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Abenteuer im Mehlstaub

Eine Mühle ohne Korn: Dafür wird in der Salvey-Mühle Geesow seit alter Zeit Holz gesägt. Das ratternde Gatter gehört zu den sehenswertesten Attraktionen am Deutschen Mühlentag in der Uckermark. Betrieben wird die Sägemühle mit Wasserkraft.
Eine Mühle ohne Korn: Dafür wird in der Salvey-Mühle Geesow seit alter Zeit Holz gesägt. Das ratternde Gatter gehört zu den sehenswertesten Attraktionen am Deutschen Mühlentag in der Uckermark. Betrieben wird die Sägemühle mit Wasserkraft. © Foto: Stefan Csevi
Oliver Schwers / 05.06.2017, 18:58 Uhr - Aktualisiert 06.06.2017, 07:45
Casekow/Greifenberg (MOZ) Mehlstaub, ratternde Becherwerke, das Geräusch des Mahlsteins - ältere Menschen kennen noch die Atmosphäre einer echten Mühle. Doch ihre Zahl ist extrem geschrumpft. Geblieben sind nur die erhaltenen Denkmale, die zum Deutschen Mühlentag öffneten.

Am 05.06.2017 fand der Deutsche Mühlentag statt. Auch Mühlen in der Uckermark öffneten ihre Türen.
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Deutscher Mühlentag

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Nur ein paar Häuser weiter ist Thorsten Bolle aufgewachsen. Gemeinsam mit anderen Dorfkindern startete er seine Abenteuer stets an der Walzmühle von Casekow. Sie sprangen ins Korn, fingen Mäuse, halfen dem Müller. "Morgens setzte der mit dem großen Hauptschalter die Mühle unter Strom. Dann gingen die Maschinen an", erzählt Thorsten Bolle. Das Korn kam von den Bauern und der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Die betrieb zu DDR-Zeit auch die Mühle. Das Getreide wanderte zuerst in ein Lager und von dort in den Keller, wo die Walzenwerke bis heute stehen. Becherwerke transportierten das in mehreren Gängen entstandene Schrot als Futter für die Tiere nach oben. Während der Bauer oben beim Müller im Zimmer saß, spannte Thorsten Bolle den Mehlsack unter die Abfüllung. Dann nahm der Bauer den Zentner aufs Fahrrad und fuhr heim.

Zum Mühlentag setzt Burkhard Flügel aus Casekow noch einmal eine Maschine in Gang. Als Attraktion für die Besucher. Die Walzmühle funktioniert ansonsten nur eingeschränkt, denn ein großer Teil der Technik fehlt seit der Stilllegung. Doch der Dorfverein von Casekow kann in dem massiven zweigeschossigen und unterkellerten Ziegelbau noch den Eindruck früherer Handwerksarbeit vermitteln. Sackkarren, der funktionierende Holz-Aufzug, die Müllerstube, Säcke und Gerätschaften erzählen von einer harten Arbeit.

Thorsten Bolle, stellvertretender Chef des Dorfvereins, gehört zu der letzten Generation, die eine Mühle im Alltagsbetrieb erlebt hat. Casekow besaß früher sogar eine Bockwindmühle. Allerdings ist die längst verschwunden. Mehl kommt heute aus dem Supermarkt. Und selbst die große Angermünder Mehlmühle, die sogar die Wende überstanden hatte, steht lange still.

Woher kommt also die ungebrochene Faszination der vielen Mühlentagsbesucher für das alte Müller-Gewerk? "Mühlen sind Brot", sagt Burkhard Flügel. So einfach ist die Erklärung. Und Brot gilt bei den Deutschen als eines der wichtigsten und ältesten Lebensmittel.

In Greiffenberg wollen sie wieder Mehl mahlen. Aber eben nur zu Schauzwecken. Der im Wiederaufbau befindliche Erdholländer - weithin sichtbares Wahrzeichen - wird nie wieder "ein produzierendes Denkmal, sondern stattdessen ein Produktionsdenkmal", sagt der Chef der dortigen Mühlenfreunde Horst Fichtmüller. Allerdings gibt es hier wieder einen fast "echten" Müller. Ingo Walligora hat das notwendige Diplom erworben. Vielleicht hilft es ihm, nach 20 Jahren Arbeitslosigkeit einen tatsächlichen Job zu bekommen. Premiere zum Mühlentag: Kraftvoll stimmte der singende Müller im Freien mit allen Gästen die Ode an die Freude an.

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