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Freundeskreis schlägt Alarm

Oliver Schwers / 14.06.2017, 06:00 Uhr
Kerkow (MOZ) Alarm schlägt der Freundeskreis Kerkower Dorfkirche. Obwohl die Mitglieder seit Jahren Geld für das Denkmal sammeln, wird die Sanierung hinausgeschoben. Der Grund: Es besteht keine akute Einsturzgefahr. Darauf will der Freundeskreis aber nicht warten.

Es war eines Abends im Jahre 1974, da krachte der Blitz in den Turm der Dorfkirche. Der hölzerne Aufsatz brannte lichterloh. Doch den Feuerwehren gelang es, die Kirche zu retten. Bei der Sicherung halfen so viele Leute aus dem Dorf, dass es in die Geschichte der Kirchgemeinde eingegangen ist.

Nun ist Hilfe wieder dringend nötig. Doch diesmal bedroht nicht Feuer, sondern Wasser das aus dem Jahre 1236 stammende Baudenkmal. Es dringt durch undichte Stellen im Dach. Schwamm hat sich gebildet. Der Turmkopf sieht ohnehin schlecht aus, Putz bröselt, der Verfall ist unübersehbar.

"Fünf vor zwölf", so warnt der Freundeskreis Kerkower Dorfkirche. Dessen Mitglieder, die seit Jahren für die Sanierung Geld sammeln, schlagen Alarm. Denn obwohl die Schäden immer deutlicher zutage treten, passiert nichts. Die erhofften Bauzusagen für die Dacheindeckung blieben bislang aus. Ausschreibungen würden wieder rückgängig gemacht. Bereits zugesagte Termine seien nicht eingehalten worden. "Auch in diesem Jahr werden wir keine Bauaktivitäten erleben können, was uns große Sorgen bereitet", schreibt der Freundeskreis nun in einer offen geäußerten Sorge im Angermünder Gemeindebrief.

Die mittelalterliche Feldsteinkirche mit ihrer besonderen Innenausstattung, mit kompletter Ausmalung, einem Kreuzgewölbe und einem sehr sorgfältig ausgeführten massiven Turm gehört zu den architektonisch und kunstgeschichtlich interessanten Objekten in der Region. Innen merkt der Besucher wenig vom eindringenden Wasser, von der drohenden Gefahr. Doch die emsigen Geldsammler wollen nicht weiter die Restaurierung der Ausstattung vorantreiben, wenn unklar ist, wann die Dachsanierung startet.

Noch steht nicht einmal fest, was genau gemacht werden muss. Jens Radtke, Bausachverständiger des evangelischen Kirchenkreises Uckermark, hat das Objekt auf seiner langen Warteliste der Begehrlichkeiten. Auch nach einem Treffen im April mit dem Gemeindekirchenrat erhielt der Freundeskreis "keine befriedigenden Antworten".

"Kein böser Wille", sagt Uwe Korepkat, bis vor Kurzem Vorsitzender des Gemeindekirchenrats. "Natürlich wird der bauliche Zustand nicht besser, aber im Kirchenkreis haben wir 126 denkmalgeschützte Objekte und können höchsten drei bis vier pro Jahr sanieren. Da lernt man, sich in Geduld zu üben." Das liegt am Geld. Die Kirche hat Prioritätenlisten. Einige Häuser sind so teuer, dass ihre Rettung über mehrere Jahre hingezogen wird. Und ganz oben stehen die Gebäude, bei denen Gefahr im Verzug ist wie zum Beispiel der akut beschädigte Turm in Greiffenberg. Das führt zu einer kurios anmutenden Situation: Bei einem vertretbaren Aufwand wie in Kerkow könnten jetzt mit geringeren Mitteln die Schäden schnell beseitigt werden, bevor der Verfall große Dimensionen annimmt. Stattdessen fehlt gerade jetzt das Geld dafür.

Der Freundeskreis gibt nicht auf. "Trotzdem wollen wir nicht müde werden und weiter für den Erhalt der kleinen Dorfkirche kämpfen", haben sie in den Gemeindebrief geschrieben. Vielleicht rückt das Denkmal mit einer größeren Privatspende höher auf der Rangliste.

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