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Vorwurf der Tierquälerei: Züchter verteidigt sich

Auf dem leeren Hof: Die Polizei ermittelt gegen Reinhardt Engert zum Verdacht der Tierquälerei. Dagegen will sich der Kleintierzüchter mit Hilfe eines Fachanwaltes zur Wehr setzen.
Auf dem leeren Hof: Die Polizei ermittelt gegen Reinhardt Engert zum Verdacht der Tierquälerei. Dagegen will sich der Kleintierzüchter mit Hilfe eines Fachanwaltes zur Wehr setzen. © Foto: MZV
Tilman Trebs / 30.05.2017, 06:00 Uhr
Eichstädt (OGA) Reinhardt Engert ist ein hochdekorierter Mann. Als Läufer und Leichtathlet hat der immer noch aktive 66-jährige Hennigsdorfer Sportler Weltrekorde gebrochen. Von seinen Erfolgen als Kleintierzüchter zeugen eine ganze Palette von Pokalen und Wimpeln, die er im Laufe der Jahre gesammelt hat. "Die hätte ich nicht bekommen, wenn ich meine Tiere schlecht behandeln würde. Solche Zuchterfolge sind immer ein Ergebnis langfristiger Arbeit."

Doch nun ermittelt die Polizei gegen Engert zum Verdacht der Tierquälerei. Am Sonntag vor einer Woche hatten Polizei, Veterinärbehörde und Tierschutzverein bei einem stundenlangen Einsatz 55 Hühner, zehn Kaninchen, sechs Gänse und vier vom Hof geholt. Die Tiere sollen unterernährt gewesen und unter katastrophalen Bedingungen gehalten worden sein. Unter anderem seien die selbst gebauten Behausungen viel zu klein für die vielen Tiere gewesen.

Eine Woche später empfängt Engert, der sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern wollte, auf seinem Hof, um seine Sicht der Dinge zu erläutern. Den Vorwurf, die Tiere nicht mit Wasser versorgt und gefüttert zu haben, weist er zurück. "Ich bin jeden Tag draußen gewesen, zuletzt am Abend, bevor die Polizei kam." Engert zeigt seine üppigen Futtervorräte. Wasser gewinnt er mit Regentonnen und bringt es mit Kanistern aus Hennigsdorf mit. "Als ich am Sonntag meine Tiere füttern wollte, wurde ich nicht mehr auf den Hof gelassen." Wie die Tierschutzbehörde zu der Einschätzung kam, dass sich die Tiere in schlechtem Gesundheitszustand befanden, könne er sich nicht erklären. "Die wissen vielleicht gar nicht, wie Hühner aussehen. Vermutlich haben die keine Ahnung."

Seit 2013 betreibt Engert den Hof. Er betrachtet ihn als Ergänzung zum Sport. "Ich mache hier alles selbst, jeder Handgriff ist eine kleine Trainingseinheit", erklärt er. Oft reist er mit dem Fahrrad aus Hennigsdorf an. Um sportlich fit zu bleiben, verzichtet Engert auf Discounterware. Er isst nur seine eigenen Kaninchen und das Geflügel. Und er baut Gemüse an. Auch deshalb betreibt er seinen Hof. Zweifel an seinen Fähigkeiten lässt er nicht zu. Er verweist auf seine Erfahrungen als Züchter, die bis in die Kindheit zurückreichen.

Als die Veterinäre vor einer Woche auf den Hof kamen, fanden sie Kadaver toter Hühner und Knochen anderer Tiere.Engert hat dafür eine Erklärung_ Füchse, Kolkraben und andere Raubtiere würden sich immer wieder über seinen Bestand hermachen. Nicht alle Reste finde er später. Das gleiche gelte für die Hühner. Vergangenes Jahr habe er etwa einem Mastbetrieb abgekauft. Die Hälfte habe nicht überlebt. Manche Kadaver seien nun erst gefunden worden.

Eine Reihe von Auflagen hat Engert von der Tierbehörde erhalten. Er muss die Ställe reinigen. Das sieht er sogar ein. "Die sind völlig zugeschissen." Doch das sei der Stallpflicht geschuldet gewesen. Er habe kaum Gelegenheit gehabt, die Ställe zu reinigen, weil die Vögel nicht hinausdurften. Auch habe er Vogelmilben aus Volieren ausbrennen müssen. "Das ist alles noch nicht erledigt. Aber ich bin dabei." Die Auflage, einen Schädlingsbekämpfungsplan zu erstellen, will Engert erfüllen, auch wenn er das nicht so recht einsehen will. "Ich habe die Ratten immer im Blick und Fallen aufgestellt." Nur hat er die Ratten bislang im Garten vergraben. Die Behörde erwartet aber, dass er Kadaver fachgerecht sammelt und entsorgen lässt. Die Massen an Sperrmüll auf dem Grundstück würden nicht stören, glaubt der Tierzüchter. Aus den Bretterburgen will er Ställe und Volieren bauen, "weil die aus dem Baumarkt zu schlecht und zu teuer seien".

Ob Engert seine Tiere, die ins Tierheim nach Tornow gebracht wurden, zurückbekommt, wird sich zeigen. Noch hält sich der 66-jährige Hennigsdorfer für ein Opfer einer Intrige. Das Mitglied des Leegebrucher Kleintierzüchterverein glaubt, dass ihm sein Zuchterfolg geneidet wird und er mit neuen Ideen anecke. Er vermutet, dass ihn eine Vereinskameradin angeschwärzt hat. "Warum sucht man nicht das Gespräch mit mir, wenn man glaubt, ich könnte es besser machen?"

Die Kreisverwaltung hält an ihrer Einschätzung fest, dass die Tiere schlecht gehalten wurden und gelitten haben. "Unsere Tierärzte sind erfahrene Menschen. Sie haben nicht umsonst an einem Sonntag den Hof evakuieren lassen", sagt Sprecher Ronny Wappler. Er bestätigte, dass die Behörden ein weiteres Grundstück in Hennigsdorf, auf dem Engert mit einer Freundin Tiere hält, wieder im Fokus hat. "Dort gab es schon öfter Beschwerden, aber bisher keinen Handlungsbedarf", so Wappler. Nun sei aber ein Brief mit neuen Vorwürfen in der Verwaltung eingetroffen, denen von den Veterinären nachgegangen werde.

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