stark ausbreiten können.

An den Oderhängen werden die Schafe in Herden zu je 300 Stück eingekoppelt und jeden Tag auf eine neue Fläche umgesetzt. Die etwa 50 Ziegen in jeder Herde fressen Buschtriebe zurück, die den Schafen nicht schmecken und tragen so ihren Teil dazu bei, dass die wertvollen Tockenrasenflächen frei bleiben.

Derzeit macht sich Wilfried Vogel vor allem Sorgen um die wachsende Ausbreitung der Wölfe in Brandenburg. Im Herbst vorigen Jahres hat der Dolgeliner die ersten Schafe an Isegrim verloren. Im Frühjahr hat er sich einen neuen Hirtenhund von einer Schäferei bei Erfurt geholt und zwei neue Böcke für die Zucht auf einer Schaf-Auktion in Leipzig ersteigert - Investitionen in die Zukunft der Dolgeliner Schäferei, in der auch Vogels Schwiegersohn arbeitet.

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