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Papierdecke erhält Glanz zurück

Arbeitsteilung: Während Altmeister Hans Gürtler (links) die Farben mischt und sie mit feinem Pinsel aufträgt, bessert Geselle Karl-Heinz Neuenkirchen die schadhaften Stelle in der Tapetendecke aus.
Arbeitsteilung: Während Altmeister Hans Gürtler (links) die Farben mischt und sie mit feinem Pinsel aufträgt, bessert Geselle Karl-Heinz Neuenkirchen die schadhaften Stelle in der Tapetendecke aus. © Foto: MZV
Martin Risken / 13.06.2017, 06:06 Uhr
Bergsdorf (GZ) Einen angenehm kühlen Arbeitsplatz hat seit einigen Tagen Malergeselle Karl-Heinz Neuenkirchen. In der Bergsdorfer Kirche bessert er mit viel Fingerspitzengefühl die schadhaften Stellen der einzigartigen Papierdecke aus. Eine Sisyphusarbeit.

Nach vielen Jahren des Bemühens des Gemeindekirchenrates um die Sanierung der Papierdecke fiel Anfang dieses Jahres die Entscheidung, die durch Feuchtigkeit stark in Mitleidenschaft gezogene Decke unter der Aufsicht des Restaurators Jochen Hochsieder zu restaurieren, der den Malern auch zur Hand geht. Skeptiker mussten überzeugt, vor allem aber die rund 70 000 Euro, die die Arbeiten kosten, irgendwie aufgebracht werden.

Nach dem Konzert der "Orange Voices" anlässlich der 750-Jahr-Feier Bergsdorfs Ende Mai wurde damit begonnen, die Kirche für die Arbeiten vorzubereiten. Zunächst wurde im Altarraum ein Arbeitsgerüst aufgestellt, dessen Plattform in den nächsten Wochen der Arbeitsplatz von Karl-Heinz Neuenkirchen und seinen Kollegen von der Malerfirma Gürtler aus Wolfsruh sein wird. Mit angewinkelten Armen und dem Kopf im Nacken pinselt der Malergeselle hauchdünne Papierstücke auf die Decke. Währenddessen kümmert sich Altmeister Hans Gürtler um das Mischen der Farben und das eigentliche Malern.

Der 1949 gegründete Malerbetrieb hat sich spezialisiert auf die Restaurierung von alten Gemäuern. Jeder Auftrag ist eine neue Herausforderung, die sich Hans Gürtler auch mit 74 Jahren noch gerne stellt und seinen Mitarbeitern zur Hand geht. Mehr als einem Dutzend Kirchen und Schlössern in der Region verhalf das Unternehmen zu einem frischen Aussehen. Darunter so bekannte Adressen wie Schloss Rheinsberg, Schloss Hoppenrade und Schloss Charlottenburg. Auch die Fassade des Oranienburger Schlosses durften die Wolfsruher mit einem frischen Anstrich versehen. Aber so eine Papierdecke ist dann wieder etwas völlig Neues.

Ob er den Auftrag für die Bergsdorfer Kirche überhaupt annehmen kann, stand für Geschäftsführer Heiko Gürtler keineswegs fest. "Wir waren uns nicht sicher, ob es überhaupt funktioniert. Wenn der Untergrund nicht fest gewesen wäre, wäre es nicht gegangen", sagt Hans Gürtler, seit 1974 Malermeister. Die Blumenmotive und Ornamente wurden vor mehr als einhundert Jahren mit Hilfe von Schablonen aufgemalt oder unter Verwendung von Durchschreibepapier, sogenanntem Pauschpapier, aufgetragen. Alles, was noch zu erkennen ist, muss erhalten bleiben, wird aber mit feinem Pinselstrich erneuert. "Für diese Arbeit braucht man viel Zeit und Ruhe", sagt Hans Gürtler, während er mit Engelsgeduld Striche zieht. Den Sommer über werden die Maler mit diesem Auftrag wohl zu tun haben. Der weit aus größere Teil steht dabei noch an, die Decke im Kirchenschiff harrt noch der Restaurierung durch die Experten.

Wie lange die restaurierte Tapete halten wird, vermag auch der erfahrene Malermeister nicht zu sagen. Die hohe Luftfeuchtigkeit in der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Bergsdorfer Dorfkirche dürfte langfristig zu einem Problem werden. Auch das Holz, das sich unter der Tapetenschicht verbirgt, arbeitet natürlich weiter. Trotz all dieser Unwägbarkeiten war es der Wunsch der Bergsdorfer, die strahlende Schönheit der Tapetendecke wieder herzustellen, die so viele Jahre dem Blick der Kirchenbesucher vorenthalten wurde.

In den 1960er-Jahren verschwand die kunstvolle Decke unter grauen Platten, erinnerte sich der damalige Pfarrer Hans-Joachim Vanselow bei den Dacharbeiten, die 2007 ausgeführt wurden. Bei einer Voruntersuchung zur Schwammbeseitigung wurden die kunstvollen Motive wieder zum Vorschein gebracht.

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