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Eine Falkenthaler Institution wird 40

Gemeinsam im Geschäft: Petra und Eckhard Dummer im Verkaufsraum ihrer Bäckerei. Natürlich gibt es dort auch Sitzmöglichkeiten für das Schwätzchen bei Kaffee und einem einem Stück Kuchen.
Gemeinsam im Geschäft: Petra und Eckhard Dummer im Verkaufsraum ihrer Bäckerei. Natürlich gibt es dort auch Sitzmöglichkeiten für das Schwätzchen bei Kaffee und einem einem Stück Kuchen. © Foto: Volkmar Ernst/GZ
Volkmar Ernst / 31.05.2017, 15:29 Uhr
Falkenthal (OGA) Die Bäckerei Dummer in Falkenthal hat eine lange Tradition. Sie reicht bis ins Jahr 1927 zurück. Am 31. Mai 1977 übernahm Eckhard Dummer den Betrieb, vor genau 40 Jahren.

Dass Dummer an die Handwerkstradition seines Großvaters und Vaters als Bäcker wieder angeknüpft hat, ist dem Umstand der Mangelwirtschaft in der DDR zu verdanken. Denn eigentlich setzte der Arbeiter- und Bauernstaat auf Staatsbetriebe. Doch die waren längst nicht so effektiv wie die privaten Kleinunternehmen. Um die Versorgung zu stabilisieren, wurden 1977 deshalb sogar wieder Gründerkredite für Kleinbetriebe vergeben.Zu jener Zeit endete gerade Eckhard Dummers Militärdienstzeit. Da er das Handwerk des Bäckers erlernt hatte und zudem alle notwendigen Gerätschaften in der Backstube bereitstanden, nutzte er die 5000 Mark der DDR, um den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen - nicht allein, sondern gemeinsam mit "seiner" Petra. Sie kannte er schon aus der Schule und war mit ihr fest befreundet. Der Einfachheit halber, weil die getrennte steuerliche Veranlagung für beide sehr umständlich zu handhaben war, beschloss das Paar zu heiraten. "Eine Vernunftehe sozusagen", sagt Petra Dummer und lacht. "Aber da muss schon noch mehr gewesen sein. Denn wir sind heute noch zusammen, haben zwei Kinder und Enkel und sind noch immer glücklich", ergänzt ihr Mann ihre Ausführungen mit einem breiten Lächeln.

Tatsächlich ist es Teamarbeit, die Bäckerei am Laufen zu halten. Um ihrem Mann zur Seite zu stehen, gab Petra Dummer ihre Anstellung im ehemaligen Isolierwerk in Zehdenick auf und tauschte ihren Job in der dortigen Personalabteilung gleich mit dreien in der Bäckerei - als Bürokraft, als Helferin in der Backstube und Verkäuferin hinter der Ladentheke.

Alle Hände voll zu tun hat auch ihr Ehemann, denn die Nacht endet für ihn kurz nach Mitternacht. Dann geht es in die Backstube, um den Teig anzusetzen, die verschiedenen Brotsorten und Brötchen zu formen und die Kuchen zu backen. Schließlich öffnet der kleine Laden um 5.30 Uhr, da muss alles frisch in den Regalen stehen. Zusätzlich beliefert Dummer Lebensmittelgeschäfte mit seinen Waren. Besonders die sogenannten Mailänder sind bei den Kunden begehrt, verrät Eckhard Dummer. "Es ist ein Hefeteig mit Puddingfüllung, verfeinert mit Rosinen und Marzipan", verrät der Chef. Der Teig wird auf dem Blech ausgestrichen, der Pudding ebenso, anschließend die Deckschicht mit den Zusätzen gelegt. Der Belag ähnelt dem einer Schnecke, nur dass hier eben einzelne Stücke geschnitten werden. Eckhard Dummer ist voll in seinem Element, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Klar, dass für Bestellungen für Familienfeiern oder zu Festtagen Zusatzschichten eingeschoben werden.

Bereut hat der Bäcker den Schritt in die Selbstständigkeit nie. "Es ist schon ein toller Job, auch wenn er nicht gerade familienfreundlich ist." Seine Frau kann ihm da nur zustimmen.

Das ist auch der Grund, dass weder sein Sohn noch seine Tochter den Betrieb übernehmen werden. Der Sohn arbeitet beim Finanzamt in Oranienburg, die Tochter bei einer Bank in Berlin. Die drei Enkelinnen sind zwischen fünf und neun Jahre alt und kommen als Bäckerinnen in spe noch nicht in Betracht. Daher bereitet sich das Ehepaar Dummer langsam auf den Übergang ins Rentnerleben vor. Vermutlich in zwei Jahren wird die kleine Filiale an der Zehdenicker Straße ihre Türen schließen. "Ich kann die Entscheidung der Kinder nachvollziehen", sagt Petra Dummer. "Wir kennen dich ja nur vom Arbeiten und Schlafen", hatten sie das Familienleben beschrieben und so auch ihre Entscheidung begründet.

Traurig sind die beiden trotzdem nicht. Denn es ist ein Abschied, auf den sich das Paar vorbereiten kann. Auch die drei Angestellten wissen, dass in zwei Jahren das Aus kommt. Die zwei Verkäuferinnen sind in ähnlichem Alter wie die Dummers. Der Geselle muss entscheiden, wie er damit umgeht, hat aber eben auch die Zeit dafür.

Das Geschäft zu übernehmen, sei keine Option, so Dummer. "Da müsste in Größenordnungen in neue Technik investiert werden. Das habe ich bewusst nicht mehr gemacht, weil ich wusste, dass irgendwann Schluss ist", sagt er. "Außerdem ist es ein hartes Geschäft, sich gegen die Konkurrenz der großen Lebensmittelketten zu behaupten. Jeder muss rechnen, das kann ich niemandem verübeln. Aber ich muss eben auch rechnen, und von Hand gemachte Torten sind bei uns nun eben doch teurer", erklärt Eckhard Dummer weiter.

Worauf sie sich freuen, fasst Petra Dummer so zusammen: "Endlich viel Zeit für uns, die Kinder und die Enkelkinder haben und an keine Öffnungszeiten mehr denken müssen." Außerdem seien da noch das Grundstück und der große Garten. "Das Hobby meiner Frau", meint Eckhard Dummer und verrät, dass er selbst sich ein Rennrad zugelegt hat. Zur Versöhnung ergänzt er lachend: "Du bekommst ein E-Bike. Dann können wir gemeinsam auf Tour gehen."

Ihrem Ort Falkenthal werden sie natürlich treu bleiben. "Das ist unsere Heimat."

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